Binnen-Spetses - durch Wald und Heide

Die Sonne hört nicht auf zu scheinen obwohl die Wetter-App auf meinem iphone gelegentlich komische Gegenwartstemperaturen anzeigt (können auch mal im Minus-Bereich sein). Besser so als anders!

Wir frühstücken auf Theos Balkon (da trocken, während meiner vom Tau/Meeresfeuchte klatschnass ist). Süßes vom Bäcker gehört natürlich dazu. Erst gegen halb elf brechen wir auf zur Wanderung. Es gibt zahlreiche Wandermöglichkeiten auf Spetses, alles eher unspektakulär. Ich überlasse Theo die Routenauswahl, er kennt sich auf Spetses schließlich aus, im Gegensatz zu mir. Zu beachten ist nur, dass wenn man an die Westküste will, man den ganzen Weg über oder um den „Berg“ natürlich auch wieder zurück muss. Oder sich ein teures Sea-Taxi bestellen muss - 75 Euro von Agii Anargyri nach Spetses-Stadt – die Spetses-Preise stehen denen von Hydra kaum nach. Aber an der Westküste war ich ja gestern, wir wollen uns heute den Inselgipfeln widmen – 245 Meter ragt der Gouri beim Profitis Ilias empor, 242 der Vigla. Eher was für Spaziergänger.

 

Der Anstieg beginnt hinter dem Haus, die Straße führt bergan in den oberen Ortsteil Kastelli. Hier enden die schönen und gepflegten Herrenhäuser, es wird einfacher. Ein Straßenwegweiser bedeutet uns, dass wir fünf Kilometer bis zum Profitis Ilias haben, und ab und zu überholt uns doch wirklich auch mal ein Moped oder ein Dreirad.

Und weiter oben, außerhalb des Ortes, kommen wir sogar ins Schwitzen. Was nicht an der Steigung liegt – die ist moderat -  sondern an der herunterknallenden Sonne. Echt, wenn wir mir vorher jemand erzählt hätte, dass das Wetter im Januar so toll ist – ich hätte es nicht geglaubt. Warum gibt es keinen Wintertourismus in Griechenland? Am Samstag bekomme ich die Antwort... ;-)


Die Landschaft wird waldiger und mutet mit den grünen Wiesen dazwischen mitteleuropäisch an. Ein paar Olivenbäume setzen silbrige Akzente, man könnte sie auf den schnellen Blick für blühende Obstbäume halten.

Immer wieder zieren an Kreuzungen Erste-Hilfe-Kästen aus Metall einzelne Bäume. Aufgehängt und ausgestattet (na, mehr oder weniger – einer enthält neben zwei aufgequollen Mullbinden ein kleines Ameisennest) wurden sie vom lokalen Jagdverein „Artemis“. Oben am Kulminationspunkt ist auch dessen Jagdhütte, und etwas weiter ein Hundezwinger. Jagdtechnisch ist Spetses also bestens erschlossen. Oder erschossen – ich vermisse wilde Vögel, und meine Theorie von gestern wegen der Steinhühner verfestigt sich.

Oben auf dem Bergkamm (o.k., Hügelkamm trifft es besser) führt der Weg als breite Piste auf der Höhe Richtung Norden. Wir folgen ihm, und hätten nach ein paar Minuten fast die Kapelle des Profitis Ilias verpasst, die sich rechts hinter Bäumen versteckt. Ich weiß schon, warum ich waldige Inseln nicht so gerne mag… Laut Anavasi-Karte ist sie auch gar nicht auf dem höchsten Inselpunkt, sondern etwas südlich davon.

Theo erinnert sich aber, und so gehen wir ein Stückchen auf einem schmalen Pfad zurück, und erreichen die Kapelle, die zu unserer großen Freunde geöffnet ist (woran sich Theo auch erinnerte). Können wir endlich jeder zwei Kerzen anzünden (eine lassen wir übrigen für den nächsten feuerlustigen Wanderer. Ob hier auch der Jagdverein für Nachschub sorgt?)

 

Vor der Kapelle, Richtung Nordosten, befindet sich eine große betonierte Plattform  mit darunterliegender Zisterne, und ein Tisch und rote Stühle sind auch da. Der perfekte Rastplatz mit Blick auf Spetses-Stadt. Man könnte aber auch unter der schrägen, mit einer Betonsäule abgestützten Kiefer sitzen wenn man Schatten sucht (was nicht der Fall ist).

 

Unten fährt die giftgrüne Flyingcat mit leichter Verspätung nach Porto Heli – es ist kurz nach Viertel zwölf. Müdigkeit macht sich breit, und ich mich deshalb auf der sonnengewärmten Betonplatte. Ja, Spetses ist ganz nett. Aber an Hydra kommt es nicht ran. Nicht annähernd.

