Besuch im Inselosten, und etwas Chora

Ein kleiner Husten, den ich mir vorgestern bei der Wanderung eingefangen habe, macht sich bemerkbar. Nein, das ist kein Corona, da bin ich mir sicher. Ich fühle mich auch sonst fit. Test hätte ich ja einen dabei, aber - nein. Kommt vom verschwitzten Sitzen nach der Wanderung. Sicher.

 

Der Wind hat tatsächlich abgeflaut, ein ganz neues Gefühl in diesem Urlaub. Ich bin mit Konrad und Gretel verabredet, wir werden heute in den Inselosten fahren, mit reichlich Abstechern und Fotostopps. Die gibt es bei den Ziegen, die am Straßenrand in den Felsen klettern, und in Asfodilitis, wo Konrad die Felsenritzungen fotografieren möchte.

Danach biegen wir nach Agios Pavlos ab. Das flache Meer dort schimmert türkis, die Sandspitze scheint aber etwas Substanz verloren zu haben. Und es wird gebaut dort.

An ein paar aufgebockten Kaikia arbeiten zwei Männer, pinseln ihre Boote an. Musik aus dem Radio dazu, an der Poolbar des benachbarten Hotel sind Saisonvorbereitungen im Gange, man kriegt leider noch keinen Frappé. Wäre gut, man würde dann auch mal den Strand putzen, aber das kommt sicher noch. Eigentlich würde ich gerne baden, aber es ist mir jetzt noch zu kühl.

Ein gemietetes Schlauchboot zuckelt über das grün-klare Meer rüber nach Nikouria. Ein Plakat eines Bootsverleihers fällt mir ins Auge. Muss ich mal auf der Website gucken, was so was kostet. Ein Kajakverleih wäre mir aber lieber.

Wir fahren weiter, an Egiali vorbei. Wir hatten mal angedacht, von Langada zum Kloster Agios Ioannis Theologos zu wandern, aber Konrad ist das zu heftig, und ich war schon mehrfach dort. Muss heute nicht sein. So ist unser Ziel jetzt Tholaria, aber erst gibt es noch einen Fotostopp am Aegialis Hotel & Spa, den Webcam-Blick genießen. Fehlt aber der Pool. Und ein paar Meter weiter muss Konrad wieder halten, nun wegen der Blumen am Straßenrand mit Langada und dem Krikellos im Hintergrund. Prächtig!

 

Wir stellen das Auto am Ortseingang ab - Tholaria ist mehr oder weniger autofrei - und steuern das Kafeouzomezedopantopolio "Kali Kardia" an. Es hat reichlich Konkurrenz in der Nachbarschaft bekommen, aber hier sitzt es sich einfach am schönsten. Frappé und Salbeitee bestellen wir drinnen, wo der Wirt am Sortieren von knallgrünen Kapern ist. Da fällt mir auf, dass ich in diesem Urlaub noch keine Kapernblüte gesehen habe. Denen war es wohl noch zu kalt, aber vielleicht kommen sie jetzt.

Danach schlendern wir noch etwas durch Tholaria. Noch was Süßes vom Zaccharoplastis Nikolas, aus dessen Verkaufsraum es verführerisch herausduftet?
Ja, Tholaria ist ganz nett, aber Langanda gefällt mir einfach besser.

Und da fahren wir nun postwendend hinüber.

Inzwischen hätten wir etwas Hunger und finden es schade, dass an der oberen Platia von Langada nur die Psistaria "Platanos" geöffnet ist. Nach Gegrilltem steht unser Sinn weniger. Weiter unten, bei "Loudaros", werden wir aber fündig, bestellen Choriatiki, Saganaki und Fava. Die Wirtin und eine weitere Frau laufen auch auf der Terrasse mit Masken herum und erinnern uns so daran, dass Corona noch nicht vorbei ist. Hätte man fast vergessen können, jäh werden wir in die Realität jenseits des Urlaubes zurückgeholt.

 

Weiter treppab bis zu "Nikos" und dem gegenüberliegenden Laden IAMA mit lokalen Kräutern und Produkten. Bei Nikos stehen Tische und Stühle auf der Treppe, aber das Restaurant sieht zu aus. Wir sind ja auch satt.

