Marathi - ein Kurzbesuch

 

Um 9.30 Uhr soll die „Lampi II“ nach Marathi abfahren, wir müssen aber noch das Mietauto bezahlen und den Schlüssel abgeben (Briefkasten oder Ähnliches zum Einwerfen haben wir keinen gefunden). Läuft unkompliziert, und wir sind schon zwanzig Minuten vor der Abfahrt am Boot. Upps, da kommt doch eine Gruppe Mitreisende mit heftig Gepäck, sie wollen auch mit. Es sind – natürlich – Deutsche (sie tragen zum Teil Wanderschuhe) und sie gehören – unschwer zu erkennen am T-Shirt samt Aufschrift, das einer trägt, zu der Wandergruppe „Wandern in Griechenland“ . Von denen und ihrem Wanderführer „Valentino“ habe ich erst kürzlich gehört und sogar eine DVD mit Filmen einer Wanderreise nach Nisyros, Simi und Rhodos gesehen (netterweise zugeschickt bekommen von D.H. danke!). Zunächst mal beidseitiges Befremden – man sieht das eigene „Exklusiverlebnis“ gefährdet, und wer ist nun der „bessere“ Tourist?

 

Wir gehen am Bord, die kleine Ladefläche ist mit reichlich Transportgütern nach Arki und Marathi gefüllt, aber wir finden auch noch Platz. Die „Lampi II“ erinnert mich größen- und besatzungstechnisch (drei Personen, ein Familienbetrieb) an die „Pegasos“ zwischen Korfu und den othonischen Inseln – bitte nicht wieder so eine Fahrt! Ein Teilnehmer der Wandergruppe hat unsere schwäbischen Töne gleich richtig interpretiert – keine Wunder, er kommt auch aus dem Schwäbischen hier aus der Nachbarschaft, und ist recht leutselig.

Pünktlich legt die „Lampi II“ ab. Zig mal hat der junge Mann von der Besatzung nachgezählt ob auch alle georderte Ware an Bord ist. Dass es dann nachher doch nicht stimmt, wird auf Marathi für Verstimmung sorgen. Auf alle Fälle sind reichlich Brot und Getränke an Bord, und der Joghurt steht in der vollen Sonne. Auch „Valentino“ beehrt uns nun mit seiner Aufmerksamkeit, sein T-Shirt mit dem „Kini“ drauf finden wir eher schräg. Noch schräger finde ich, dass er sich bemüßigt fühlt, meine Aussprache unseres Reiseziels Maráthi zu korrigieren – Marathí wäre richtig meint er. Dem ist nicht so – im Gegensatz zu Arkí und Lipsí handelt es sich bei Maráthi nicht um eine endbetonte Pluralinsel, aber natürlich widerspreche ich nicht, verunsichert wie ich bin. Immer lässt man sich von so Typen den Schneid abkaufen. Etwa Respekt nötig ihm dann wenigstens ab, dass wir auch keine Flachlandtiroler sind und immerhin den Profitis Ilias auf Nisyros erklommen haben (ok, die Jajades nicht, aber das ist jetzt nicht der Moment, ihm solche Details auf die Nase zu binden). Wir bekommen auch einen Schluck Raki aus der Plastikflasche, vielmehr Plastikbechern – hebt die Moral der Wandertruppe, die im Übrigen nach Lipsí will.

 

Das Wetter ist bestens und das Meer glatt, wir erhoffen mal wieder vergebens Delphine. Die Tickets für die Hin- und Rückfahrt kosten pro Person 15 Euro und wir bekommen vier eingeschweißte Plastikkärtchen als „Rückfahrt-Tickets“ (ich stecke sie alle in den Geldbeutel und beim Zurückgeben werde ich versehentlich noch meine fast neue Telefonkarte mit Jannis-Ritsos-Motiv mit zurückgeben – tss, der Kapitän wird sich wundern… und ich mich ärgern.)

Bis zum ersten Halt Arki dauert die Fahrt etwa 70 Minuten, wir sind sehr gespannt, denn vor vier Jahren waren wir auf dem Eiland und wollen natürlich gucken ob sich was verändert hat. Es sieht nicht so aus. Wobei wir mit dem kleinen Schiff nicht draußen am Hauptanleger halten müssen, sondern in die flache tiefe Bucht hineinfahren und direkt am Dorfplatz anlegen können. Die Männer stehen schon bereit zum Ausladen, auch unsere Wirtin von damals sehen wir wieder, nicht allerdings ihren freundlichen Sohn Nikolas und den „Grillmeister“ mit den feurigen Augen. Zwei, drei Patmier nutzen den Feiertag für einen Besuch auf der Nachbarinsel und gehen von Bord. Eine größere Motoryacht liegt vor Anker, und einige Segelboote. Arki ist beschaulich wie je, aber man muss das Fehlen von Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten schon mögen um sich hier erholen zu können.

