Small Cyclades Lines - die "Express Skopelitis".

Eine Hommage.

 

„Skopelitis“ - Kennern der kykladischen Inselwelt läuft bei diesem Namen quasi das Wasser im Munde zusammen. Nein, „Skopelitis“ (oder "Scopelitis" mit "C", beide Varianten kommen vor), das ist keine Köstlichkeit aus den  Töpfen der Inseltavernen. Sondern ein Schiff. Genauer: eine Fähre. Aber nicht irgendeine Fähre. Sondern DIE Fähre zwischen Naxos und Amorgos.

Gut, inzwischen ist die Anbindung von Amorgos und den kleinen Ostkykladen an den Rest der Welt viel besser als noch vor zehn oder 15 Jahren. Sogar die Blue Star Ferries verbinden Amorgos mit Piräus in weniger als 6 Stunden.

Aber die „Skopelitis“, die ist etwas besonderes. Auch wenn es inzwischen schon die „Skopelitis II“ ist, fast doppelt so groß wie die alte, und schon beinahe ein richtiges Schiff....

 

Betrieben wird die „Skopelitis“ von der gleichnamigen Familie Skopelitis und ist auf Amorgos in Katapola stationiert (wobei es Skopelitis’ auch auf Donoussa gibt – so weit weg ist man wohl nicht gekommen...).

Das erste Mal begegnete ich ihr im Herbst 1994. Eine Freundin und ich waren zum ersten Mal richtig Inselhüpfen. Drei Wochen hatten wir Zeit, und nach ein paar Tagen auf Santorin und Naxos wollten wir nach Amorgos. Kauften die Tickets für die Abfahrt um 15 Uhr und wunderten uns über den Hinweis, die Fähre würde am kleine Anleger in der Mitte des Hafens von Naxos abfahren. Rechtzeitig waren wir da und sahen den kleine Rosteimer von Mykonos kommen: Die „Scopelitis“! Nicht größer als ein kleines Bodenseeschiff, vielleicht 20, maximal 25 Meter lang. Die Klappe zum Ein- und Ausladen befand sich auf der Seite, ein Raum unten (für die Griechen) und genug Plätze auf Deck (für die Touristen). Das Wetter war wunderschön, zum Glück. Na, dann mal los! Was dann kam, war schon eine mittlere Kykladen-Kreuzfahrt: zuerst ging die Reise hinüber nach Pisso Livadi auf Paros, eine Dreiviertelstunde waren wir da unterwegs. Zum Öffnen der Klappe musste ein Mann der Besatzung jeweils einen mächtigen Riemen auf ein Rad legen, zum Schließen mit einer Drehung im Riemen das Gleiche noch mal. Handarbeit, das gibt Muskeln! Ein oder maximal zwei Autos hatten Platz auf der Ladefläche, wenn sie um die Ecke wegen der seitlichen Klappe hineinkamen. LKWs? Fehlanzeige!

 

Weiter ging die Fahrt über die kleinen Ostkykladen Iraklia, Schinoussa und Koufonissi. Auf Deck spielte sich fröhliches Backpacker-Leben ab, gespannt wurde das Ein- und Ausladen von Möbel, Schafen und Waren auf den kleinen Kykladeninseln beobachtet. Ein Spektakel immer wieder.

Dem Meer auf dem niedrigen Schiff sehr nahe, sahen eine Herde Delphine still vorbeiziehen bevor wir nach gut fünf Stunden Fahrzeit in Katapola auf Amorgos ankamen.

Bei der Rückfahrt war es dann wieder die „Scopelitis“, da sie praktischerweise ja auch Paros anfuhr, wo wir in Pisso Livadi mit meinem Bruder verabredet waren. Abfahrt in Katapola um 6 Uhr in der Früh – im Hafen schon Leben, vor allem in den Cafés. Dann wieder die dieses mal gut vierstündige Fahrt nach Paros bei glatter See (von dort ein paar Tage später mit einer noch kleineren Fähre, der „Margarita“ nach Sifnos). Wunderbar der Sonnenaufgang! 

Das Schiffchen hatte unser Herz erobert.

Die alte Skopelitis in Egiali - Foto von Erich Hänßler
Die alte Skopelitis in Egiali - Foto von Erich Hänßler

Ein Jahr später wollte ich wieder von Naxos nach Amorgos, buchte erneut die „Scopelitis“. Am Nachmittag, von Santorin kommend, Abfahrt um 13 Uhr. Kein Abstecher nach Paros dieses Mal. Aber wieder Iraklia, Schinoussa, Koufonissi. Von dort dann allerdings nicht Richtung Amorgos, am beeindruckenden, gleichwohl unbewohnten Keros vorbei. Sondern nach Donoussa. Donoussa, von dem mir im Vorjahr der Franzose Pascal in höchsten Tönen vorgeschwärmt hatte. Es war erst der zweite Tag meines Urlaubes, also spontan runter vom Schiff, Pläne sind dazu da, umgeworfen zu werden, Amorgos kann warten.