Ob ich bei IAMA eine Tüte "Theo Mix" mitnehme, für Theo? Mhh, bestimmt zu viel Theo dann.... Apropos, beim Bäcker in Egiali gab es doch immer so einen guten und preiswerten psimeni raki. Ob wir da noch einen Einkaufsschwung machen sollen? Aber mein Trolley ist voll, da passt nichts rein. Und ob ich das süße Zeug auf den nächste Etappe brauche? Nein, wir werden nicht einkaufen in Egiali.

Es ist schon vier Uhr vorbei, als wir uns auf die Rückfahrt machen. Und nochmal in Agios Pavlos halten, wo ich dieses Mal wirklich ins Meer steige. Es hat immer noch bescheidene 18 Grad, und das am 12. Mai. Konrad benetzt dann auch nur die Füße, zumal die Steine nicht so bequem zum Reingehen sind. Aber wir sind nicht die einzigen Badegäste. Ein junger Mann, der sich erst mal ausgiebig selfiemäßig produziert, und sich dann doch nicht ins Wasser zu gehen traut. Oder doch? Wetten, dass nicht? Doch, er schafft es, langsam, langsam, hinein. Und noch ein Paar Touristen kommt, trödelt aber erst mal am Ufer entlang. Ja, heute ist Badetag!

Gegen 18 Uhr sind wir in der Chora zurück. Mit meiner Wirtin Evaggelia habe ich vereinbart, dass ich um 19 Uhr meine Zimmer bezahle. Sie ist ganz aus dem Häuschen, als ich ihr von unterwegs eine Mail auf Griechisch geschrieben hatte. Und dankbar, denn ihr Englisch ist eher einsilbig, was nicht Unfreundlichkeit, sondern mangelnden Sprachkenntnissen geschuldet scheint. Begeistert zeigt sie mir noch einige der anderen Zimmer und Studios. Jedes anders, aber wirklich schön (wenn auch nicht immer zweckmäßig). Konrad und Gretel hatten schon lange Zähne bekommen - ihr Quartier bei Ilias gegenüber des Cafés "Fotodotis" ist auch schön (und preiswerter), aber eher in der einfachen Holzoptik, und vor allem nicht mit so schöner Aussicht. Der Sonnenuntergang vom Balkon wird später unglaublich sein, mit Fernsicht bis Sifnos, und die Antikeri-Inseln und Ios ganz nah. Ich rufe schnell Konrad und Gretel, damit sie auch in den Genuss kommen.

So macht mir Amorgos den Abschied nicht leicht.

Apropos Abschied - ich war überhaupt noch nicht richtig Shoppen oben in der Chora. Das hole ich noch vor dem Sonnenuntergang nach, denn jetzt sind die Läden auch geöffnet. Es gibt hübsche Sachen, aber letztendlich geht nichts davon in meinen Besitz über. Macht nichts. Dafür laufen mir noch ein paar nette Fotomotive über den Weg. Oder liegen dort.

Zum Abendessen sind wir heute im Kath'Odon. Wir sitzen drinnen, der Gastraum ist zwar klein, aber mit den diversen Dekos interessant. Ich bestelle mir Loukanika. Sind zwar eher nicht die manchmal üblichen groben Bratwürste, aber schmecken gut.
Wir sitzen noch eine Weile und schwätzen. Und eigentlich war es in der Chora auch nicht kälter als unten in Katapola. Dieser Mai ist immer noch zu frisch. Das wird sich morgen ändern. Endlich

 

*

 

Noch vor dem Frühstück erklimme ich zum Fotografieren den Windmühlenhügel. Das Meer liegt ruhig, Astypalea im Süden ist gut zu sehen. Ich winke virtuell zu Cornelia und Gerhard hinüber.

Auch die Häuser der Chora sind heute ganz scharf zu sehen, und der Kastrofelsen. Ob ich da nachher noch hinaufgehe?

