Drei Kajaktage

Als ich in Kafenio Perros eintreffe, sind die Paddler gerade von ihrer Dreitagestour um Poliegos und Kimolos zurück und trinken ihr Après-Bierchen. Sie starren vor Salzwasser, sehen aber glücklich aus. Mit dieser Truppe werde ich die nächsten Tage unterwegs sein (sie wohnen alle bei Petrinela): Bärbel und Dieter (der gerne als fortgeschrittener Anfänger tiefstapelt) aus Hamburg, die ich schon vom letzten Jahr kenne, Marion, Anita und Susann aus Österreich, wobei Susann (wenn man ihren Namen denn so schreibt) eigentlich aus der Schweiz ist. Sie ist die Seniorin unserer Truppe, paddelt erst seit wenigen Jahren, aber mit einer unglaublichen und nachahmenswerten Energie und Freude. Das Paddelrevier der Drei ist sonst der Plattensee. Und Max, der französische Assistent, der am Mittwoch von Dario abgelöst werden wird, der auch gerade eingetroffen ist und die ganze Saison bleiben möchte. Den dauerlächelnden Italiener kenne ich auch vom Vorjahr, als er mich mit seinen Paddelkünsten und seiner Beweglichkeit beeindruckte. Er möchte in der Zukunft gerne auch ein Paddelgeschäft aufmachen, ist aber noch auf der Suche nach  einer geeigneten Location.  So lange möchte er noch Erfahrungen sammeln, und dazu wird er in den nächsten Tagen reichlich Gelegenheit haben. Wenn auch seltener im Kajak. :-)

Ergänzt wird unsere Gruppe durch das dänische Paar Benedikte und Thomas (ohne Dänen geht es nicht :-) ), die fast seit Rods Anfangszeit jährlich Stammgäste auf Milos sind und es inzwischen lieber etwas gemütlicher haben und sich daher ein Doppelkajak teilen.

An manchen Tagen kommen noch Tagesgäste dazu. Virenbedingt sind es allerdings deutlich weniger als in vorherigen Jahren.

Petrinela ist natürlich auch da, und Tochter Alexia hält öfters die Stellung im Kafenio.

 

Da nicht so viel Pensionsgäste da sind, bekomme ich mein Zimmer dieses Mal im Stammhaus, also im zweiten Stock über dem Kafenio Perros. Zimmer Nummer vier kenne ich auch schon. Blick über den Hof und hinüber nach Tripiti, Geräuschkulisse die Hühner des Ortes samt nächtlich krähender Hühner. Schön, wieder hier zu sein!

Im nahen Alpha-Markt kaufe ich ein paar Dinge ein und stelle fest, dass die Einheimischen hier in den Gassen von Triovassalos fast alle Maske tragen, auch wenn weit und breit niemand ist, dem man nahe kommen könnte. Das ist für mich doch gewöhnungsbedürftig und ich gestehe, dass ich vor allem tagsüber in der Hitze der Junisonne meistens auf die Outdoor-Maske verzichten werden. Man wird den gerade wieder aufkeimenden Tourismus jetzt sicher nicht mit Strafzahlungen beeinträchtigen wollen. Hoffe ich.

 

Zu sechst gehe wir am Abend nach Plaka im "Archontoula" essen. Ich nehme Florini und Galeos, bin zufrieden und bezahle zusammen mit dem Wein, den wir uns teilen, zwanzig Euro.

 

Überrascht bin ich darüber, dass an den Abenden im Kafenio Perros richtig viel los ist. Früher saßen meist nur ein paar alte Männer dort und ignorierten den laufenden Fernseher. Der Fernseher läuft immer noch, aber drinnen darf man aktuell nicht sitzen. So ist sind Tische und Stühle vor das Haus auf die Straße gewandert, und an dem Abenden brummt hier der Bär bis zur Ausgangssperre um ein Uhr nachts. Das Kafenio wird aber abends offenbar nicht mehr von der Familie selbst betrieben.

 

Im Zimmer ist es warm in der Nacht, ich vermisse die frische Brise der Küste. Zum Ausgleich fallen hungrige Schnaken über mich her. Aber die Matratze ist gut.

