Rückkehr nach Kassos

Der Bus von Iraklio nach Sitia (17,30 Euro) fährt um 7 Uhr 30, so habe ich noch Zeit für einen Kaffee am Busbahnhof ehe ich in den Bus steige. Kaum haben wir Iraklio verlassen, übermannt mich der Schlaf. Drei Stunden soll die Fahrt laut Fahrplan dauern, es wird aber noch länger sein. Die letzte Dreiviertelstunde hinter Agios Nikolaos über kurvige Landstraßen, und schnell wird mir übel. Krame einen Drop gegen Reisekrankheit aus der Tasche, aber das klebrige Ding lässt sich nicht aus der Verpackung lösen. Na, wird auch so gehen. Tief durchatmen.

Je näher wir Sitia kommen, desto mehr fungiert der Bus als Nahverkehrsmittel und hält oft um die einheimischen Fahrgäste mitzunehmen. Das zieht sich.

Um 10 Uhr 45 sind wir dann endlich in Sitia. Ich deponiere das Gepäck im Busbahnhof und wanke zur Paralia, wo ich eigentlich ein zweites Frühstück geplant hatte. Aber mehr als ein Orangensaft geht nicht bis ich mein Gleichgewicht wiedergefunden habe.

Noch etwas Herumbummeln und Gucken, dann zurück zum Busbahnhof, von wo ich um halb eins ein Taxi zum nahen Flughafen nehme. Wohin ich wollte, fragt der Taxifahrer neugierig, und findet meine Wahl Kassos eher so etsi ketsi. Karpathos wäre doch toll. Na, da möchte ich ja auch noch hin. 15 Euro bezahle ich für das Taxi, und betreten das große, aber leere Flughafengebäude. Offensichtlich hatte man hier größere Pläne als die Wirklichkeit hergegeben hat. Zwei oder drei Angestellte verlieren sich in der weitläufigen Halle. Ich gebe mein Gepäck auf, sitze dann noch etwas draußen und bestelle schließlich am Kiosk, der auch als Cafeteria fungiert, einen preisreglementierten Toast für ein Euro achtzig, den die herbeigeeilte junge Angestellte – sie hat offenbar noch andere Tätigkeitsbereiche hier - allerdings anbrennen lässt. Sie entschuldigt sich sehr, und ich esse was davon genießbar ist.

 

Die Sicherheitskontrolle ist eine Sache von einer Minute. Ein gutes Dutzend Mitreisende wartet am Gate, mehr werden es nicht werden. Um zehn vor zwei geht es zu Fuß zum Olympic-Flieger, der um zehn nach zwei pünktlich startet. 35 Euro hatte der Flug gekostet, alles inkludiert.

 

Ich sitze ganz vorne rechts und habe Blick auf Kap Sideros. Schon nach wenigen Minuten sehe ich rechts Kassos liegen und habe kurz die Befürchtung, das Flugzeug würde vielleicht doch nicht hier landen, als es doch zu einer engen Rechtskurve ansetzt und nach kaum zehn Minuten Flug westwärts auf der Piste nahe Fry aufsetzt. Als der Flieger dann steht, warte ich bis es ans Aussteigen geht. Aber keiner steht auf. Hoppla, offenbar ich die Einzige, die hier raus will. Ich eile nach hinten, klettere die Passagiertreppe hinab. Tatsächlich, da steht der kleine Gepäcktransporter und nur mein Trolley ist drauf. Ich frage den Fahrer, ob ich ihn herabnehmen soll, aber er bedeutet mir, dass er mein Gepäckstück zum Flughafen bringen wird. Ok, die 50 Meter hätte ich schon geschafft, aber ich will ihn ja nicht arbeitslos machen. Am Flughafengebäude stellt er mir den Trolley am Tor vor die Füße.

So eine einsame Ankunft hatte ich auch noch selten, fast habe ich einen Schreck bekommen.

Durch das Flughafengebäude durch zum Parkplatz, wo genau ein Auto steht: meine Vermieterin Evdokia. Bin ich froh, dass sie mich abholt!

