Nun war es doch wieder Milos geworden. Nach dem letzten Besuch vor zwei Jahren hatte ich gedacht, ich würde diese Insel von meiner Besuchsliste streichen, da die touristische Entwicklung dort zu heftig ist: die Preise zu hoch, der Baustellen zu viele, und der Instagram-Touristen auch. Aber dann scheiterte mein Kajak-Test im Herbst auf Kreta am Wetter, und Naxos war nur ein unzureichender Ersatz. Auf Milos würde mir das nicht passieren. Also doch zurück.
Mit Business-Flug nach Athen (dank Aegean-Meilen) und empfehlenswerter Übernachtung in Markopoulo im „Aethon Airport Project“ inklusive kostenlosem Shuttle Service zum Athener Flughafen, und am nächsten Tag preiswertem Milos-Flug mit Sky-Express.
Am Flughafen Milos empfängt mich Katerina von Happy Ride mit einem tadellosen Fiat Panda, den ich für zwei Tage gemietet habe. Happy Ride erlaubt, im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern, die Fahrt in den Südwesten der Insel, und genau dort will ich hin. Weil Rod die beiden ersten Tage noch eine Gruppe Kajaker um Milos, Poliegos und Kimolos führt, würde es erst am dritten Tag ins Kajak gehen.
Die Preissteigerung hat auch vor den Zimmern von Petrinela‘s Guesthouse keinen Halt gemacht. Achtzig Euro die Nacht als Einzelperson, Frühstück plus elf Euro, und ohne vorher zu wissen, wo man dort genau unterkommt? Keine Lust. Über booking hatte ich dann bei Anastasia's Triovasalos ein schönes Apartement für 63 Euro die Nacht gefunden. Das war dort in der Karte falsch (zu weit östlich) eingezeichnet, liegt aber tatsächlich mitten im Ort, nur zwei Minuten vom Kafenio Perros entfernt. Die Wirtin Anastasia spricht nur Griechisch, weshalb sie die Zimmervermietung an eine Agentur auf Milos vergeben hat, die wiederum bei booking anbietet. Von der Agentur holt mich jemand am Parkplatz des AB-Supermarktes in Triovasalos ab und bringt mich zum Zimmer. Sehr schön eingerichtet, mit Liebe und Geschmack. Ja, ich gebe zu: ich freue mich, wenn die Zimmer auch hübsch eingerichtet sind, und nicht nur zweckmäßig Bett, Nachttisch und Schrank und Glühbirne an der Decke wie früher oft. Dazu ausreichend Haken, Moskitogitter an den Fenstern, kleine Kochecke mit Spüle, bequemes Bett, überschwemmungsfreies Bad, schöner Sitzplatz draußen samt freundlicher, aber nicht zu aufdringlicher Katze, ruhige und doch zentrale Lage – perfekt! Anastasia und ihr Mann freuten sich, dass sie mit mir Griechisch sprechen können. Das würde in diesem Urlaub noch so oft wie sonst nie der Fall sein. Schön, wenn meine Griechischkenntnisse so direkt Anwendung finden und ausgebaut werden können. Mit Petrinelas Familie ist sie übrigens verwandt und ich erinnere mich, dass Rod hier auch schon Kajakgäste untergebracht hat. Es bleibt alles in der Familie.
Ich gehe erst mal ans Karodromos ins „Sternaki“ zum Essen. Griechischer Salat mit Brot und Wasser für elf Euro fünfzig. Kaufe dann beim Bäcker und im Supermarkt, wo ich das Auto habe stehen lassen, Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Frühstück werde ich selber machen.
Das Wetter ist sonnig und angenehm warm ohne heiß zu sein. Eine Abkühlung im Meer suchend fahre ich zum Plathiena-Strand. Der ist für 7. Mai schon recht gut besucht, auch wenn die Strandbar dahinter erst im Aufbau ist. Auf zwanzig Grad bringt es das Meer in der flachen und sandigen Bucht. Mehr werden es auch in gut zwei Wochen an meinem letzten Badetag dieses Urlaubes nicht werden.
Auf der Rückfahrt fahre ich bei Fourkovouni und Areti vorbei. In Fourkovouni zeigt ein Vermieter einem einzelnen Gast gerade sein neues Feriendomizil im Syrma. Ob er sich das so vorgestellt hat?
