Auf See und unter Tage

Weil Christina mich schon um zehn nach acht am Parkplatz hinter der Chora abholt, mache ich mein Frühstück heute selbst. Gut, dass ich den kleinen Tauchsieder dabeihabe, denn es gibt ja keinen Wasserkocher mehr auf dem Zimmer. Die Paddelsachen zusammenpacken und runter zum Parkplatz, wo Christina pünktlich auftaucht. Es ist schön, sie wiederzutreffen!

 

Wir holen noch zwei Australierinnen in Grotta ab, dann geh es zum Kajak-Depot bei Agios Isidoros, wo Manolis mit einer herzlichen Begrüßung wartet. Manolis und Christina sind einfach so nett und herzlich, und offenbar geht es ihnen gut, auch wenn die lange Saison bei Manolis körperliche Spuren hinterlassen hat. Ein Knochenjob, trotz der griechischen Assistentin, die auch Christina heißt und Manolis diese Saison unterstützt hat. Jetzt ist sie aber nicht mehr da ist.

Heute soll auch Stephan aus Österreich ankommen. Mit ihm und seiner Frau Ursula bin ich im Mai 2023 von Naxos zu den kleinen Kykladen und zurück gepaddelt. Für eine Woche kommt er alleine – Ursula muss arbeiten - nach Naxos, und ich freue mich, ihn wiederzusehen. Er soll im Laufe des Tages auf Naxos landen, und vielleicht können wir morgen etwas zusammen unternehmen.

 

Manolis hängt den Trailer an den Renault Kangoo. Er, die Australierinnen und ich steigen ein und dann beginnt die lange, aber immer schöne und aussichtsreiche Fahrt über Filoti und den Pass bei Agios Trifon in den abgelegenen Inselsüden. Da es hier keine Dörfer gibt, verkehren auch keine Busse, was wandertechnisch sehr schade ist. Mit dem Mietwagen werde ich auch hierher mal zurückkehren müssen.

 

Es ist halb zehn vorbei als wir in Kalandos ankommen, wo noch zwei Paare zu uns stoßen. Ein junges Paar aus den USA und ein älteres Schweizer Paar, Samuel und Regina. Sie sind länger auf Naxos und letzte Woche entlang der Südküste von Kalandos Richtung Rina-Höhle und Panermos gewandert und dabei mehrfach auf die Kajaker gestoßen. Manolis hatte sie schließlich zum Essen eingeladen – wie immer hatte er die Zutaten sehr großzügig disponiert und übrig. Als es zum Nachtisch noch Espresso und Papadopoulou-Kekse gab, waren Samuel und Regina vollends überwältigt. Ihre Wanderung war nicht so richtig erfolgreich was das Ziele betrifft. Nun wollen sie die Südküste vom Meer aus erkunden und das nachholen.

Wir laden die drei Doppelsitzer und die beiden Single-Kajaks ab („wir“ ist nicht ganz korrekt – bandscheibengeschädigt überlasse ich beim Tragen schwerer Sachen Anderen gerne den Vortritt), dann erfolgt die Verteilung der Ausrüstung: Manolis hat alles dabei, von Badeschuhen über langärmelige Shirts, Sonnenhüte sowie natürlich das Paddelequipment. Schließlich erfolgt die Einweisung in die richtige Paddeltechnik. Ich bekomme das giftgrüne Kajak und fühle mich darin gleich wieder wohl. Bis wir alle auf dem Wasser sind, ist es Viertel vor elf.

Es geht ostwärts entlang der Küste. Der Wind hat abgeflaut, und wir sind auch jetzt im Schatten der Felsen. Die Schweizer kommen gut mit ihrem Kajak zurecht, und auch die beiden Australierinnen. Das amerikanische Paar tut sich schwerer, hängt etwas zurück. Als wir das Kap Patsouras passiert haben, wird der Wind wieder stärker, und bläst nun von vorne. Ich lege mich ordentlich ins Zeug und Paddel, spüre aber schnell meinen unteren Rücken. Kajaken ist eine sitzende Tätigkeit, und solche sind generell nicht bandscheibenfreundlich. Bald bin ich froh, dass ich keine Mehrtagestour gebucht habe, wie ursprünglich mal anderswo geplant. Dazu kommt die mangelnde Übung. Als wir nach etwas über einer Stunde die Bucht von Rina mit der Höhle erreicht haben, bin ich echt froh.