 

Für fünf Nächte habe ich mich im „Amfi Sea View“ einquartiert. Das liegt oberhalb des Ortes und hat einen tollen Blick über Fry, die östliche Nordküste von Kassos mit dem Felsenbergen, und nach Karpathos hinüber. Ich liebe so etwas, auch wenn die Wege in den Ort weiter (und höher) sind. Das Quartier hatte ich bei Booking gesehen, aber direkt bei Evdokia gebucht, wobei die Kommunikation erst auf Griechisch richtig funktionierte. 50 Euro die Nacht sind auch ok, 100 Euro hatte ich vorab angezahlt.

Sie setzt mich dort ab, erklärt dann, dass sie jetzt noch in der Taverne „Mylos“ am Hafen wäre (wo sie vormittags kocht) und wo sonst ihr Mann Giorgos anzutreffen ist. Wenn es etwas sei: SMS genüge. Und weg ist sie. Das Apartment mit den Natursteinmauern in dunkler Optik ist gut eingerichtet, mit Küche, Garderobe, Moskitogittern und schöner Terrasse. Es sind insgesamt fünf Apartments, von denen Evdokia zur Schulzeit vier an die hier stationierten Lehrer vermietet, und eines an andere Gäste. Das weiß ich von Conny und Markus, langjährige passionierte Karpathos- und Kassos-Urlauber mit hervorragenden Griechisch-Kenntnissen, die eigentlich jetzt sieben Wochen auf den beiden Inseln verbringen würden, hätte nicht ein größeres gesundheitliches Problem am Gründonnerstag das verhindert – Gesundheit geht vor. Aber Markus hat mich gerne und gut instruiert, und das wird mir so manche Türe öffnen und Kontakte erleichtern, zusammen mit meinem (deutlich schlechteren) Griechisch. Die nächsten Tage werden ein Intensivkurs Griechisch werden. So muss es sein!

 

Kassos, also. So unbekannt, dass trotz überdeutlicher Aussprache mit K vorne viele zuhause antworten „Ah, Thassos. Da war ich auch schon“. Nein, Kassos, und da waren die wenigsten. Kennen es auch nicht, und wissen selten wo es liegt. Ich freue mich auf Urlaub auf einem echten Geheimtipp. Keine Pseudo-Geheimtipps, die schon lange keine mehr sind, ob nun Koufonisi oder Serifos oder Lipsi.

Aber jetzt bin ich erst mal angekommen und freue mich aufs Wandern auf der mir aber nicht unbekannten Insel – vor 18 Jahre war ich schon mal hier. Aber vor einigen Jahren hat man auf Kassos die „Kasos Trails“ markiert – sieben markierte Wanderwege plus Varianten, nach Vorbild von Sifnos, Tinos, Andros und Co.. 

Und die möchte ich nun erwandern. Ich bin sehr gespannt!

PS. Radtouren gibt es inzwischen auch, aber das ist nicht meines.

Der erste Weg führt mich hinab in der Haupt- und Hafenort Fry. Einige Tavernen und Cafés scheinen noch geschlossen, es gibt ein paar kleinere Mini-Märkte, einen Autoverleih und natürlich den malerischen Bouka-Hafen an der Hauptkirche. Die beiden Bäcker und den großen Mini-Markt werde ich erst morgen entdecken. Außerdem hat es einen kleinen Bus, der kostenlos stündlich von Fry ein Runde durch die Dörfer Emporios, Panagia, Poli, Arvanitochori und Agia Marina dreht. Aber nur bis 14 Uhr – es gilt noch (bis Ende Juni!) der Winterfahrplan. Gedruckte Pläne hat schon der Herbstwind verblasen, ich werde auf die Laufschrift verwiesen, die über eine elektronisches Display in Hafennähe zieht. So schnell, dass man sie eigentlich nicht lesen kann .... tolle Technik. Egal, der Bus fährt mehr oder weniger zur vollen Stunde, und nur die Richtung wechselt.