Vor allem bei Areti ist ordentlich gebaut worden, und wird noch. Das Grundelend von Milos in diesen Tagen: überall wird die Landschaft zerstört um Luxusbungalows oder -hotels zu bauen. Nun kommt zwar demnächst ein strengeres griechisches Bebauungsrecht, aber viele Baustellen sind schon fortgeschritten (ob mit oder ohne Genehmigung ist unklar). Außerdem werden nun die neuen Genehmigungen im Stundentakt erteilt ehe das neue Gesetz, das vor allem für die stark belasteten Inseln wie Kos, Rhodos, Mykonos, und Santorin gelten soll, Ende Juni in Kraft treten soll. Hotels dürfen dann dort nur maximal hunderte Betten haben (so klein ist das auch nicht), und Ferienunterkünfte dürfen nur da gebaut werden, wo es bereits offiziell genehmigte Straßen gibt und die Grundstücke groß genug sind. Ein Abstand von 25 Metern zum Meer ist dagegen eine Verschlechterung – bisher galten 40 Meter. Klasse (und Geld) statt Masse – könnte funktionieren, wenn sich nur noch Menschen mit dicken Geldbeuteln manche Inseln leisten können.
Auf Milos scheint man noch Ausbaukapazität zu sehen.
Auf der Weiterfahrt gen Plaka laufen zwei Chukarhühner vor mir über die miserable Straße. Und eine dicke Schlange, bei der es sich tatsächlich um ein Milosviper handeln könnte. Sie wird von den Hühnern misstrauisch beäugt, aber sie sind zu groß um ins Beuteschema der Schlage zu passen. Aber ihre Küken, so vorhanden. Da die Piste danach zu endet, muss ich wieder umdrehen und die Tiere haben ihre Ruhe von Durchgangsverkehr.
Gut, dann fahre ich eben noch über Fyropotamos, wo auch ein teils unterirdisches Hotel geplant ist. Dabei hat man gerade 52 dieser Bootshäuser (Syrma, Plural Syrmata) auf Milos unter besonderen Schutz gestellt, sie dürfen in ihrem Charakter nicht verändert und zu Touristenquartieren umgebaut werden. Aber natürlich kann man bootshausähnliche Neubauten errichten, wie in Klima geschehen. Wenn der Mindestabstand zur Küste gewahrt wird. Hier soll es gleich ganz unterirdisch werden… Katakomben gibt es auf Milos ja schon lange ... Liebe Milioten, wenn ihr eure Insel unbedingt für so etwas fragiles wie den Tourismus und kurzfristige Gewinne ruinieren wollt… es ist eure Insel. Aber es tut mir in der Seele weh. (Ich fürchte, ich wiederhole mich.)
Zum Tagesabschluss geht es dann noch hinab nach Klima. Es ist schon acht Uhr vorbei, und die Sonne ist hinter den Wolken untergegangen, unter Hinterlassung eines rosafarbenen Schimmers. Blaue Stunde. Ein paar Besucher sind noch da, darunter eine größere und laute Gruppe spanischsprechender junger Leute in schicken weißen Klamotten. Abiturienten auf Abschlussfahrt? Studierende? Ich werde viel in meinen Milos-Tagen überhaupt viel Spanisch (oder ist es Südamerikanisch?) hören. Das ist neu.
Aus einigen der Syrmata scheint Licht, die Bewohner gucken auf meine neugierigen Blicke ins Innere allerdings schon etwas gereizt. Hat man euch vor der Buchung nicht gesagt, dass Hunderte von Klima-Besuchern täglich neugierig sind, und es dort schlecht mit der Privatsphäre aussieht? Oder wollte ihr genau das, und findet es jetzt dann doch nicht mehr lustig? Mein Mitledi hält sich in Grenzen.
Beim Blick hinüber zum Kap Vani und nach Antimilos ist sie dann wieder da: diese Weite im Herzen, die auch hunderte Baustellen und tausende Besucher nicht ändern können. Ich liebe diesen Anblick, fühle mich vertraut und möchte dann nicht mehr weg.
Zum Glück wird es dann doch dunkel. 😉
Ich möchte in Tripiti zu Abend essen, nehme die obere Einbahnstraße durch den Ort und parke am oberen Ortsende. Das „Bariello“ ist noch zu, und leider auch das „Ergina“. Dass auch das „Methismeni Politia“ (~ betrunkener Staat, nach einem gleichnamigen Lied, und auch einer Novelle) noch zu hat, werde ich ein paar Tage später sehen. Also gehe ich in „Glaronissia“, das knallvoll ist. Hoppla! Ich bekomme gerade noch eine Platz draußen, bestelle Patates mit Spiegelei und Tomatenpaste. Während ich darauf warten, beobachte ich, dass die meisten Gäste Jugendliche sind und zusammengehören. 30, 40 Menschen. Sie sprechen Englisch, aber teilweise auch Griechisch. Zwei oder drei Frauen kann ich als Aufsichtspersonal ausmachen. Was da wohl für eine Gruppe ist? Hinterher werde ich mich ärgern, dass ich zu schüchtern war um zu fragen.