 

Heute ist der 13. Oktober, und wir sind allein hier. Manolis erzählt, dass sich hier im Sommer Hunderte von Menschen von zahlreichen Ausflugsbooten tummeln würden, es wäre die Hölle. Die Rina-Höhle, in der ich schon zweimal war, ist schön, aber für die lange Anfahrt finde ich sie eher überbewertet. Aber gut, die vergleichbaren (oder beeindruckenderen) Höhlen auf Milos, Kimolos und Poliegos liegen zum Glück weitgehend abseits gängiger Tagestourrouten.

 

Nach dem Höhlenbesuch ziehen wir die Boote an den Strand der Bucht. Sand und große, flache runde Kiesel wechseln sich ab, jemand hat Steintürmchen gebaut. Das Wasser hat noch knapp 21 Grad und lädt ein zum Bade. Natürlich hat Manoli auch Schnorchelausrüstungen dabei, aber ich bin zu blöd zum Schnorcheln, bekomme immer Wasser in die Maske. Also nur Schwimmen. Dann eine Banane, Pasteli und etwas Trockenobst als kräftigenden Snack – das Frühstück ist lange her. Noch ein Sonnenbad ehe wir unsere Fahrt weiter ostwärts fortsetzen.

Weit ist es zu unserem nächsten Stopp nicht, es geht nur um zwei kleine Kaps mit interessanten Felsen. Meinem Rücken hat der Halt gutgetan, er muckt nun nicht mehr. So nahe an der Küste sind wir wieder windgeschützt.

 

Unser Ausstieg an der Spedo-Bucht ist ein nasser, weil Manolis die Kajak nicht an Land zieht, sondern in der Bucht fächerförmig zusammenbindet, so dass wir durch das hüfttiefe Wasser an Land waten müssen. Das ist heute weniger unangenehm als das letzte Mal im Mai, als das Meer kälter war und die nassen Klamotten an Land schnell frieren ließen.

 

Wir haben nun reichlich Zeit zum Baden, Schnorcheln, Schwätzen. Das Schweizer Paar ist nett, er ist Goldschmied (oder war) und spielt Klarinette und andere Instrumente in einer Band namens Amal, die rumänische Musik macht. Schnell tauschen wir uns über griechische und andere Musik aus, und über Wandermöglichkeiten auf Naxos. Ich empfehle die Wanderung von Apiranthos über den Fanari nach Moni und Chalki, und Inseln wie Sifnos, Ikaria und Amorgos.

Der Himmel präsentiert uns interessante Wölkchenformationen.

Dann beginnt Manolis mit der Zubereitung des Mittagsessens. Es gibt Tomaten-Gurken-Paprika-Salat, dazu Graviera, Feta, Oliven, Salami, Eier und Brot. Manolis kauft alles in lokaler oder Bio-Qualität – da will er keine Abstriche machen, auch wenn die teurer sind. Und das schmeckt man auch. Vor allem die kleinen Tomaten sind köstlich, und ich esse mehr als ich sollte.

 

Ein Ausflugskaiki tuckert um die Ecke und ankert in der Bucht. Die „Gialitissa“ kommt von Panermos, bietet je nach Monat ein bis drei zweistündige Touren täglich von dort zur Rina-Höhle an. Das ist vermutlich die kürzeste Tour zu Höhle (und mit 25 Euro pro Person auch die preiswerteste), aber nach Panermos ist man ja ab Naxos-Stadt auch mindestens eineinhalb Stunden unterwegs. Manolis kennt die Leute der „Gialitissa“ natürlich und redet mit Respekt von ihnen.

Natürlich gibt es dann auch noch Espresso und Gemista-Kekse.

Erst gegen vier Uhr geht es auf den Rückweg. Manolis hat gewartet wegen des Windes, aber irgendwann müssen wir trotzdem los. Es ist kein Gegenwird, aber ein seitlicher Wind, der für höhere Wellen sorgt kaum dass wir aus der schützenden Bucht heraus sind. Es sind diese höheren Wellen, dieses Auf und Ab, das ich so gar nicht hat mag. Prompt steigt das alte Kenter-Trauma zu, das ich schon überwunden glaubte. Das Meer erscheint mir grau und feindlich. Trotz aller Bemühungen zusammenzubleiben, verteilen sich die Kajaks über eine größere Fläche, und wir sind auch weit weg von der Küste, da wir eine möglichst kurze Linie fahren. Immerhin ist mein Rücken jetzt brav. Wahrscheinlich bin zu konzentriert darauf, auf den Wellen zu reiten und in Balance zu bleiben. Es zieht sich.
Endlich haben wir das Kap Patsouras umfahren, die Wellen lassen nach und der Strand von Kalandos kommt in Sicht. Es ist Viertel nach fünf als wir die Kajaks dort an Land ziehen, wo alles nun wieder total freundlich aussieht. Wasser ist doch nicht mein Element.