Keine zehn Minuten dauert der Halt, dann geht die Fahrt weiter zu gegenüberliegenden Miniinsel Marathi, die nach weiteren zehn Minuten erreicht ist. Nur eine Handvoll Menschen (3 laut wikipedia) wohnen auf den 0,35 Quadratkilometern ganzjährig, aber es gibt zwei Tavernen und einige Fremdenzimmer, ansonsten legen vor allem Segler hier gerne an.

Die „Lampi II“ legt am rechten Anleger an und wir gehen von Bord. Es wird wieder fleißig ausgeladen: unter anderem die gelben Kanister mit Öl, oder Fertig-Zitronensauce, die wir schon vor Jahren auf Arki aus der Ferne bestaunt haben. Wir fragen noch wann das Schiff wieder vorbeikommt:  um 13.30 Uhr fährt es ab, wir haben also zweieinhalb Stunden Zeit. Dann legt es ab, hier auf Marathi hat das Abladen nur fünf Minuten gebraucht.

 

Da liegt also nun die Taverne „Pantelis“ vor uns, und links davon erstreckt sich ein schöner Sandstrand, gut  hundert Meter breit. Am anderen Ende auch eine Taverne, und ein weiterer Anleger davor.  Ein Segelschiff liegt noch in der Bucht – das war es dann auch an Fremden. Wir fragen gleich in der Taverne, die unter einem schönen natürlichen Blätterdach liegt und etwas wildes Mobiliar hat, ob es später etwas zum Essen geben würde: das wird bejaht.

 

Zuerst aber lockt der wundervolle Sandstrand. Der Sand ist so fein, dass der Grund manchmal schon in Schlick übergeht. Es geht ganz seicht hinein, das Wasser hat angenehme 21°C. Einfach schön! Etwas geschmälert wird das Badevergnügen durch die etwa zehn Zentimeter langen, wie Tausendfüßler aussehenden roten „Würmer“, Schuppen- oder Ringelwürmer (Polychaeta, Vielborster). Keine Ahnung ob die womöglich giftig sind.

Kleine Krabben hat es auch. Und am Strand finde ich zwei große schneckenförmige Muscheln, 10 Zentimeter im Durchmesser. Ich vermute mal, sie wurden hier nicht angeschwemmt, sondern von den Fischern aus den Netzen geholt und weggeworfen.

Hinter dem Strand befindet sich eine Mauer mit ein paar schattenspenden Tamarisken davor, dahinter verlieren sich zwei, drei Häuser. Eine einsamere und ruhigere ganzjährig bewohnt Insel zu finden ist schwer….

Schade, dass wir nicht länger Zeit haben!

Ich würde gerne noch auf den Bergrücken (na ja, Hügelrücken) steigen, wobei sich kein Weg und schon gar keine Straße abzeichnet – wofür auch? Die Insel ist autofrei. Andererseits haben wir Hunger, und die Taverne lockt. Also zuerst essen – man muss ja auch etwas Geld auf der Insel lassen…  Unter dem grünen Schattendach großer Ficusbäume lassen wir uns an einem der Tische nieder.

Gleich kommt die Wirtin (geschätzte 33 Prozent der aktuellen Inselbevölkerung) und zählt auf was sie hat. Wir entscheiden uns für eine Runde Vorspeisen, bestehend aus Kolokithokeftedes, Oktopodi Salata, Feta Saganaki, Choriatiki Salata me Kapares, und einen halben Liter Weißwein dazu. Alles kommt ganz frisch und derart lecker daher, dass wir uns fast im Paradies wähnen. Ich bin eigentlich kein Freund von Oktopus-Speisen – dazu finde ich die lebendigen Tiere zu sympathisch (nicht erst seit Orakel-Paul) und gekocht oder gegrillt schmecken sie meist gummiähnlich oder verbrannt und sind den Tod der Achtbeiner nicht wert. Aber die Tintenfisch-Salat hier ist so lecker und zart, ein Gedicht. Und in Zucchiniküchlein könnte ich mich sowieso reinlegen. So glücklich und satt macht sich absolute Entspannung breit – nun nochmals ne Runde am Strand abliegen, das wär’s.