Gegen ein Uhr wandern wir dann weiter. Nach Norden, auf einer mäandernden Piste. Ich hätte ja lieber schmale Abkürzungen, aber Theo bevorzugt breite und bequeme Pisten für seine empfindlichen Füße, auch wenn wir jeden Meter der Piste, die sich überall unter uns schlängelt, werden gehen müssen. Der Kieferwald ist niedrigem Buschwerk gewichen (hat es hier mal gebrannt?), blaue Strohblumen dazwischen, dunkelgrüne Hügel.

Ein Pickup überholt uns, drei Männer darin, ein älterer und zwei junge (Albaner, tippe ich). Das Auto hält zwei Kehren weiter, die jungen Männer schlagen sich in die Büsche, der ältere bleibt beim Wagen. Irgendwo erklingen helle Glöckchen. Aber keine Ziegen oder Schafe ziehen die beiden Männer aus dem weitläufigen Gebüsch, sondern zwei große Jagdhunde. Sind ihnen die abhanden gekommen, oder hätten sie Beute apportieren sollen? Keine Insel für Wildtiere.

 

Bei der Vrellos-Bucht stößt unsere Wanderpiste endlich auf die Straße, der wir nach Osten folgen. Hier bin ich gestern geradelt, bis zur Stadt sind es noch vier, fünf Kilometer. Links grüßt das türkisgrüne Meer in verschiedenen Buchten, rechts leuchtet und duftet knallgelber Ginster (ich wusste nicht, dass der auch im Winter blüht).

Der Busfahrplan träumt von besseren Zeiten, und die originelle und fragile Sitzgruppe samt Korb als Mülleimer an der Leitplanke hat diese schon hier sich. Bei Ligoneri dann ein futuristisch anmutendes Sitzensemble ins Beton, das wir für eine weitere Pause nutzen – wir haben es ja nicht eilig.

 

Entlang des Scholes-Strandes und am Susanne-Jäger-Weg (Info dazu hier) geht es nun zurück in die Stadt, schon um halb vier sind wir am Dapia-Hafen wo wir im Kafenio namens „Kafenion“ am Taxiboot-Stand einkehren. Ich hab Hunger und bestelle mir ein Dakos – sehr lecker (und das einzige Mal wie ich rohe Tomaten in diesem Urlaub serviert bekomme).

Nett, hier zu sitzen und den Taxibootbetrieb zu beobachten. Die Boote liegen in einer langen Reihe nebeneinander, und immer wenn eines gebraucht wird, fährt das vorderste heraus, und einer der Zuständigen zeiht dann die lange Bootreihe ans Kai.

Und dann kommt noch eine Dame von irgendeiner Partei und glaubt, allen Anwesenden die Hand schütteln zu müssen. Mit Touristen hat sie nicht gerechnet, aber macht ja nichts. Auf Spetses wird übrigens – wie Hydra auch – eine Mehrheit für Nea Dimokratia (46% bzw. 40% auf Hydra) stimmen, Syriza bekommt nur um 27%, To Potami um 6%, Chrisi Avgi 5 bis 6%, ANEL auf Hydra auch 6%. Aber das ist vier Tage vor der Wahl noch Zukunftsmusik.

Und am Abend sind wir – zur Abwechslung mal wieder – im „Argyris“. Das nette Lieferfahrzeug der Taverne haben wir heute auch gesehen: natürlich ist es ein Dreirad. Und wir sind inzwischen so was wie Stammgäste. Die Vorspeise fällt heute aus, ich bestelle Bakaliau mit Skordalia, und Theo Soutsoukakia. Beides schmeckt ausgezeichnet. Heute ist auch relativ viel los im Lokal, und der Fernseher ist aus – stattdessen kommt Rembetiko-Musik. Auch in Ordnung.

 

Theo wird morgen Mittag nach Piräus fahren weil er am Freitag zurückfliegt. Ich fliege erst am Sonntag zurück und werde einen Tag länger auf Spetses bleiben. Ist also unser letzter gemeinsamer Abend.

Als Vorfazit: hat gepasst. Wiederholung der gemeinsamen Eisvogeltage nicht ausgeschlossen – wenn wir ein Reiseziel finde, das uns beiden konveniert. Könnte aber an unser beider Kompromisslosigkeit scheitern. :-)

 

Auf alle Fälle versuchen wir nach dem Restaurantbesuch noch, auf Theos Balkon (ja, man kann draußen sitzen - im Januar!) bis nach Mitternacht die diversen Alkoholvorräte zu vernichten. Was nicht ganz gelingt - ein Fläschen Ouzo Mini bleibt übrig.

Das muss ich dann wohl morgen solo bezwingen. Oder mit nach Athen nehmen, wo ich heute telefonisch im Hotel "Acropolis View" ein Zimmer bestellt habe - plötzlich hat das Hotel nämlich doch offen. Bei der Anfrage im Dezember hieß es noch, man habe zu. Und auch das hat mit den Wahlen zu tun...


Und morgen?