 

Es dauert bis wir alles verladen haben. Manolis möchte uns noch in das Kajak-Lager einladen, aber von Christina erfährt er, dass es dort keinen Strom hat (eine unbezahlte Rechnung, wie sich später herausstellen wird …), und es wird auf der Rückfahrt schon dunkel. Dazu kommt, dass Stephan wegen Flugverspätung seinen Weiterflug nach Naxos verpasst hat. Die Abendfähre hat er auch nicht mehr erwischt, so dass er jetzt in oder bei Athen übernachten muss. Morgen ist allerdings Fährstreik angesagt, hoffentlich kann er noch einen Flug nach Naxos buchen.

Irgendwie werden wir uns morgen noch treffen. Manolis hat da keine Kajak-Tour, und ich fühle mich auch zu k.o. um noch einen Tag mit ihm irgendwo zu paddeln. Ich bin auch noch unschlüssig wie diese Paddelprobe ausgegangen ist. Auf alle Fälle nicht zu hundert Prozent überzeugend. Tha doume – wir werden sehen.

Christina bringt die Australierinnen und mich vom Depot zurück nach Chora. Wieder lässt Christina mich die Tagestour nicht bezahlen. Ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft beschämt mich. Schwer zu erwidern …

Manolis‘ Bilder vom Tag gibt hier: https://seakayaknaxos.smugmug.com/Sea-kayak-Naxos-2025-photos/October/October-13-Kalantos-7

 

Mit einem köstlichen und umfangreichen Rosto me patates lasse ich den Tag im „Boulamatsis“ ausklingen. Sinke spät und müde in die Kissen.

Morgen ist dann schon mein letzter ganzer Naxos-Tag.

 

*

 

Heute geh ich es gemütlich an - der Körper schmerzt noch etwas, die Arme sind müde. Keine größere Aktivität heute also. Zum Frühstück auf der Terrasse ist es immer noch zu windig. Ich komme mit der Frau, die für das Frühstück zuständig ist, ins Gespräch. Sie ist Albanerin, lebt eigentlich auf Kreta und freut sich auf das nahe Ende der Saison wenn sie dorthin zu ihrer Familie zurückkehren kann. Nein, ein Kurzbesuch im Sommer war nicht möglich. Ohne die unermüdlichen und fleißigen Menschen aus Albanien, Bulgarien und sonst woher könnte der griechische Tourismus einpacken. Schon in diesem Jahr fehlten 60.000 Arbeitskräfte, trotz der Versuche des griechischen Staat 2024 diese in Armenien, Georgien sowie mit Indien, den Philippinen und Vietnam anzuwerben – die bürokratischen Hürden sind (zu) hoch, und die Bezahlung nicht sehr verlockend. Wozu in den touristischen Hochburgen noch die Schwierigkeit kommt, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Ein Problem, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist, und da gibt es noch fremdenfeindliche Dummköpfe, die allen Ernstes glauben, mit Remigration (unsägliches Wort!) wäre das Problem gelöst. Im Gegenteil, damit würde es erst anfangen!

 

Zurück nach Naxos. Ich möchte um zehn Uhr den Bus nach Plaka nehmen und dort ein wenig faulenzen. Ich warte gerade an der Bushaltestelle als Manolis eine Nachricht schickt: Ob ich Lust auf einen Besuch der Schmirgel-Minen bei Koronos hätte? Stephan würde demnächst ankommen und wäre interessiert, und die Schweizer würde er auch noch mitnehmen. Schmirgelminen? Auf alle Fälle! Wann?

 

Die Antwort von Manolis lässt auf sich warten, aber den Ausflug nach Plaka streiche ich direkt. Bummle an der Paralia entlang - die Bauarbeiten an der Uferbefestigung scheinen fertig, aber das Absperrband ist immer noch da - zum Agios-Georgios-Strand, wo ich schwimmen gehe (20 Grad hat das Wasser heute) und auf Manolis‘ Antwort warte. Die kommt dann irgendwann: halb eins, ein Uhr wäre o.k.. Allerdings hat er die Schweizer noch nicht erreicht, die sind irgendwo unterwegs (am Fanari, schätze ich).