 

Dummerweise hören wir ein Knattern, und da kommt schon die „Lampi II“ in die Bucht getuckert! Heh, sie ist eine Viertelstunde zu früh dran! Schnell müssen wir bezahlen, auch wenn uns der Fischer, der sich am Tisch vor dem Haus eingefunden hat, beruhigt: wenn der Kapitän gesagt hätte, er fahre um 13.30 Uhr, dann würde er auch auf uns warten. Die Rechnung enthält einen nicht unbeträchtlichen Inselzuschlag,  44 Euro schlagen für die Köstlichkeiten zu Buche, aber jeder Bissen war es wert. Außer den Seglern wird hier heute wohl niemand mehr essen gehen…

Die „Lampi II“ hat nun am südlichen Anleger auf der anderen Strandseite festgemacht, wir laufen über den Strand um unseren Willen, mitzufahren, lautstark zu bekunden. Und dann ist unser Kurzbesuch auf dem Mini-Eiland schon wieder vorbei.

 

Die Fahrt führt wieder nach Arki, wo einige gutgekleidete Passagiere zusteigen – woher sie auf einmal kommen? Irgendwann, während wir unter dem grünen Blätterdach saßen, ist die Sonne verschwunden. Der Himmel ist grau geworden, und das Meer auch. Dafür ist es windstill, glatt liegt die Ägäis vor uns. Trotzdem wieder keine Delphine in Sicht.

Die Müdigkeit übermannt uns, Zeit für ein Nickerchen.

Eine gute Stunde später ist dann Skala in Sicht, links am Ufer zeichnet sich die graue Silhouette des Kloster Agios Nektarios kaum gegen den dahinterliegenden Hügel ab. Es wirkt von hier komplett anderes als wenn man darin ist, trutziger, wehrhafter, größer.

Ein Wasserschiff kommt uns entgegen – auch Patmos hängt am Tropf, hat kaum eigene Quellen.

Im Hafen liegt eines der unvermeidlichen Kreuzfahrtschiffe, ein kleines nur, 90 Meter lang, für 120 Passagiere: die „Spirit of Oceanus“. Und ein Flying Dolphin, „Christos L.“ von Laumzis, der Tagesausflüge von Kos hierher macht. Auch am Feiertag Análipsi (Christi Himmelfahrt) hat man im Kloster nicht seine Ruhe…

Der Himmel ist nun auch bewölkt, es sieht nach Regen aus. Dann kommt starker Wind auf, aber es bleibt trocken. Zeit zum Entspannen auf dem Balkon.

Drei Stunden später ist der Himmel wieder blau und mit kleinen Schäfchenwölkchen bedeckt. Ist das nun ein Zeichen für gutes oder schlechtes Wetter? Nochmals kurzer Einkaufsbummel in Skala vor dem Abendessen. Der schicke Schmuck ist zu teuer, aber ein paar Klamotten reizen. Die Besitzerin ist allerdings nicht da um uns weiterzuhelfen, die Besitzer der Nachbarläden helfen aus, verweisen uns dann aber auf morgen.

 

Wir planen die nächsten Tage: die Cousine fliegt am Samstag (übermorgen) nachmittags von Kos zurück in die Heimat, wir anderen fliegen erst am Montag. Natürlich werden wir alle nach Kos reisen, haben aber fährtechnisch zwei Möglichkeiten: Am Freitagnachmittag mit der „Dodekanisos Pride“ oder um 3 Uhr in der Nacht zum Samstag mit der „Ierapetra“. Wir entscheiden uns für die „Dodekanisos Pride“, was uns mehr Zeit auf Kos, aber weniger auf Patmos einbringt.

Da es uns in Skala bei „Panteli“ am besten geschmeckt hat, essen wir am Abend wieder dort, Susukakia, Makrele, Lamm, Bohnen.  Hinterher noch reichlich Ouzo (die Restbestände müssen weg!) mit dem Leipziger Nachbarn auf dem Balkon, auch er ein erfahrener Inselhüpfer.

Etwas Wehmut mischt sich ein: unsere Reise geht dem Ende zu.

Ursprünglich hatte ich geplant, dass wir unser Quartier auf Kos in Mastichari aufschlagen. Ich kenne Kos nur von kurzen, zweistündigen Stop-Overs in Kos-Stadt und dem Entlangfahren an der Küste. Grässlich zugebaut für meinen Geschmack, und die Radfahrer ne Landplage. Mastichari soll erträglich sein und liegt nicht weit vom Flughafen. Andererseits möchte ich so gerne am Sonntag nach Pserimos, und ein mehr als einstündiger Aufenthalt lässt sich wohl nur von Kos-Stadt aus organisieren, da noch Vorsaison ist.  Und in Kos-Stadt gibt es einiges zu besichtigen, man könnte mit einem Mietauto zum Asklipieion und über die Insel fahren zwecks tieferem Eindruck, und die Cousine zum Flughafen bringen…. Der Überlegungen Ergebnis: wir werden im Hotel „Afendoulis“ in Kos-Stadt anrufen, das in Klaus Bötigs Reiseführer als Tipp besonders erwähnt wird, und nach einem Zimmer fragen.