 

Im Café „Free“ - schönes Wortspiel - an der Paralia gönne ich mir ein Stück Orangenkuchen und einen Frappé und bin überrascht über die großen Gruppe eher älterer Schweizer Frauen, die dort sitzt. So eine große Gruppe hier auf Kassos? Wie Wandererinnen sehen sie nicht aus. Die Lösung: sie haben mit den lokale Fähre „Kasos Princess“, einer flotten Motoryacht, einen Tagesausflug von Karpathos aus gemacht und werden um 17 Uhr wieder abreisen. Solche Tagesausflüge sind in der Vorsaison mittwochs möglich, wenn das Boot morgens und spätnachmittags nach Pigadia und zurück fährt. Ab Mitte Mai über den Sommer auch montags und samstags. Die Familie Manousos betreibt das Boot, und vermietet auch Zimmer namens „Blue Sky“. Ich hatte überlegt, dort abzusteigen, aber die Aussicht hatte schließlich zugunsten des „Amfi Sera View“ und gegen die zentralere Lage gesprochen.

 

Ich kaufe noch ein paar Sachen fürs Frühstück ein und steige dann wieder zu meinem Aussichtspunkt hoch. Bewegung tut gut nach dem vielen Sitzen.

Am Abend gehe ich dann natürlich als erstes ins „Mylos“ zum Essen. Ich bin hungrig und bestelle mir eine Tirosalata und dann Pasta mit Sitaka, einer Käsecreme, und geschmelzten Zwiebeln oben darauf. Sozusagen die kassiotische Makarounes-Variante. Beides schmeckt ausgezeichnet. Das dazu gereichte Brot brauche ich nicht und packe es fürs Frühstück ein.

 

Außer mir sind nur eine ältere Frau mit ihrer fast schon erwachsenen Enkeltochter – sie spricht sehr laut, was sie sofort als holländisch outet – als Touristen erkennbar. Ein wohlgenährter älterer Pappás, ein braungebrannter mittelalter Mann, der Gatte meiner Wirtin in der Küche und ein kleiner Mann mit Igelfrisur stellen die Locals. Und natürlich der sehr nette und flinke Kellner Michalis. Als ich die Grüße von Conny und Markus bestelle, muss ich viele Fragen beantworten. Mein Griechisch kommt schnell an seine Grenzen, aber ich will ja dazu lernen.

 

Die Portion Joghurt mit löffelsüßen Trauben, die es auf Haus gibt, würde anderswo schon eine komplette Mahlzeit darstellen. Kalorienmäßig sowieso. Ich bezahle zwanzig Euro und fühle mich angekommen. Mal sehen wie es sich hier wandert – die zugeführten Kalorien müssen ja wieder weg.

 

*

 

Die Frühstücksterrasse ist bestens, und als Bonus kommt nach dem Frühstück noch die Blue-Star-Fähre vorbei. Für mich überraschend ist es die „Blue Star Delos“, eines der Flaggschiffe der Blue-Star-Flotte und sonst auf den Kykladen unterwegs. Na, da können sich die Kassioten mal nicht beschweren, die lange unter den unzuverlässigen Fährverbindungen von Oldtimern wie der „Prevelis“ oder der „Olympus“ gelitten haben. Aber die „Delos“ ist nur ein Interim, die „Diagoras“ wird bald wieder übernehmen.

 

Das Wetter ist perfekt zum Wandern: sonnig, aber etwas Wind und nicht heiß. Für den ersten Tag bietet sich Kasos Trail Nr. 1 an: eine Rundwanderung mit Start und Ziel in Fry, knapp neun Kilometer. Ich habe mir die Landkarte „Karpathos und Kasos“ von Terrain Editions gekauft, in der die Trails eingezeichnet sind, außerdem finden sich die Tracks auch in eine OutdoorActive-App. Und zur Website gibt es auch eine kostenlose gedruckte Landkarte, etwa in der Reiseagentur Kassos Maritime & Tourist Agency in Fry. Beides werde ich unterwegs aber selten brauchen.

 

Um zehn Uhr drücke ich am Bouka-Hafen auf den Start meiner Tracking-App, und wandere auf der Küstenstraße nach Osten, nach Emporios. Weit komme ich nicht, denn das tempelähnliche neoklassizistische Gebäude auf der rechten Seite ist die örtliche Bibliothek, und die Türe steht offen. Da komme ich schon von Berufs wegen an einem Besuch nicht vorbei. Offenbar ist noch nicht lange alles renoviert worden, und eine Frau präsentiert mir stolz den Bücherbestand. Schnell kommen wir ins Gespräch, so von Bibliothekarin zu Bibliothekarin. Seit 1952 gibt es die Bücherei, eine private Spende von Nikolaos Mavris, kassosstämmiger Augenarzt, Historiker und Volkskundler. Über 4.000 Titel gibt es hier heute, viele über Kasos aus dem Sammlung des Stifters - ich bin angemessen beeindruckt bevor ich weiterwandere.