 

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Da der Frühstücksraum des Kafenio Perros auch als Kafenio genutzt wird und Innengastronomie verboten ist, dürfen wir dort nicht frühstücken. Vor dem Haus ist es morgens aber zu sonnig, und auch zu viel Verkehr. Petrinela richtet uns den Frühstückstisch daher im Hof auf der Rückseite des Hauses ein. Eine gute Lösung, die wir alle zu schätzen wissen. Zum Absacker treffen wir uns auch abends gelegentlich dort.

In den nächsten Tagen haben wir Wind aus wechselnden Richtungen, was uns Touren an völlig unterschiedlichen Küstenabschnitten ermöglich. Perfekt, denn natürlich möchte ich gerne mir neue Touren machen. Die ersten drei Tage sind aber schon bekannte Routen, auf die ich deshalb nur kurz eingehen möchte.

 

Den Auftakt macht die Nordküste. Die Österreicherinnen machen heute Pause und so starten wir bei sonnigem Wetter mit wenig Wind zu acht in sieben Kajaks in Mandrakia und paddeln entlang der Nordküste über Sarakiniko bis Alogomantra. Ich fühle mich im Kajak sofort wieder wohl und genieße die vielen Höhlen und Tunnels auf der Strecke bis Sarakiniko, wo ordentlich was los ist. Nicht nur an Land, auch im Wasser liegen reichlich Yachten und Boote.

Dario genießt Rods neueste Errungenschaft, ein weißes Exo-Kajak Typ Portofino. Heute hat er noch die Freiheiten des Gastes, da Max als Assistent fungiert.
Die Vormittagspause findet in einer kleinen Felsenbucht zwischen Sarakiniko und Mytakas statt, wo ein einsames Bootshaus (Syrma) als Edelferiendomizil fungiert und wir die drei Gäste dort aufscheuchen, die die "Störung" aber wohlwollend betrachten.

 

Draußen tuckert die "Dionysios Solomos" vorbei, erst auf dem Weg nach Milos, dann bei der Weiterfahrt nach Piräus. Jörg, mein Wanderpartner von Anafi, ist darauf. Auch hier ist symbolisches Winken angesagt.

Die Mittagspause verbringen wir je nach Wunsch in Schatten (etwas kühl) oder in der Sonne beim überhängenden Felsen bei Alogomantra. Ein wundervoller Platz, wenn auch jetzt im Juni stärker frequentiert als ich es in anderen Monaten gewohnt bin.

Nun kommt die Passage raus zu den Glaronissia, immer ein Höhepunkt. Kein Problem bei diesen ruhigen Bedingungen.

Max, der eigentlich ein Business für Felsenspringer aufmachen wollte - also mir müsste man (viel) Geld bezahlen, damit ich so etwas machen würde - springt fotogen vom Bogen der westliche Glaronissi.

Dann kommt die lange Passage zurück nach Mandrakia, bei der wir letztes Mal reichlich Gegenwind hatten. Es zieht sich auch jetzt wieder, aber ich habe keine konditionellen oder physischen Probleme. Da bin ich besser durch die coronabedingt fitnessstudiolose Zeit gekommen als gedacht. Der Einstiegstest ist bestanden und ich kann optimistisch auf die nächsten Tage im Kajak blicken.

 

Zum Abendessen bin ich mit Benedikte, Thomas, Bärbel und Dieter in Tripiti im "Methismeni Politia", das unterhalb der Straße am Weg zu den Katakomben liegt. Man sitzt schön auf der Terrasse und das Essen - Pitarakia Mileika und Lachanodolmades - ist auch in Ordnung. Auf dem Bildschirm verliert Stefanos Tsitsipas das Finale der French Open in fünf Sätzen gegen Novak Djokovic doch noch, nachdem er die beiden ersten Sätze gewonnen hatte. Er ist der erste Grieche, der ein Grand-Slam-Finale erreicht hat.