Nachdem Stephan und Manolis mich dann um Viertel vor eins am Parkplatz hinter dem Kastrohügel abgeholt haben, geht es erst in Kajaklager, wo Stephan und ich unser Wiedersehen feiern. Die Schweizer hat Manolis immer noch nicht erreicht, aber Platonas, Mitpaddler unserer Kleine-Kykladen-Tour 2023, wird auch zu uns stoßen. Außerdem ein griechischer Freund von Manolis – signomi, den Namen habe ich vergessen - der auch gelegentlich mitpaddelt und sich auf Naxos sehr gut auskennt. Er kommt mit dem Auto zum Depot. Zusammen warten wir dort entspannt auf eine Rückmeldung der Schweizer. So lange schauen wir uns das perfekt sortierte Kajaklager mit Dutzenden Kajaks verschiedener Hersteller an. Sehr beeindruckend, was Manolis hier auf die Beine gestellt hat!

 

Und irgendwann klappt dann auch der Kontakt mit Regina und Samuel, die auf ihrer Wanderung in Moní angekommen sind, wo wir sie abholen werden. Besser man versucht es gleich telefonisch als über Whatsapp…😉 Platonas treffen wir dann oben bei Koronos im „industrial park“ an der Stravolagada-Mine, der durch eine Schranke abgesperrt. Anfang der 2000er-Jahre gab es Pläne, hier ein Bergbau-Museum einzurichten. Manche Instandsetzungsarbeiten erfolgten damals schon, bis die Krise mit finanziellen Problem das Projekt endgültig einschlafen ließen. 2014 war ich schon mal hier, schon damals rotteten die Gebäude des Schmirgelabbau vor sich hin. Und besser geworden ist es leider nicht.

 

Manolis zeigt uns das Gebäude mit dem Dieselmotor für die neun Kilometer lange Seilbahn, die den abgebauten Schmirgel hinab nach Moutsouna brachte, wo er auf Schiffe verladen wurde. Viele Teile davon mit Drahtseil, Masten und Loren kann man immer noch sehen wenn man nach Moutsouna hinabfährt. Auch nach Deutschland ging der Schmirgel, die Firma Naxos-Union in Frankurt am Main verwendete ihn für ihre Schleifmaschinen. Wer mehr darüber wissen will, sei (mal wieder) an die Azalas-Seiten von Astrid Scharlau verwiesen, wo es gleich mehrere Seiten über den Schmirgelabbau gibt.

Wir sind ausgestattet mit Stirnlampen, ich habe auch Wanderstiefel an und den Wanderstock dabei. Weil es zu Beginn der Mine matschig sein soll, ziehen wir uns blaue Plastiktüten über die Schuhe um den Dreck nicht nachher ins Auto zu tragen. Die Maßnahme erweist sich kurz darauf als unnötig da der Matsch schon getrocknet ist, bringt aber lustige Fotos.

Und dann geht es hinein in der Berg.

 

Kurze Warnung: ohne ortskundigen Guide sollte man selbstverständlich nicht die Stollen steigen! Diese sind mehrere Kilometer lang, verzweigt und unbeleuchtet. Es gibt auch zwei, drei Stellen, die etwas unwegsam und steil sind, und selbstverständlich hat man unter Tage keinen Handyempfang, falls etwas passieren soll. Daran oder ein Erdbeben denke ich jetzt lieber nicht …

Schienen im Stollenboden zeigen uns den Weg, auf ihnen wurde der Schmirgel in Loren herausbefördert. Wir werden später auch eine verrostete Winde sehen, mit der das Gestein über einen steile Rampe zum Hauptstollen hochbefördert wurde.

 

Gleich am Anfang treffen wir auf eine schlafenden Fledermaus, die sich kopfüberhängend von uns nicht stören lässt. Da ich am Ende der Gruppe gehe, kann ich Manolis Erklärung nicht immer hören. Aber meine Phantasie ist gut genug um mir vorzustellen, dass die Arbeit hier eine Schinderei war, und nicht ungefährlich. Ich muss dringend mal wieder das Buch „Zwei Türen hat das Leben“ von Astrid Scharlau lesen, in dem sie das Leben auf Naxos im 20. Jahrhundert anhand des Beispiels ihre Schwiegervaters schildert.

Es gibt unzählige Abzweigung, nicht immer mit Schienen da zu eng oder steil. An einigen Stellen stehen zurückgelassene Loren, was mich an die Mühlsteinmine im Osten von Milos erinnert. Es gibt auch simple Drehscheiben für die Loren an Stollenkreuzungen, wo die Loren mit Menschenkraft gedreht wurden, allenfalls unter Zuhilfenahme von langen Hebeln.

