Kloster Agios (Ioannis) Theologos

Wenn man so früh im Jahr auf den Kykladen unterwegs ist, dann muss man wandern. Ganz abgesehen davon, dass es immer noch viele Ecken auf Amorgos gibt, wo man nur zu Fuß hinkommt, erschließt sich einem die Insel als Wanderer ganz anders als mit dem Auto. Und man sieht viel mehr!

 

Dieses Mal will ich unbedingt zum ehemaligen Kloster Agios (Ioannis) Theologos, das ganz im Osten der Insel liegt. Laut Wanderführer von Dieter Graf am besten von Egiali aus, aber da uns der Busfahrplan immer noch unbekannt ist und ich den Anstieg von Egiali nach Langada auch schon mehrere Mal hinter mich gebracht habe *schwitz* und auf eine Wiederholung nicht wirklich Wert lege, nehmen wir einfach das Mietauto bis Langada. Von dort ist es auch nicht so weit („Spaziergang“ laut Theo), das sollten dann auch meine beiden Begleiterinnen schaffen. Und ich kann mir überlegen ob ich noch bis Stavros weitergehe.

Wie meistens sind wir zu spät unterwegs. Mehrere Fotostops mit Blick auf Chora müssen sein, und die Straße in den Osten fährt man auch lieber gemütlich, wegen der Ausblicke, und wegen der Schafe und Ziegen, die sich gerne darauf herumtreiben. So ist es schon 11 Uhr vorbei als wir in Langada ankommen und das Auto abstellen.

 

Der Weg nach Agios Theologos ist gut beschildert, eine Stunde soll man brauchen. Frohgemut gehen wir los, erst eine Senke, dann bergan. Gegenüber glänzt Tholaria in der Sonne, da werden wir heute nicht hinkommen. Weil die Begleiterinnen mir zu langsam sind, vereinbaren wir, dass ich vorausgehe und sie evtl umkehren wenn es ihnen zu viel wird. Per Mobiltelefon werden wir uns verständigen – wenn wir überhaupt ein Netz haben. So marschiere ich flott auf dem schönen Plattenweg hinauf, bin wieder beeindruckt von der blühenden Natur. Der Mohn säumt den Weg, und Zistrosen, unten bleibt Langada zurück, der Blick aufs Egiali und Tholaria ist auch toll.

Eine Art Hohlweg schließt die Steigung ab, üppig die Vegetation. Nach einer Stunde liegt bei einer Kapelle, die der heiligen Varvara/Barbara geweiht ist, plötzlich das Kloster vor mir, oben auf dem Hügel. Rechts der steile Bergrücken des Krikelos, mit 823 Metern der höchste Berg von Amorgos – für ambitioniertere Wanderer als mich. Keine zehn Minuten am Rand einer blühend-grünen Hochebene entlang, dann hügelauf auf steinigem Weg, und ich bin beim Kloster oben. Alleine, niemand da. Eine Wandrerin zieht unten vorbei, nach Stavros, ohne Abstecher zum Kloster.

Wehrhaft sieht die Kirche aus von hier, dicke Mauern. Die Anlage ist gepflegt, der große Schlüssel zur Kirche steckt, lässt sich aber nur mit Kraft und gegen die Richtung drehen. Der Kirchenraum ist nicht sehr groß, aber schön. Aus dem neunten Jahrhundert soll die Anlage stammen, renoviert erst vor kurzem. Weil ich nicht glaube dass die Begleiterinnen den Weg hier herauf schaffen, singe ich ein Lied für sie – tolle Akustik, und zünde zwei Kerzen an. Dann gucke ich mir die Außenanlage an. Alles scheint noch in Gebrauch, vor dem großen Backofen liegt Holz in Mengen, das nächste Panigiri scheint nicht fern. Gerne würde ich es hier erleben! (Hier bei Frank).

Oberhalb der Kirche drei Glocken in einem Metallgestell, hinter einem Zaun der Gipfel des Hügels mit dunstfetzenverhülltem Blick auf das Meer und die Flanke des Berges, hier geht der Weg nach Stavros weiter. Lockt mich heute nicht. Ich raste ein wenig, esse und trinke, einmal um die Kirche. Und sehe die Begleiterinnen bei der Barbara-Kapelle, sie haben es doch geschafft, Respekt! Hätte ich nicht gedacht.

Weiter wollen sie wohl nicht, sie bleiben dort. Typischer Fall von Scheinriese: oft sehen die Gebäude auf den griechischen Inseln größer und weiter entfernt aus als sie tatsächlich sind, die Büsche scheinen Bäume zu sein, die Hügel Berge, die Kapellen Kirchen. Nach einem Telefonat gehe ich auch wieder hinunter zur Kapelle. Sie ist offen, Mutter und Tante haben sich jede einen Stuhl herausgenommen auf den sonnigen Vorplatz.