 

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Der Montag zeigt sich weniger sonnig als der Sonntag. Der Himmel ist bewölkt und der Wind frischt auf. Max benötigt einen PCR-Test für seine Rückreise nach Frankreich in zwei Tagen und lässt ihn vor Ort im Kafenio machen. Der Arzt kommt auf dem Motorroller, packt sich vor Ort in eine Plastikhülle samt Handschuhen und Maske um den Abstrich zu nehmen. Danach wickelt er sich wieder aus, schwingt sich auf den Roller und braust davon. 120 Euro kostet der Spaß, inklusive 50 Euro für den Vor-Ort-Service. Einen Rapid-Test bekommt man schon für zwanzig Euro in der Teststation im anderen Ortsteil von Triovassalos.

 

Mit etwas Verspätung machen wir auf den Weg zur Südküste, wo wir von Provatas nach Osten bis Agia Kyriaki paddeln. Dario nimmt heute noch frei, sein offizieller Einsatz beginnt erst am Mittwoch. So sind wir nur die Stammbesetzung: die drei Frauen aus Österreich, die Paare aus Hamburg und Dänemark, Max, Rod und ich. In Provatas ist noch wenig los, aber der Strand ist mit Schirmen und Liegen bestückt, was ich bisher noch nicht kannte. Auch am Fyriplaka-Strand ist ordentlich Betrieb. Richtig heftig ist es aber am Mini-Strand von Tsigrado, der nur spektakulär durch ein Loch im Felsen und eine Leiter zu erreichen ist. Die Mühe lohnt sich definitiv nicht, wenn man dann unten wie die Sardinen liegt. Noch dazu in Corona-Zeiten.

 

Der Wind und die Wellen machen mir heute etwas zu schaffen, aber ich bewältige die Herausforderung inklusive Fischerboot-Challenge in Agia Kyriaki. Die drei Frauen aus Österreich sind auch sehr gut im Kajak unterwegs, sie mögen es lieber wenn es Wellen hat. Flott geht es wieder westwärts entlang der Küste, die unterhalb des Fyriplaka-Vulkanes mit nicht zu überriechenden heißen Schwefelquellen aufwarten kann.

 

Die Vormittags- und die Mittagsrast machen wir an zwei verschiedenen Abschnitten des Gerakas-Strandes, einem Traumstrand vor beeindruckender Felsenkulisse und nur per Boot erreichbar. Zum Mittag gibt es das obligatorische köstliche Picknick-Lunch. Vor der Bucht ankert eine große Motoryacht, die Gäste, eine Familie aus Katar, dinieren mit Personal, Sonnenliegen und großem Sonnenschirm. Was so ein Tag an Bord wohl kostet?

Auf dem Rückweg halten wir dann nochmals für eine Melonen-Rast am Strand von Fyriplaka, auf dessen feinem Sand sich Nester mit wunderschönen bunten Kieseln angesammelt haben (oder wurden). Wenn ich alle einpacken würde, die mir gefallen, wäre mein Kajak wohl nicht mehr schwimmfähig. Um halb fünf sind wir wieder in Provatas, und um fünf in Triovasalos, wo wir vor dem Kafenio das obligatorische Après-Getränk zu uns nehmen.

Rods Fotos von heute hier:

https://seakayakmilos.smugmug.com/Day-trips/All-2021-Photos/June-14-South-Coast

 

Zum Abendessen haben wir es heute nicht weit: es geht in die Nachbarschaft ins "Bakalikon Galanis", wo ich unbedingt wieder den Kartoffelsalat bestellen muss. Dazu noch Dakos, das auch gut schmeckt. Den Tisch teile ich mit Anita, Susann und Marion, die unter anderem gegrillten Oktopus bestellt haben. Leider kommt der Achtfüßler ziemlich verbrannt auf den Tisch - schon der Geruch nach verkohltem Tier lässt mich von solchen Bestellungen Abstand nehmen.

Es ist nett, den Abend nicht allein zu verbringen.

 

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Heute geht es nach Kleftiko! Diese Tour ist 18 Kilometer lang und ich hoffe, dass ich sie bewältige. Die Sonne hat sich wieder eingefunden und die Wolken fast verdrängt, der Wind weht von Nord mit gelegentlichen heftigen Böen.

Die Truppe startet in gleicher Besetzung wie gestern in Psathi an der Südküste, westlich von Kipos. Es ist Max' letzter Paddeltag und er ist etwas melancholisch. Wobei Zurückhaltung und Ruhe sowieso seinem Naturell entsprechen zu scheinen.