Allerdings fuhr die „Scopelitis“ die Route über Donoussa damals nur zweimal pro Woche, abwechselnd im 2- und 5-Tage-Takt. So war ich nur 2 Tage später wieder auf der Kleinfähre auf der Fahrt nach Amorgos. Und auch die Rückfahrt nach Koufonissi fand mit ihr statt. Wieder frühmorgens um 6 Uhr. Wieder über Egiali und Donoussa. Allerdings bei Windstärke 5 oder 6. In der geschützten Buch von Katapola war von der stürmischen See noch wenig zu merken. Dann die Küste von Amorgos entlang, zwischen dieser Insel und der vorgelagerten Insel Nikouria. Ging auch noch, wurde aber ungemütlich. Den Rucksack weiter nach innen auf das Schiff gestellt damit er nicht über Bord geht. Dann Fahrt auf Donoussa. Offenes Meer, kein Schutz mehr. Hohe Wellen, Achterbahnfahrt. Übelkeit von Null auf Hundert. Schokolade, schmeckt rauf wie runter... Eine Reisetablette. Macht heftig beduselt und lässt mich die restliche Fahrt bis Koufonissi verschlafen. Nach einem Tag dort Flucht vor den vergammelten höhlenartigen Unterkünften bei Finikas und dem ständigen Sand überall. Wieder mit der „Scopelitis“, auf der ich mich schon heimisch fühlte.

Zwei Jahre später auf Amorgos gingen wir fremd, nahmen die „Express Paros“ (auch eine heftige Überfahrt!) und die „Super Naïas“. Konnten die Ankunft der „Scopelitis“ in Katapola abends beobachten, erst dann war die Insel vollständig, die kleine Welt in Ordnung. Ein anderes Mal wieder, wenn es nach Iraklia und Schinoussa gehen würde, würden wir mit ihr fahren.

1999 waren wir wieder auf Amorgos und sahen sie: Die neue, die größere „Skopelitis“. „Express Skopelitis“ sogar! Blendend weiss gestrichen, „Small Cyclades Lines” stand in blauen Großbuchstaben auf der Seite, und steht heute noch dort. Im Vergleich zum alten Kahn nun immerhin ein „richtiges“ Schiff, gut 40 Meter lang, die Ladeklappe hinten, Platz für einige PKWs oder sogar einen kleinen LKW (aber nicht zu viele auf ein Mal). Ein Jahr verging bis wir mit ihr unterwegs waren, von Naxos nach Iraklia, inklusivem hektischem Be- und Entladen, wie gehabt. Dort stürmische See, 2 Tage keine Small Cyclades Lines, ein besonders große Entladeflut danach: Bettgestelle, Matratzen (Vorsaison), Schafe, Hühner, Getränke....

 

Zuletzt im Herbst 2004. Sechs Stunden waren wir unterwegs, die komplette Tour Katapola – Egiali – Donoussa – Koufonissi – Schinoussa – Iraklia - Naxos. Über Donoussa geht es jetzt öfter als zwei Mal pro Woche. Glück für die Insel! Nur bei mehr als Windstärke 6 bleibt sie im Hafen.

 

Die „Skopelitis“ ist immer noch die Lebensader der kleinen Ostkykladen.

Eine Fahrt mit ihr ist nicht vergleichbar mit einer auf den hektischen Katamaran-Schnellfähren. Man wird gleich auf das gemächliche Tempo der Ostkykladen heruntergebremst. Die Fähren bestimmen den Rhythmus der Inseln. Dort hat man noch Zeit. Meistens zumindest. Und hoffentlich noch lange....

 

Ergänzung Dezember 2007:

Zwei Berichte über die alte und die neue "Skopelitis" gibt es auch auf den sehenwerten Seiten von Theo. Unbedingt reingucken!

 

Ergänzung 2009 :

Im April und Mai 2009 waren wir wieder mit der "Express Skopelitis" unterwegs: Naxos - Amorgos - Donoussa - Koufonissi - Iraklia - Naxos.

Ein Genuß, der (zumindest bei schönem Wetter) schwer zu schlagen ist!

 

Eine Ergänzung vom April 2010:

Die "Skopelitis" hat einen neuen Anstich bekommen und verkehrt nun mit roter Aufschrift!

Außerdem kann man sie jetzt auch bei marinetraffic verfolgen. Scheint im 21. Jahrhundert angekommen....

 

April 2011:

Nach eine Jahr in "Fehlfarbe" fährt sie jetzt wieder in Blau, wie es sich gehört. :-)

 

September 2011:

Wegen gefälschter russicher Sicherkeitszertifikate liegt die Express Skopelitis seit 4. September im Hafen von Katapola fest... Hoffentlich darf sie bald wieder fahren!

 

Dezember 2011:

Immer wieder brodelt die Gerüchteküche, die Skopi II würde demnächst durch ein größeres, neueres Schiff ersetzt werden. Aber sie zieht auch im Dezember 2011 - nach der vorübergehender Stilllegung wegen der gefälschten Sicherheitszertifikate - wieder ihre Kreis durch die Ägäis.

Schön zu beobachten in der Naxos-Webcam:

Naxos-Webcam an Nikolaos 2011
Naxos-Webcam an Nikolaos 2011

Dieser schöne Film über die Skopelitis und die Familie des Kapitäns - ein Muss für Fans. Wer da kein Fernweh kriegt nach den Ostkykladen hat kein Herz...

    

 

Und wo wir hier gerade bei Kleinfähren sind:

Hier die "Margarita", die zwischen Paros und Sifnos verkehrte.

Die "Margarita" - 1994
Die "Margarita" - 1994