Emborios habe ich gleich erreicht. Der besten und fast einzige Strand in Gehweite von Fry wenn man den nicht so attraktiven Strandabschnitt östlich des Hafen außer Acht lässt – Kassos ist keine Badeinsel. Von Emborios geht der Weg hinauf nach Panagia. Mit den Wegweisern und Markierungen nicht zu verfehlen – passt! Die große Panagia-Kirche in Panagia (daher der Name), und da sind auch schon die Exi Ekklisies – die sechs in einer Reihe aneinandergebaute Kapellen. Vor 18 Jahren waren sie noch ganz in Weiß, was mir besser gefallen hat, aber die bordeauxrote Dächer scheinen mir typischer für die Dodekanes. Einfach sehr hübsch, und wenn ich es mir jetzt beim Schreiben so recht überlegen, dann werden das die einzigen Kapellen auf Kassos sein, die ich verschlossen vorfinde. Aber das weiß ich ja jetzt noch nicht.

Nun wird es steiler bis Póli erreicht ist, früher die Hauptstadt der Insel, heute ein Dorf mit knapp hundert Einwohnern (von 1.220 auf Kassos). Ein Kuppe ragt dahinter hoch, auf ihr hatte sich in der Antike eine Akropolis befunden. Zu sehen ich davon so gut wie nichts, aber natürlich muss ich da hinauf, schon der Aussicht wegen. An einem Gehöft mit Geflügel und bellendem Hund vorbei bin ich schnell oben. Die Turmruine stammt von einer Windmühle und nicht von Antikem, aber die Aussicht ist toll! Hinter mir, im Osten, ein graues Massiv aus Stein, gen Syrafia-Hügel, weiter westlich der 583 Meter hohe Kapsalos. Und vor mir eine noch etwas grüne Ebene, und dahinter Fry und das knallblaue Meer mit langgestreckten kleinen Felseninselchen darin. Ganz links das unbewohnte Armathiá, im Sommer gerne als Badeinsel genutzt. Jetzt komme ich da nicht hin.

 

Und zu meinen Füßen die Kirche Agia Triada, an der vorbei die Straße in den bergigen Inselosten führt, zum Kloster Agios Mamas und weiter zum Prionas-Berg. Natürlich auch ein Wanderziel, aber da brauche ich ein Auto.

Wieder unten in Poli erreiche ich die hübsche Kirche Agia Triada in Weiß-Blau-Rot und mit Kieselsteinmosaikboden. Gefeiert wird hier an Agiou Pnevmatos, 50 Tage nach Ostern (Pfingstmontag). Wäre dann am 1. Juni dieses Jahres. Auf einer schattigen Bank mache ich eine kleine Rast und registriere den Temak-Kiosk vor der Kirche, an dem man gratis oder für Centbeträge gereinigtes Trinkwasser zapfen kann - ein Schritt gegen den Plastikflaschenwahnsinn. Einen zweiten Kiosk werde ich am Nachmittag in Agia Marina sichten (und meine Wasserflasche auffüllen).

Am westlichen Ortsausgang von Poli steht der kleine Lokalbus. Leider hängt auch am Bus nirgends ein Fahrplan.

 

Der Weg führt nun westwärts nach Arvanitochori. Zu finden ist er leicht, denn er verläuft zwischen oder entlang von Feldmauern. Aber er ist oft knietief zugewachsen, mit Dornen und Brennnesseln. Die Konzentration darf ich aber nicht alleine auf den Boden richten, denn über den Weg haben zahlreiche Spinnen auf Kopf- und Brusthöhe ihre robusten Netze gespannt. Das erinnert mich an Tinos letztes Jahr, und dämpft die Wanderfreude doch merklich. Blindes Gefuchtel mit dem Wanderstock hilft nicht wirklich – dann bleiben die klebrig-starken Fäden am Arm oder Stock hängen. Besser, die quergespannten Fäden auf einer Seite nahe der Mauer gezielt abzureißen und das Ende an den Boden zu „kleben“. Was das Wandertempo deutlich verringert, und die Schweißbildung erhöht. Für die Spinnen kann die Gemeinde nichts, aber die Wege dürfte sie schon mal mit der Motorsense freihalten. Oder wann werden die Wanderer auf den Kassos-Trails erwartet? Doch wohl kaum im Sommer….