 

Der erste Halt auf der Kleftiko-Tour - meiner dritten, und zweiten im Einer-Kajak - ist traditionell in Gerontas. Auch hier sind wir heute nicht alleine. Inzwischen kann man auch auf Milos kleine, offene Motorboote mieten und entlang der Küste tuckern ohne einen Bootsführerschein zu benötigen. Leihstationen gibt es unter anderem in Agia Kyriaki und Paleochori. Dazu kommen die (noch wenigen)Tagesausflugsboote und private Yachten in allen Größen. Ganz schön viel motorisierter Verkehr also, der sich hier im Natura-2000-Gebiet herumtreibt, um einen der landschaftlichen Höhepunkte von Milos, Kleftiko, zu erreichen. Und diese Küste ist ja auch sehens- und besuchenswert. Aber wir haben erst Mitte Juni und virusbedingt sind noch nicht so viele Touristen unterwegs. Was hier wohl im August los ist?

Eigentlich sollte man den Zustrom begrenzen, aber das dürfte schwer sein und wäre wohl nur mit Einrichtung eines strengen Meeresparkes nach Vorbild der nördlichen Sporaden möglich. Mittelmeer-Mönchsrobben haben sich aber längst in die ruhigeren Gefilde von Poliegos, Kimolos oder den Akradies und Antimilos zurückgezogen. Dafür sehen wir vereinzelt Eleonorenfalken und Kormorane.

 

Rod, Bärbel und Dieter wandern ein Stück ein Oleandertal hinauf, Irgendwo hier soll es Goldvorkommen geben, mit der Grund, warum Rods damals als Geologe nach Milos kam. Zum Glück wurde nicht mit der Ausbeutung begonnen.

Weiter geht es unter der Verladestelle der Puzzolane-Mine bei Xylokeratidia vorbei. Vor uns können wir schon einige der Boote sehen, die bei Kleftiko ankern. Eine riesige Yacht ist dabei.

 

Durch Tunnel nähern wir uns der ersten von mehreren spektakulären Felsenbuchten, die mich auch bei vierten Besuch sehr beeindrucken. Die hellen Felsenwände, die sich im klaren Meer spiegeln, die bizarren Felsentürme, die teilweise von Tunnels durchbrochen sind, durch die wird paddeln können - einfach gigantisch! Wir ziehen individuell unsere Kreise und erfahren, dass das Paddeln in Höhlen seine Tücken hat: Bärbel (Rod spricht das immer wie "Bubble" aus, was sehr nett klingt) kentert in einer der Höhlen, als sich das Ende ihres Kajaks an einem Felsen aufhängt. Im Dunklen die Orientierung behalten, die Lasche für den Spritzschutz finden und ziehen und auftauchen - ich glaube, ich wäre nie wieder in eine Höhle gepaddelt. Susann war dabei und ruft laut nach Max, der herbeisprintet, um Bärbel in ihrer misslichen Situation zu helfen, während wir anderen lieber draußen bleiben. Es dauert, bis sie - im Kajak - wieder vor der Höhle erscheint. Chapeau, dass sie auch in der Höhle wieder ins Kajak gestiegen ist! Ich hätte es sicher draußen probiert. Bärbels Mann Dieter ist in dem weitläufigen Terrain gerade ganz woanders unterwegs und hat nichts von der Kenterung seiner besseren Hälfte mitbekommen.

Auf den Schrecken gehen wir an dem schmalen Sandstreifen unter einem überhängenden Felsen an Land. Es ist Lunchtime, und Rod bringt mit dem Kajak den gut versteckten Tisch her, während wir nun schwimmend und schnorchelnd das Wasser, und dann das Picknick genießen.

 

Von der riesigen Yacht, die vor Kleftiko liegt und von kleineren Schiffen wie von Küken umringt ist, startet ein Hubschrauber. Ich gucke bei marinetraffic und Google nach und stelle fest, dass es sich um die 116 Meter lange "Ulysses" des neuseeländischen Unternehmers Graeme Hart handelt. Ob er an Bord ist? Bei den strengen Corona-Bestimmungen seines Heimatlandes ist es sicher besser, in der Ägäis unterwegs zu sein. Ich bin auch gar nicht neidisch.