Etwas mulmig ist mir so unter Tage ja schon zumute. Einmal bildet Wasser einen kleinen See, anderswo hat Tropfwasser kleinen Nasen von Tropfsteinen an der Decke entstehen lassen.

 

Wir gehen einen Rundweg, auf- und abwärts, manchmal nimmt man besser die Hände zur Hilfe um nicht abzurutschen. Erreichen dann die Winde und sinnieren über die Funktion eines seitlichen Zahnradkranzes. Die Teile sind immer noch gut erhalten, erst in den 1980er-Jahren wurde hier der Anbau eingestellt. Laut Astrids Website wird an manchen Stellen von Naxos immer noch Schmirgel abgebaut, aber vielleicht stimmt das inzwischen auch nicht mehr.

Es ist halb sechs vorbei, und wir beschließen, nach Sagri zu fahren um in Johnny’s Taverne etwas zu essen. Letztes Jahr war ich dort mit Margrit und wir waren zufrieden mit den Speisen.

Wir setzen Samuel und Regina an ihrem Auto in Chalki ab und warten bis sie uns folgen. Sagri und die Taverne sind schnell erreicht. Draußen auf der Terrasse uner dem Baum ist es uns schon zu frisch, und so setzen wir uns in den riesigen Gastraum.

 

Die Speisekarte bei Johnny ist verlockend und ich lasse mich dazu verleiten, Lamm mit Zitronensauce und Reis zu bestellen, wie einige andere auch. Vorab Salat und einige Vorspeisen sowie Wein, Limo und Wasser für alle. Die Fleischportionen sind leider etwas ungleich verteilt, und ich habe Pech, erwische vor allem Knochen und Fett. Gut, halte ich mich an den Reis. Mit dem Lamm in Griechenland und mir, das bleibt schwierig. Wir bezahlen 30 Euro pro Person.

 

Es ist schon dunkel als wir uns verabschieden. Manolis bringt mich nach Chora, wo wir uns noch auf ein Glas Wein mit Platonas, Christina, ihrer Freundin Vicky, Töchterchen Ariadni sowie deren Schulfreund im „Hurmas“ treffen. So in meinen Wanderklamotten führe ich mich ziemlich underdressed, und gehören die Kinder nicht eigentlich längst ins Bett? Gut, wir sind draußen auf der Terrasse, und die Beleuchtung mäßig. Ich trinke ein Glas Wein und verabschiede mich nach 22 Uhr. Es war sehr schön, euch wieder getroffen haben, Christina, Ariadni, Manoli, Stephan und Platona!

Morgen werde ich weiterfahren

 

*

 

Das schöne Wetter hält an, aber auch der Wind ist noch frisch. Ich werde um 13 Uhr die „Blue Star Delos“ nehmen, und weil ich so lange auf meinem Zimmer bleiben kann wie ich will, kann ich nach dem Frühstück und dem Packen meiner Sachen neben einem heute weniger nassen Besuch zur Portara noch einen ausgedehnten Einkaufsbummel in der Chora unternehmen. Das Fährticket brauche ich auch noch. Bei einem Frappuccino im „Avaton 1739“ lassen ich den Vormittag und den Naxos-Besuch ausklingen.

Nach zwölf Uhr hole ich meine Sachen im „Anixis“, und zerre sie hinab zum Hafen. Reihe mich in den gut belegten Wartepferch ein. Mittag ist Rush-Hour in Naxos, und nur naive Romantiker mit nostalgisch-verklärtem Blick denken, dass Naxos keine Drehscheibe der Kykladen (und weiter) mehr wäre. Allerdings sind es jetzt halt weniger die normalen, großen Fähren, die langsam zum Anlegen beidrehen und länger halten (müssen), sondern immer öfters die eiligen und teuren Schnellfähren, die kaum zwei Minuten anlegen und flüchtig dem Blick wieder entschwinden. Immer mehr Griechenland-Urlauber kommen von weiter her, und haben immer weniger Urlaubszeit, die sie aber immer voller packen. Drei Tage für Naxos sind da schon viel. Dafür haben sie aber mehr Geld für edle Boutique-Hotels und Studios mit Pool (womöglich noch geheizt) – ein Bedürfnis, dem der Bauwahn auf Naxos (und anderen angesagten Inseln) gerne, ungebremst und zerstörerisch nachkommt. An meiner nächste Destination werde ich ausgiebig Zeit haben, dies in seinem Extrem zu beobachten. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

 

Jetzt freue ich mich aber auf die Überfahrt mit der „Blue Star Delos“!