 

So bleibt uns am Freitag Vormittag noch Zeit zum Baden am Strand von Skala, der auch recht schön und feinsandig ist, nur die Reste der vorgestrigen Feuer stören etwas. Und ein potthässlicher kleiner fetter Hund, dem wohl noch niemand gesagt hat, dass Hunde in Griechenland am Strand nicht erlaubt sind. Solange er sein Bein nicht an meinem Badetuch hebt. Heute geht kein Wind, es ist richtig heiß. Gut dass wir nicht wandern müssen.

Der Anruf im „Afendoulis“ ergibt (außer dass ich meine Telefonkarte nicht finde – die hat der Lampi-Kapitän): Zimmer frei, wir werden abgeholt, sollen aber von Kos aus nochmals anrufen.

Souzanna bringt uns bzw das Gepäck zum Hafen, wegen Überfüllung des PKW gehen die Cousine und ich zu Fuß. Wir haben nach dem Ticketkauf (wieder 29 Euro pro Person) noch Zeit auf einen Frappé an der Platia im netten Café, und ich kaufe mir schnell einen weiten Rock. Passendes Souvenir von Patmos.

 

Dann zum Anleger, wo sich schon sehr viele Leute eingefunden, der Katamaran wird voll werden. Warum haben die großen Fähren so blöde Abfahrtszeiten? Die „Dodekanisos Pride“ kommt pünktlich von Lipsi, alles drängelt hinauf. Ich drängle auch, wir hätten gerne einen der raren Plätze auf Deck, und ergattern sie auch. Und dann legt das Schiff ab, Blick zurück nach Skala, zur Kapelle Agia Paraskevi – da war ich dieses Mal gar nicht oben, schade. Die Zeit war zu kurz auf Patmos, wie so oft. Es gäbe noch viel zu sehen, man muss Prioritäten setzen. Oder wiederkommen. Mal sehen. Patmos war nett, aber auch in diesem Urlaub haben uns anderen Inseln besser gefallen.

Der Katamaran lässt Lipsi dieses Mal links liegen, deshalb waren auch schon Leute an Bord obwohl Patmos eigentlich Endstation ist. Und wer von Patmos nach Lipsi will? Hat Pech gehabt, oder nimmt die „Nisos Kalymnos“ am nächsten Tag oder die „Lampi II“.

Erster Halt ist somit Leros, und dieses Mal Agia Marina, es geht vorher an der Bucht von  Alinda vorbei. Über uns thront die Burg, am Anleger drängeln sich die Leute. Zwei Krankenwagen und Jungs einer Sportmannschaft stehen bereit. Und schon wieder ein LKW mit deutscher Aufschrift, der für Brot wirbt – bäckt man auf den Dodekanes nicht mehr selbst?

 

Mir wird es auf Deck nun trotz Fahrtwind zu heiß, ich flüchte in den klimatisierten Innenraum. Ein bisschen kann man da auch rausgucken, wieder die Steinwüste auf Kalymnos‘ Ostseite ehe die rauchende Müllkippe Pothia ankündigt. Ein Zweimaster, Ausflugschiff von Kos auf Three-Island-Tour, kommt uns entgegen. Im Hafen liegt die „Olympios Apollon“, eine Fähre vom Typ Landungsboot, unterwegs zwischen Kalymnos, Patmos (dort gestern gesehen), Mastichari auf Kos und Kalolimnos (Bewohnt? Oder wieder nur ein Militärstützpunkt?). Die „12nisos Pride“ tankt erst mal auf. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen fällt mir die winkende Meerjungfrau auf – ein Foto mehr für meine Gorgonen-Sammlung.

Die Cousine ist im Gespräch mit einer Frau – es handelt sich um den weiblichen Teil des Paares, das wir in Avlaki auf Nisyros beim ungenierten Baden gestört haben. Sie waren inzwischen auf Lipsi, das ihnen gut gefallen hat. Ich sollte Lipsi wirklich mal wieder besuchen! An Bord ist natürlich auch das blonde Frauenpaar, und die weibliche Dreiergruppe, die wieder nicht miteinander sprechen (die Cousine wird sie im Flieger gen Basel wiedersehen – sie können reden!).

 

Unter sengender Sonne an Pserimos vorbei, Kurs Kos. Und dort kommen wir nach knapp dreistündiger Fahrt dann auch an. Gedrängel, viele Leute gehen von Bord.

Tja, Kos nun also. Da bin ich ja mal gespannt.

Bye bye
Bye bye

erlebt im Mai 2010