Das Essen ist reichlich und schmeckt. 15 Euro sind auch ok. Müde geht es dann heim und ins Bett.
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Die Wetterprognosen für heute sind nicht so toll: Wolken und auch etwas Regen sind angesagt. Früh bin ich auf und fahre zum Bäcker Mouratos zwischen Triovasalos und Adamas um mir Brot und ein
Tsoureki zu holen – sein Brot ist besser als das vom Bäcker am Karodromos. Die direkt Straße nach Triovasalos ist nicht mehr gesperrt, wie noch gestern. Leitungs- oder Rohrarbeiten.
Frühstück dann vor meinem Zimmer. So fängt der Tag gut an.
Trotz der durchwachsenen Wetterprognosen möchte ich heute zum Kloster Agios Ioannis Siderianos im Südwesten der Insel fahren. In Adamas komplettiere ich bei der Durchfahrt ich noch mein Frühstückszubehör – nicht alles Gewünschte habe ich gestern in Triovasalos bekommen.
Bei der Fahrt über die Insel fällt mir auf, wie grün sie sich zeigt. So habe ich sie noch nie erlebt. Von Wiesenblumen gelbe Wiesen, violette Winden am Rand. Grüner Wacholder dazwischen.
Die befestige Straße endet bei Agia Marina, aber danach ist sie immer noch breit und gut befahrbar. Das ändert sich erst nach dem Abzweig zum Kloster: peu à peu wird die Straße schlechter. Aber ich fahre langsam und vorsichtig, sehe die Löcher und Steine um so rechtzeitig um auszuweichen. Und muss an eine unvergessliche Fahrt zurück von Agios Ioannis vor fünf Jahren denken.
Als ich vor elf Uhr am Kloster ankommen, wundere ich mich über einige geparkte Autos.
Heute, am 8. Mai, findet dort ein Kirchenfest statt. Bei den vielen Namenstagen der heiligen Johannese war mir der 8. Mai für Agios Ioannis Theologos (und Evangelist, aber nicht Täufer) nicht mehr geläufig. Und war ich nicht einst im September hier, als auch ein Kirchenfest vorbereitet wurde? Stimmt, am 26. September wird nochmal gefeiert.
Der Gottesdienst ist schon vorbei, ich kann einen Blick in der Kirche werfen. Hinter der Ikonostase ist der Papas zugange, er bruddelt lautstark vor sich hin und scheint sich doch tatsächlich immer wieder einen hinter die Binde zu gießen. Lustig.
In einer Ecke des Klosters werden Tische gerichtet. Nur ein Dutzend Leute sitzt dort, offenbar kein so großes Fest wie im Herbst. Ich will jetzt nicht eingeladen werden, sonst kann ich meine Wanderung knicken, und mache einen größeren Bogen um die Parea. Verlasse das Kloster auf der Straße gen Süden und starte die Aufzeichnung meines Tracks. Viertel nach elf ist es jetzt.
Mein Ziel ist heute der Kanonenhügel Topakas, der während der deutsche Besatzung als Radar- und Geschützstellung diente. Keine lange oder schwere Wanderung, perfekt zum Urlaubseinstieg.
In der ersten Kurve der Straße geht der Fußweg ab, er ist sogar ausgeschildert. Später wird irgendwo der Weg nach Sykia abzweigen, aber der interessiert mich heute nicht.
Nach einer Viertelstunde auf einem schmalen, gelegentlich wadenkratzenden Fußweg erreiche ich die Rampe, die die Besatzer als Zugang zum Kanonenhügel angelegt hatten. Der Zahn der Zeit hat an ihr genagt, aber als Wanderweg ist sie sehr gut. Sie führt sanft am Hang entlang aufwärts, wird irgendwann zur Steinkante und macht schließlich eine Haarnadelkurve. Zum Transport von Material durfte die Steigung nicht zu hoch sein. Wahrscheinlich könnte man irgendwo abkürzen, aber ich bleibe auf der Rampe, die mit einer zweiten Kurve wieder in die richtige Richtung abbiegt.
Der Himmel hat sich weiter eingegraut, und kurz bevor ich am Ziel bin, fängt es zart an zu Tröpfeln.
Um Viertel nach zwölf, nach einer Stunde Wanderung, erreiche ich die Ruinen der Gebäude.
