Eine Baderunde im Westen

Wirklich erwarten uns strahlender Sonnenschein und ein wolkenloser Himmel am Dienstagvormittag. So packe ich zum Vesper und Wasser auch noch die Badesachen in den Rucksack, und gegen halb elf wandern wir los, nach Westen aus dem Ort hinaus und dann hinab zur Küste. Der Weg ist von üppiger und teils blühender Natur eigerahmt, und wer bisher nicht wußte, woher Perückensträucher ihren Namen haben, dem wird das sehr einleuchtend demonstriert. Ich kann mich nicht erinnern, die Dinger jemals blühend gesehen zu haben.


Der Blick Richtung Lefkada wird frei, und hinter Skorpios (ja, der Onassis-Insel, die jetzt eine russischen Oligarchen-Familie gehört - Jekaterina Rybolowlewa, für hundert Jahre gepachtet) liegt ein großes Kreuzfahrtschiff - die "Seabourn Odyssey" (450 Gäste in 225 Luxussuiten). Auch (oder gerade?) auf Luxusreisende übt die Milliardärsinsel also eine gewisse Anziehungskraft aus.


Man hat fast das Gefühl an einem Alpensee zu sein: die Berge von Lefkada, die waldigen Inseln, kein offenes Meer.

Am nordwestlichen Inselende (Koutelades heißt die Ecke) hat es einen kleinen, aber nicht sehr sauberen Strand mit vier Enten. Hoffentlich kommt noch eine bessere Bademöglichkeit!

Nach einer Dreiviertelstunde ab Spartochori sehe ich dann vor uns eine flache weiße Insel mit einem Baum drauf, die sich beim Näherkommen nur als Landspitze entpuppt, aber einen schönen weißen Kieselstrand (Trafia) präsentiert. Gegenüber liegt waldig und grün die unbewohnte Insel Thilía, und dahinter, ganz nahe, die große Insel Lefkada. Das ist hier der Steno Meganisíou, weiter südlich wird er noch enger: kein Kilometer trennt hier die beiden Inseln.

 

Es ist kein Mensch da, wir sind außerhalb von Spartochori noch niemandem begegnet. Aber als ich gerade hüllenlos ins Wasser springen will (na, springen dann doch nicht: das Wasser ist kalt, und der Kiesstrand ohne Badeschuhe äußerst unbequem) fährt doch glatt ein Auto auf der Piste vorbei. Na, auch egal wenn da jemand jetzt meine nackige Rückansicht präsentiert bekommen hat. :-)

Am nördlichen Ende ist geht der Kies in Sand über, und da ist schön baden. Mein Badethermometer sagt 19°. Frisch, aber wunderschön und die Farbzusammenstellung mit den blauen Bergen und dem weißen Schiff hat etwas karibisches. Die Lufttemperatur ist auch angenehm, und auf einem Mäuerchen am Ufer kann man schön sitzen.

Hat doch was, diese Ionische Ecke!

Weiter geht es zum Strand von Agios Ioannis, der etwa einen Kilometer weiter südlich liegt und auch aus mehreren Teilen mit weißen Kieseln besteht. Die sehr vage Hoffnung, dass dort eine Taverne geöffnet sein könnte, zerschlägt sich: es gibt dort so etwas wie einen Campingplatz und auch eine Taverne, aber dort ist man noch mit der Saisonvorbereitung beschäftigt und am Werkeln. Frei haben nur die Ziegen, die die Straße überqueren.


Hierher führt eine Straße von Spartochori, die wir für den Rückweg nehmen werden. Aber zunächst schauen wir uns die Kirche von Agios Ioannis an: turmlos, wie eine Scheune aussehend, und abgeschlossen (Schlüssel nicht auffindbar).

Es gibt hier auch ein paar Ferienappartements (via booking), aber da empfiehlt sich unbedingt ein Auto. Und wie wir noch darüber sinnieren, kommt ein Taxi und setzt zwei Schulbuben ab. Eine pragmatische Lösung, und da fällt uns auf: keine Ahnung, wo hier auf der Insel die Schule ist. Vermutlich in Katomeri, von dessen ausführlicherer Besichtigung uns gestern das Gewitter und die Freifahrt zurück abgehalten haben.

Ab Agios Ioannis geht es bergauf. Eine Serpentinenstraße führt auf die zum Glück nur mäßigen Höhe (gibt es hier einen Profitis Ilias? Richi wird demnächst die Gipfel-SMS einfordern, aber die dauert noch) und in den Wald hinein. Es ist warm heute, und so ganz sind wir noch nicht akklimatisiert. Der Waldweg ist eine Waldstraße, und so wie ich es nicht mag: zu viele Bäume für Aussicht, aber zu wenig Schatten für Kühle. Immerhin geht der Wald dann schnell in lichtere Olivenhaine über, und die knorrigen Bäume sind einfach schön. Dazwischen allerlei andere Obstbäume, und so hohe Nadelbäume wie zerrupfte Zypressen - kann das Wacholder sein? Wird der so hoch?

 

Es soll hier auch irgendwo eine Höhle namens Demona geben (der Hafenort heißt ja Spilia), aber sie ist nicht bezeichnet, und ich geh da eh nicht rein. Die bekannteren Höhlen von Meganisi, Papanikolis und Giovani, erreicht man nur vom Meer aus, mit einer der Ausflugsfahrten ab Nidri. Wenn ich mal ein paar Tage auf Lefkada bin (also eher nicht so bald).

Gegen halb drei begrüßen uns blühende Rosen zurück in Spartochori. Vorher sind uns doch tatsächlich zwei Radfahrer entgegengekommen (Touristen natürlich) - kann man die Räder hier leihen, oder in Lefkada, oder haben sie die auf dem Segelschiff? In der Richtung der Beiden ging es (natürlich) erst mal bergauf.

 

Radler wollen wir auch - ohne Umwege kehren wir auf ein frisches Bier mit Lemonada im Café ein. Schmeckt so einfach am besten! Danach ist Chillen auf unserem Balkon angesagt. Die englische Flottille hat sich seit dem Morgen nicht von Kai wegbewegt. War auch kaum Wind.

Und am Abend sind wir wieder bei "Lakis". Wir bestellen frittierte Zucchinischeiben als Vorspeise, danach wählt die Mutter Spaghetti Bolognese (ja, wie, am dritten Tag schon keine Lust mehr auf griechische Küche?) und ich die Tagesempfehlung, Bakaliaro, auf Wunsch frittiert. Da gehört eigentlich Skordalja dazu wie der nette flinke Kellner auch bestätigt, aber das haben sie nicht. Wird nicht ausreichend nachgefragt (zu viele Engländer da?)

Die Zucchinischeiben sind ein großer Berg, und ein Gedicht! Eigentlich wären wir jetzt schon satt, aber der Hauptgang lässt auf sich warten (das Hackfleisch für die Bolognese musste erst noch gekauft werden, erfahren wir später), und so verputze ich auch noch die von Pommes begleiteten zwei Seehechte, die in der gleichen schmackofatzigen Panade daherkommen wie die Gemüsescheiben. Groß ist unsere Überraschung, als dieses ausgezeichnete und ausgesprochen reichhaltige Menü mal gerade mit 24 Euro zu Buche schlägt, den halben Liter Wein inklusive.

Wir kommen wieder.... auch wegen des netten Ambientes und des freundlichen Services.

Morgen...

Abendlicher Balkonblick
Abendlicher Balkonblick