Das Wandern...

... ist des Müllers Lust – so behauptet zumindest der deutsche Volksmund. Für den griechischen Müller trifft das bestimmt nicht zu. Wie für den Griechen allgemein. Fortbewegung zu Fuß? Me ta podia? Ochi!!!

 

Zu Fuß gehen ist etwas für Arme, die sich keinen fahrbaren Untersatz leisten können. Es gibt doch Autos, Mopeds, Motorräder, Busse, Taxis und zur Not auch Esel (vierbeinige). Freiwillig auf Schusters Rappen? Muss wohl ein Esel (zweibeinig) sein... Aber die spinnen eh, die Touristen... Manche wandern auch noch mit Stöcken – Panagia mou, so schlecht zu Fuß, dass sie Stöcke brauchen (sogar zwei Stück! Doch vierbeinige Esel...), und trotzdem per pedes unterwegs, tsstsstss...

 

Die Griechen bauen lieber eine schöne Straße zu jedem Privatgrundstück oder Feld, mit einem Verkehrsaufkommen von maximal drei Autos am Tag. Die Straße subventioniert von der EU, der Mitteleuropäer zahlt (außer den Schweizern – manchmal hat es Vorteile, nicht in der EU zu sein). Daher schön breit, sonst gibt es keinen Zuschuss. Die Wanderwege, uralte Eselspfade, beim Straßenbau verschüttet. Wer braucht die auch noch wo es doch jetzt so eine schöne Straße gibt?

 

Der wanderfreudige Tourist ist aber hartnäckig, will sich die Naturschönheiten erwandern. Sucht nach dem Weg. Beispielsweise den Fußweg zum als besonders schön beschriebenen Strand von Agios Giorgos. Findet nix. Also fragt er im Ort. „To monopadi?” „Den iparchi... gibt es nicht“. Mit den Kaiki kann man hinfahren zum Strand – aber nicht in der Vorsaison. Tolle Auskunft. Weil es den Weg nämlich doch gibt. Wir haben ihn am letzten Tag entdeckt. Das weiß aber kein Einheimischer. Vielleicht ein Ziegenhirte, den haben wir leider nicht getroffen.

 

Gleiche Insel, anderer Ort. Zu der Hauptsehenswürdigkeit am Ende der Insel haben sie den Feldweg jetzt zu einer richtigen Straße ausgebaut. Die EU zahlte. Sogar der Bus fährt jetzt hin (bei gefühlten 10 Autos auf der Insel sehr sinnvoll). Und so haben sich vermutlich (das ist jetzt eine böse Mutmaßung meinerseits) zwei Drittel der Einheimischen das Kulturdenkmal erst jetzt überhaupt ansehen können – weil sie hinfahren konnten. (Ich weiß nicht ob man in Griechenland bei Schulausflügen evtl. wandert, kann es mir aber nicht vorstellen. Auf Fourni hab ich mal den Ausflug der örtlichen Schule erlebt – er bestand aus einem Tag am Strand. Erst war die ganze Meute am einen Ortsstrand, später am anderen. Spielende Kinder, gelangweilte Jugendliche, griechischer Lärm aus Ghettoblastern, Lehrer in der Strandtaverne – und ich hatte mir einen ruhigen Tag am Strand machen wollen :-(  )

 

Nun sagen die Griechen aber nicht gerne, dass sie etwas nicht wissen. Hilfsbereit geben sie Auskunft bei der Frage nach dem Weg. Auch wenn sie ihn nicht kennen. Denn sie haben ihn nie benutzt weil sie ja nicht zu Fuß gehen. Sie sagen dir den Weg trotzdem. Und dass es nicht weit ist. Stunden später in der Wildnis dämmert dir neben dem Abend noch die Erkenntnis, dass es wohl doch etwas weiter ist.

Wenn du dann Glück hast, kommst du an eine Straße. Schön neu und breit. Und wenn du noch mehr Glück hast, dann kommt auch ein Auto und der Fahrer bietet dir an, dich mitzunehmen.

Leute zu Fuß kann er nämlich nicht sehen. So arme Würstchen...

 

Sind schon klasse, die Griechen!

 

Das Wandern

Teil 2.

 

Da macht man seinen Urlaub auf den griechischen Inseln im Frühjahr. O.K., zum Baden noch etwas frisch, aber zum Wandern super. Alles blüht und grünt dass es eine Freude ist. Leider blühen und grünen auch die Wege zu, wurden ja monatelang nicht benutzt. Oder höchstens von Flüssen, unter Hinterlassung von Bächen. Als Wanderer findet man dann entweder den Einstieg nicht oder verliert sich auf endlosen Felderterrassen, die irgendwie alle wie Wege aussehen ohne es zu sein. Und spätestens am nächsten unüberwindlichen Zaun oder Tal mit Dornbuschbarriere enden. Die Routenbeschreibung ist drei Jahre alt, seither gibt es bauliche Veränderungen. Und so genau ist die Routenbeschreibung dann auch wieder nicht, von den reinen Gehzeiten mal ganz zu schweigen – sind wir Reinhold Messner?

 

Aber man findet sich so durch. Wandert beglückt durch duftende Vegetation. Die kleinen Entdeckungen am Wegesrand. Wissen Mietgefährtfahrer was ihnen entgeht? Hat wunderbare Ausblicke. Und die Ruhe!

Landet schließlich im gewünschten Dorf und hat Glück: das Kafenion hat offen. Erhitzt sitzt man in den Gastraum. Die Luft steht. Mangels Ventilation fließt nun der Schweiß in Strömen. Die kühle Cola schmeckt  göttlich und ist trotz des entlegenen Winkels nicht teurer als sonstwo. Die Wirtin ist erschüttert: Zu Fuß? Von XYZ? Das ist aber weit! Was, wir wollten noch weiter? Sie schüttelt den Kopf – einai trelli, i touristes. Wir fühlen uns ein bisschen wie Außerirdische oder eine Afrikaexpedition („Die ersten Wandertouristen in XYZ, anno 1854...“ Ob man hier mit Glasperlen zahlen kann?).

Manchmal hat man kein Glück, und findet keine geöffnete Taverne. Träumt beim Weiterwandern von einem kalten Getränk. Stattdessen lauwarmes Wasser aus der Trinkflasche, bähh. Aber immerhin besser als nichts.

Als Entschädigung bekommt man einen Sandstrand ganz für sich alleine. Gut hundert Meter breit. Kein Mensch da. Denn die Badeboote fahren noch nicht. Eine Straße zum Strand existiert nicht (Sie kommt aber so sicher wie das Amen in der Kirche, denn am Strand gibt es antike Ruinen). Das Paradies! Wenn man nur nicht wieder zurück müsste, und wenn es eine Strandtaverne gäbe, mit besagten Kaltgetränken.

 

Der Mensch ist einfach nie zufrieden. Oder nur der Mitteleuropäer?