Ich ziehe die Regenjacke an und gehe weiter bis zu dem kleinen Ausguck, an dem eine Gedenktafel für vier am 13. November 1944 gefallene Soldaten der Royal Marines angebracht ist. Diese fielen beim gescheiterten Versuch, das hier installierte Freya-Radar zu erobern. Die Deutschen zerstörten es dann selbst ehe sie sich von diesem Punkt der Insel zurückzogen. Auf Milos endete der Krieg erst im Juni 1945.
Die verrostete Überreste des Radars – sieht mehr aus wie ein Geschütz - finde ich etwas weiter östlich. Von hier hat man einen hervorragenden Blick über die Küste bis Kleftiko, wo ich mehrere Segelboote ausmachen kann.
Der Regen setzt immer mal wieder aus, und der Platz ist gut geeignet für eine kleine Rast.
Nach etwas fünfzigminütigem Aufenthalt auf dem Hügel geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück nach Agios Ioannis. Irgendwo erwischen die Dornen meinen Waden und hinterlassen blutige Spuren. Später Blutzoll.
Um zwei Uhr bin ich wieder am Kloster, wo nur noch ein paar Leute sind, die einen Grill angeworfen haben. Auf ihm schmoren Oktopusbeine und Würste und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Die Leute hab mich aber nicht gesehen – oder wollten es nicht – und so wandere ich nonstop zum Auto zurück. Das waren gesamt 4,8 Kilometer in zwei Stunden reine Gehzeit, 280 Höhenmeter hinauf und hinab.
Und nun?
Eigentlich hatte ich zum Baden zum Strand von Agios Ioannis hinabgewollt, zu Fuß. Der Regen hat zwar aufgehört, aber so richtiges Badewetter ist auch nicht. Also erinnere ich mich, dass Fabian nach seinem Milos-Besuch vor drei Jahren meinte, die Straße zum Strand von Triades wäre gar nicht so schlecht. Wäre doch den Versuch wert. Dazu muss ich aber erst fünf Kilometer auf der schlechten Piste zurück, und weil das Licht jetzt so diffus ist, sehe ich die Löcher und Rinnen auf der Straße viel schlechter und nehme das eine oder andere Loch mit. Aber schön langsam.
Den Wegweiser nach Triades habe ich schon bei der Herfahrt gesehen. Die Piste ist nun schmaler, aber tatsächlich ganz gut. Was daran liegen könnte, dass es unweit der Küste eine große Baustelle gibt, an der gebaggert und gearbeitet wird und LKW Material abfahren. Die bessere Piste wäre wohl in dieser Richtung gewesen, ich lasse mich aber von der Baustelle abschrecken und nehme an der Gabelung die nördliche Piste, die sich kurz vor dem Strand so schmal, steil und ausgefahren zeigt, dass mir nichts anderes übrigbleibt als rückwärts wieder hochzufahren und das Auto dort abzustellen. Ich schnappe das Handtuch, Badeklamotten werde ich so abseits nicht brauchen. Wobei ein paar flache Ferienhäuser da oben stehen. Aber die sind weit weg.
Triades besteht aus mehreren Buchten, ich bin nun wohl an der nördlichen. Erst Felsen, dann Sand. Ich vertrete mir trotz Wanderschuhen irgendwie den linken Zeh (der Hallux rigidus lässt grüßen), was ich noch ein paar Tage schmerzhaft merken werde. Ein einsames Syrma ist der perfekte Patz zum Ausziehen, dann schnell Richtung Meer. Aber das ist kalt. Kälter als gestern. Kann ich mich überwinden und ganz rein.
Und dann sehe ich um die Felsen am südlichen Buchtende einen Schnorchler im Neopren-Anzug kommen. Panagia mou, was macht der hier, so am Arsch von Milos? Schnell tauche ich nun ganz ein ins Wasser, beobachte wie er näherkommt und aus dem Wasser steigt. Er ist eine sie, und bestimmt so überrascht wie ich. Sie strebt dem Syrma zu und holt ihre Tasche, die sie dahinter versteckt hat, und setzt sich neben meine Sachen. Ist ja auch der beste Sitzplatz der Bucht. Ja prima! Ich schwimme noch etwas, aber dann wird es mir doch zu kalt. Also im Evaskostüm zum Syrma, ganz ungezwungen. Sie hat sich inzwischen aus dem Neopren geschält, Badesachen hat sie keine darunter, und sitzt nur vom Handtuch bedeckt in der nicht wirklich vorhandenen Sonne. Natürlich kommen wir ins Gespräch während ich mich abtrockne und beiläufig anziehe. Sie ist Französin, Designerin aus Paris und wohnt im Haus eines Freundes oberhalb des Strandes. Milos kennt sie gut, kommt schon lange. Dass sie hier jemanden trifft, damit hatte sie nicht gerechnet. Wir tauschen uns noch eine Weile aus bis ich dann zum Auto zurückgehe. Eine nette Begegnung!