Nach halb drei brechen wir zum Rückweg auf und paddeln erst hinaus zur der großen Yacht, ehe wir uns wieder Richtung Osten in Küstennähe begeben. Ich spüre meine linke Schulter, die sich seit einiger Zeit immer mal wieder schmerzhaft in Erinnerung bringt. Bisher war sie brav, aber nun zickt sie. Ich ignoriere sie nach Kräften, ebenso wie die ersten Blasen, die sich an den Fingern zeigen. Müde hänge ich mit meinem Kajak etwas hinterher und bin froh, dass Rod auch heute einen zusätzlichen Melonenstopp einlegt, im Mini-Fjord von Katergo. Ein paar verlassene Bootshäuser drängen sich am Rand eines Erosionstales, das hier in einer steinig-kieseligen Bucht ins Meer mündet.

Wir lassen uns die Melone schmecken, die Rod aufschneidet. Und ich erkläre Rod, der moniert hat, dass ich mir nach dem Aufschließen zur Gruppe auch eine Pause gönne statt direkt weiter zu paddeln, dass ich diese Pause auch brauche. Und wenn sie nur kurz ist. So wie mir diese Melonenpause gut getan hat, und ich mit frischen Kräften das letzte Etappenstück bis Psathi absolviere. Wir kommen nach 17 Uhr an und ich bin müde und etwas erschöpft. Und irgendwie genervt. Vielleicht brauche ich morgen einen Ruhetag.

 

Aber erst müssen wir die Kajaks aus dem Wasser schaffen, was in Psathi wegen der großen unwegsamen Kiesel und der Stufe, über die man die Boote tragen muss, besonders anstrengend und verletzungsträchtig ist. Ich halte mich heute vornehm zurück.

Hier Rods Fotos vom Tag: https://seakayakmilos.smugmug.com/Day-trips/All-2021-Photos/June-15-Kleftico

Zurück in Triovassalos verstoße ich gegen das ungeschriebene Gesetz, dass man erst nach dem Après-Getränk duschen darf - ich brauche die Dusche sofort. Erfrischt geht es mir dann wieder besser, und ich beschließe, am Abend solo hinab nach Klima zu gehen, mir dort den Sonnenuntergang anzugucken und zu essen.

 

Um Viertel vor acht breche ich auf, zunächst nach Tripiti und hinab zu den Katakomben. Ein Schäfer weidet bei einer Kapelle der Panagia Faneromeni seine Schafe.

Ich suche den Fußweg, der von den Katakomben hinab nach Klima führt. Ich bin ihn früher schon gegangen, aber nun ist er entweder zugewachsen oder ich suche an der falschen Stelle. Da ich keine Wanderschuhe an habe, breche ich den Versuch schließlich ab und gehe stattdessen zum Hügel des kleinen Profitis Ilias, einem meiner Lieblingsplätze auf Milos mit herzweitender Aussicht über die Bucht von Milos, Antimilos und bis zum Kastro von Plaka

Die Abendstimmung ist hier ganz wundervoll, ich genieße einfach und lasse mich auch von einem jungen Paar nicht stören, das den gleichen Gedanke hatte wie ich.

 

Als das schwindende Tageslicht die Kapelle und Bäume als harte Silhouetten in den Himmel zeichnet, wandere ich zurück nach Tripiti und kehre im "Ergina" ein, meinem neuen Lieblingslokal. Die Terrasse ist so gut belegt wie die Abstandsregeln für die Tische es zulassen, an einem Tisch entdecke ich Benedikte und Thomas. Offenbar hatten noch mehr Gruppenmitglieder heute Abend Lust auf Speisen abseits der Gruppe. Der Rote Bete-Salat und die Revithia schmecken so köstlich wie im Vorjahr.

Und als ich später auf meinem Zimmer das erste Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM gegen Frankreich angucken möchte, schlafe ich ständig ein. Nicht schlimm, wenn ich diese Niederlage verpenne.

Und morgen? Ruhetag, oder doch in Kajak? Oder Sonnenuntergang im Kajak?