 

Bienenstöcke erinnern mich daran, dass Kassos (natürlich!) den besten Honig hat. Es summt und krabbelt überall, und gelegentlich sind auch mal Bienenfresser in der Luft zu hören und sehen.

Und natürlich hat es immer wieder Kapellen mit dunkelroten Dächern, in Einzel- und Doppelausführung.

Um halb zwei erreiche ich Arvanitochori. Von der zentralen Platia Maroukla mit dem gleichnamigen Kafenio gibt es viele Wanderwege, und ich erwische achtlos wohl den falschen, statt Nummer 1 die 1A. Eigentlich wollte ich nach Agia Marina weitergehen, merke meinen Irrtum aber erst als ich südlich von Fry auf die zweibahnige Hauptstraße treffe. Nein, das geht nicht – ich will nach Agia Marina. Kein Problem, denn hier geht auch einer Straße nach Agia Marina. Sie wird sehr steil und führt am Friedhof und einem kleinen Freilufttheater vorbei. Agia Marina, mit 550 Einwohnern der bevölkerungsreichste Ort der Insel, ist ein zergliedertes Dorf, das sich weitläufig über mehrere Hügel verteilt. Schnell habe ich die Orientierung verloren, gehe auf einer breiteren Straße gen Zentrum. Die Taverne „To Steki“ ist zu und auch die Psistaria von Michalis ist leider geschlossen – erst am Abend sei geöffnet. Wenigstens kann ich in dem kleinen Minimarkt eine Dose Limo gegen den größten Durst kaufen, und am Temak-Brunnen meine Wasserflasche auffüllen. Und wie komme ich jetzt nach Fry zurück? Einfach auf der Straße nach Norden, die praktischerweise noch beim „Fournos tou Lio“ vorbeikommt, wo ich für wenig Geld ein großes Stück Pizza mitnehme.

 

Die Straße mündet westlich meines Quartiere in die zum Flughafen und entlang der Westküste, und so erreiche ich mein Quartier von Westen her über die Hügel ohne Fry nochmal zu streifen. Elf Kilometer bin ich heute gewandert, mit 330 Höhenmetern. Fünf Stunden insgesamt, die reine Gehzeit dürfte bei dreieinhalb liegen. Die Pizza auf meiner Terrasse schmeckt super, und ein kleiner Mittagsschlaf tut auch gut.

 

Später leihe ich mir im Ort bei „Oasis Rent a Car“ einen weißen Hyundai i10 für zwei Tage und 50 Euro. Die 76.000 Kilometer merkt man den gepflegten Wägelchen nicht an, und nett ist die Verleiherin auch. Wie überhaupt alle Leute auf Kassos.

Motorisiert bin ich dann schnell in Emporios am Strand für ein erfrischendes Bad. Das Meer hat in der flachen sandigen Bucht 20 Grad, und fast bedauere ich, mich nicht hier in unmittelbarer Badenähe einquartiert zu haben.

Nach wunderbaren Inselglühen klingt im „Mylos“ der Abend mit der Stammbelegschaft aus: die Holländerin mit Enkelin, der Pappás, Giorgos, Michalis und noch ein kleinerer, gesprächiger Mann mit Igelfrisur, der auch kein Zuhause zu haben scheint. Der polnische Archäologe ist auch da, mit dickem Rucksackgepäck: Die „Blue Star Delos“ wird ihn später nach Kreta mitnehmen. Da habe ich mir schon eine Riesenportion köstlichster Dolmadakia und ein Viertel Wein einverleibt, und den obligatorischen Joghurt. Heute zahle ich nur 15 Euro.

 

Von meiner Terrasse aus beobachte ich später die Fähre, die um halb elf kommt. Das war ein langer Tag, und müde schlafe ich wie ein Stein.

Morgen will ich mit dem Auto meine Kreise etwas weiter ziehen.