Vom Auto werfe ich noch einen Blick auf die Baustelle. Vor der Bauwut der Milioten ist wirklich keine Gegend sicher!
Von Agia Marina mache ich noch einen halbherzigen Abstecher Richtung Embourios, kehre aber schon bei der Lagune von Rivari um. Der Fatourena-Strand rechts sieht eigentlich auch ganz gut aus, aber ich habe ja schon gebadet.
Ich bin hungrig und halte auch auf dem Rückweg in Adamas. Hole mir in der Bäckerei an der Ecke ein Stück Ladenia, eine milostypische Pizza mit Tomaten und Zwiebeln, und esse sie auf einer Bank an der Paralia. Geparkt habe ich hinten am Hafen, Katerina von Happy Ride hatte gewarnt an der Paralia zu parken – zu restriktiv wird hier das Parkverbot inzwischen durchgesetzt, und so haben sie nun auch ihr Büro vom Autoverleih dort inzwischen geschlossen. Sie bringt das Auto wohin mal will, und holt es auch wieder ab.
Ich werde den Mietwagen morgen Nachmittag abgeben, vermutlich in Pachena. Das Auto wäre vollgetankt gewesen, hatte sie gesagt, wobei der Tankanzeiger das nicht ganz bestätigte.
Auf der Rückfahrt tanke ich daher an der Tankstelle auf halbem Weg nach Triovasalos voll, und bin perplex als der Tankwart 30 Euro möchte. Klar, der Sprit ist hier teuer, aber nie im Leben habe ich 14 Liter Benzin verfahren - das waren ja bislang kaum hundert Kilometer. Also die Hälfte vielleicht. Ich ärgere mich, aber ich habe morgen Vormittag ja noch etwas Zeit zum Herumfahren. 😊 Und fange gleich am Abend an, als ich nach Plaka fahre um dort Sonnenuntergang und Abendstimmung zu genießen. Gut, das Auto muss man auf dem großen Parkplatz unterhalb abstellen, aber wie oft bin ich die Straße am Stadion vorbei gegangen? Heute geht es mal bequem.
Vom Parkplatz gleich hinauf nach Plaka, und dann rechts Richtung Kastro. Will ja gucken ob sich bei „meinem“ Haus etwas getan hat. Es sieht unverändert aus, nur das marode in den Angeln hängende Lattentürchen unten hat man mit einem Schloss versehen. Natürlich werde ich es nicht übersteigen und oben durch die Fensterläden ins Haus linsen – das wäre jetzt doch übergriffig.
An der Panagia Thalassitra etwas darüber sitzen schon die Leute in Sonnenuntergangsstimmung. Ich geht auch hinauf und betrachte das geliebte Panorama, das nun auch den kleinen und den großen Profitis Ilias und die Odigitria-Kirche von Plaka miteinschließt.
Am Kastro oben ist es mir zu windig und ungemütlich, aber nun habe ich noch die Thalassitra-Kirche vor der über Antimilos tiefstehenden Sonne. Einfach nur genießen!
Den eigentlich Sonnenuntergang möchte ich dann aber an der Odigitrias-Kirche in Plaka erleben, mit Kap Vani von links und den archaischen anmutenden Landschaft zu meinen Füßen. Ob die Sonne hinter Antimilos untergeht, oder ob sie es noch über die Kante und ins Meer schafft? Die Wolken machen mir einen Strich durch die Überlegung, dahinter verschwindet sie sang- und klanglos. Auch recht.
Soll ich hier etwas essen? Im „Archontoula“ ist voll wie immer, das Café Palaios sieht überhaupt ganz geschlossen aus (für immer?), und das „Mavros Choiros“ gibt es auch nicht mehr.
Also doch hinab nach Adamas. Ein Fischlokal östlich des Hafens, oder ins „O! Hamos!“? Mangels Parkplatz (ja, so bequem wird frau dann mit fahrbarem Untersatz) lande ich im letzteren. Warten muss ich heute nicht, wie insgesamt nicht ganz so viel los zu sein scheint wie vor zwei Jahren.
Das Lamm mit Feta im Backpapier aus dem Ofen ist aber in der schummrigen Beleuchtung schwer zu essen und eher eine Enttäuschung: viel Knochen und Fett, wenig Fleisch. Warum falle ich darauf immer wieder darauf rein? 23 Euro sind dann auch eine für diesen Urlaub eher hohe Rechnung für eine Speise plus Wein und Brot. Aber gut, ich bin auf Milos, und die Taverne ist voll.
Morgen will ich dann in den Inselosten.