Ein wunderschöner Platz! Unter den Resten eines Gewölbes das Wasser einer Zisterne. Bienen summen in den Blumen, Gebimmel von Ziegenglocken. Man meint sich in den Schweizer Alpen. Amorgos soll kahl sein, trocken? Hier nicht, nicht im April. Die Frühlingssonne scheint nun mit Kraft, ich genieße sie auf der Mauer liegend. Sonne, Salbei, Glocken, die Mauer - ein Erlebnis für alle Sinne... da kann man schon mal die Zeit vergessen.

 

Schließlich reißen wir uns los und wandern wieder talwärts. Nehmen auf halbem Weg einen steinigen Pfad nach rechts, abwärts zur Kirche Panagia Epanochoriani. Auf dem Geröll ist nicht so angenehm laufen, zum Glück ist es nicht so weit.

Zuerst strahlt uns eine weiße Kapelle entgegen, weiter drüben dann die Kirchenanlage. Die Kirche ist abgeschlossen, Schlüssel finden wir auch keinen, egal, hab heute schon Kerzen angezündet. Wir spähen wenigstens durch die Glasfenster ins Innere, sehen aber nur wenig.

Von hier nach Langada zurück ist es nicht mehr weit, wir gönnen uns bei Nikos einen Frappé und einen (unerwarteterweise heißen) Schokoladenkuchen auf dem grünumrankten Balkon.

Zur Höhlenkapelle Agia Triada hinauf muss natürlich auch noch sein, in gebückter Haltung durch das niedrige Tor (noch niedriger als bei Kloster Chozowiotissa), dann die schöne Aussicht auf die Dörfer Tholaria, Langada und nach Egiali sowie die grünen Hänge dazwischen genießen. Vielleicht sollte man doch mal hier sein Quartier aufschlagen?

Unten in Egiali vergesse ich diesen Gedanken wieder, es ist immer noch dieser Ort ohne Flair, der mir außer einem schönen Strand und dem erwanderbaren Hinterland nichts zu bieten hat. Alle drei Autovermieter von Katapola haben übrigens auch hier eine Dependance, und endlich sehe ich den aktuellen Busfahrplan hängen. Er ist ausgesprochen unübersichtlich und verzeichnet zwei Busverbindungen von Katapola nach Chora und Egiali werktäglich, eine am Morgen und eine am Nachmittag. Das passt mir sehr für morgen! (Außerdem auch Verbindungen bis Kalotaritissa, ebenfalls ein bis zwei Mal am Tag).

 

Ohne Zwischenhalt zurück nach Katapola, wo wir das Auto abgeben und ich meinen Personalausweis zurückbekomme. (Wichtig, sowas. Sollte man nie vergessen, S. ;-)  ). Die „Scopelitis“ kommt gerade zurück von ihrer – heute kurzen – Tour, und das lassen wir uns nicht entgehen. Es sind schon mehr Zimmervermieter da als bei unsere Ankunft, und nun auch neu unser Ex-Vermieter vom Big Blue (Warum kommt dieses Quartier nicht mehr in der 2009er-Ausgabe vom MM-Kykladen? In Ungnade gefallen? Wir waren damals zufrieden, aber das ist auch schon etwas her...). Die Zahl der Neuankömmlinge hält sich in Grenzen, dafür buhlen noch Hotelbesitzer aus Egiali um die Gunst der Zimmersuchenden. Unsere Eleni ist auch dabei, heute geht sie leer aus.

Der Sonnenuntergang hinter Keros ist heute besonders überwältigend. War das ein schöner Tag!

 

Die inzwischen geöffnete Taverne „Mythos“ an der Platia ist heute dran fürs Essen, wie nehmen „Mönch“, nämlich Kalogiros – eine amorgianische Spezialität wie uns der Wirt versichert (Wo haben die auf einmal die Spezialitäten her? Gab es doch früher nicht...). Fleisch und Gemüse im Tontopf, mit Käse überbacken- lecker! Und auch hier ein Rakomelo, ein gewürzter Honigschnaps aufs Haus, wie schon im „Mouragio“ die Tage zuvor. Das Zeug fängt an, uns zu schmecken. Traditionelles Getränk von Amorgos – ab wann kann man von Tradition sprechen? Auch käuflich zu erwerben im Internet, unter dem Namen "Amorgion". Vor 15 Jahren beim ersten Amorgos-Besuch gab es das noch nicht, reichen 10 Jahre für Tradition? Egal, Hauptsache hausgemacht, nach Mutters Rezept, wie uns immer versichert wird...

 

Beschwingt kehren wir heim in die Unterkunft, Amorgos ist einfach schön!

 

Morgen will ich wieder wandern, etwas länger...