Dass das Wetter sich geändert hat, erkenne ich spätestens, als es mir am Tisch vor der Wohnung in der Sonne zu heiß wird. Ich ziehe mit meinem Frühstück auf den schattigen Balkon um. Danach packe ich meine Sachen zusammen. Meine Fähre geht erst nach ein Uhr, um elf Uhr wird Evaggelia mich nach Katapola hinab bringen. Da habe ich noch etwas Zeit und leiste Konrad und Gretel im "Fotodotis" Gesellschaft, wo sie frühstücken. Konrad möchte auch aufs Kastro, er meint, den Schlüssel gäbe es im "Ilios" am Loza-Platz. Das hat aber zu, also fragen wir gegenüber im "Tholoura". Und haben Glück: den pistolengroßen Schlüssel zur Pförtnerkapelle Agios Georgios bekommen wir dort gegen Abgabe des Ausweises als Pfand.

Die steilen Stufen hoch erreichen wir die Kapelle, müssen mit dem Schlüssel etwas herumfummeln, aber kriegen das Schloss auf. Mit gesenktem Kopf - die Türe ist niedrig - betreten wir dann durch die hintere Türe die schräge Plattform des Kastro: Von der Burg, die aus byzantinischer oder venezianischer Zeit stammen soll, sind eigentlich nur die lückenhaften Außenmauern übrig. Aber wir sind nicht wegen des Gebäudes da, sondern wegen der Aussicht auf die Chora, die von hier oben wirklich toll ist. Ein krönender Abschluss meines Amorgos-Aufenthaltes.

Danach verabschiede ich mich von Konrad und Gretel. Es hat Spßa gemacht, mit euch unterwegs zu sein! Auf ein baldiges Wiedersehen, ob in Deutschland oder Griechenland! Und euch noch schöne Tage auf Amorgos und eurer nächsten Insel Santorin!

 

Evaggelia fährt mich, zusammen mit ihrer Mutter Maria, hinab nach Katapola, wo ich in der Pension Amorgos mein Gepäck bis zur Abfahrt der Fähre abstellen kann. Wenn ich möchte, kann ich auch noch auf ein Zimmer gehen, bietet Maria an. Danke, ist nicht nötig. Trotzdem nett.

Seit heute gilt es übrigens der Busfahrplan. Der Startschuss für die Saison?

Erst geht es zum Ticketkauf ins Ticketbüro Prekas. Einmal Seajet nach Milos bitte! 97 Euro kostet die Fahrt mit dem relativ kleinen "Seajet 2" (der Preis wurde innerhalb eines Monats um zehn Euro erhöht, im März hatte er noch 87 Euro betragen), die keine vier Stunden dauern wird. Sonst weder mein bevorzugtes Transportmittel noch -tempo, und normalerweise eile ich nicht an einem Stück quer durch die Südägäis. Aber ich habe eine Verabredung auf Milos, mit einem Kajak, und ein paar hoffentlich netten Mitpaddlern. Bin schon mächtig aufgeregt.

 

Nachdem ich beim Bäcker noch etwas Proviant und in der Boutique Cosmos einen hübschen Sonnenhut eingekauft habe, warte ich bei einem Frappé im "Mythos" auf die Ankunft der Fähre.

Zum Glück ist das Meer ruhig, und der "Seajet 2" pünktlich. Er ist gar nicht so klein wie ich ihn in Erinnerung hatte.

Schnell findet der Passagierwechsel statt, mein Trolley findet ein Platz im Gepäckbereich auf Deck, ich einen Fensterplatz (nummerierte Plätze, danke an den Ticketverkäufer!) rechts in der nur mäßig gefüllten Schnellfähre. Und so verlasse ich Amorgos wesentlich schneller als ich es erreicht habe.
In der Ausfahrt aus der Bucht von Katapola hat eine Meeresschildkröte Glück, dass sie nicht unter die Räder beziehungsweise die Kiele kommt - ich kann sie durch das Fenster gut erkennen. Alles andere als meerestierfreundlich, diese rasenden Katamarane. Aber es macht (bei schönem Wetter) tatsächlich auch Spaß, so dahinzufegen.

Auf zu neuen Abenteuern!