Der italienische Weg

In Myrties wollen wir nicht auf den Bus warten, sondern ein Taxi nach Pothia nehmen. Eines steht auch bereit und würde uns mitnehmen, allerdings müssten wir uns dann zu dem unfreundlichen Paar samt umfangreichem Gepäck quetschen, das mit uns übergesetzt hat. Laut Taxifahrer natürlich kein Problem (er könnte ja auch doppelt kassieren), aber wir wollen das nicht.

 

Und oben an der Ecke steht ein weiteres Taxi, das uns für 15 Euro vor das Hotel "Archontiko" in Pothia bringt. Der Taxifahrer fragt, wie uns Telendos gefallen hat. Ruhe ist aber für ihn - er ist schließlich Grieche - keine Argument für Urlaubsqualität, denn stolz führt er an, dass es in Pothia "poli kosmo" habe, also richtig was los sei.

Ja, das befürchten wir auch.

 

Unseren ersten Rückschlag erhalten wir, als Henrik vom "Archontiko" uns eröffnet, dass er leider kein freies Doppelzimmer mehr bis Montag hat. Bis morgen ja, aber gerade vor einer halben Stunde hat er das letzte Zimmer für die Nacht von Sonntag auf Montag vermietet. So ein Mist, hätten wir doch nur angerufen!

Einen morgigen Quartierwechsel wollen wir auch nicht, also ziehe ich hinüber zum Hotel "Olympic", wo wir zum Preis von 45 Euro pro Nacht ein Doppelzimmer bekommen. Nein, die "Villa Melina" ist uns zu weit weg vom Hafen. Vielleicht eine Fehleinschätzung.

 

Unser Zimmer liegt im zweiten Stock (mit Aufzug), hat Wlan und Balkon mit tollem Blick zum Anleger der Ausflugsboote, und direkt zur "Maniai", der Pserimos-Fähre. Auch den Beginn des italienischen Weges kann man hervorragend sehen, aber das war es dann auch schon an Pluspunkten. Natürlich ist die Uferstraße extrem laut (gerade heute, am Samstagabend), und das Zimmer ist vernachlässigt: die Matratzen durchgelegen, der Kühlschrank sifft, gerade mal eine Steckdose gibt es, die Hälfte der Lampen funktioniert nicht, und das lieblos hingekritzelte Wlan-Passwort bedarf der großzügigen Interpretation und mehrere Versuche bis es sich damit einloggen lässt. Der Rezeptionist überschlägt sich auch nicht gerade vor Freundlichkeit.

 

Wir weinen dem "Archontiko" und Henrik hinterher bevor ich im benachbarten Kafenio zwei Frappé-to-go hole (im Hotel gibt es kein Früstück o.ä.), die wir auf dem Balkon genießen. Ok, als die Aussicht hier ist schon echt super. Aber der Balkon geht nach Norden und liegt somit ganztägig im Schatten, was die Mutter morgen noch frierend erleiden wird.

So richtig hungrig sind wir ab Abend nicht - der kalmniotische Salat vom Mittag sättigt uns noch. Nach einer Runde entlang der Paralia kehren wir dann aber doch in einem Lokal in der Ecke bei der Mitropolis-Kirche und dem Rathaus ein. Wir bestellen gebratene Leber und frittierte Zucchinischeiben, eine ziemlich fettige Ladung, die meine Verdauung mehr auf Vordermann bringen wird als mir lieb ist.

 

Gerade als wir überlegen, ob wir den dringend zur Verdauung nötigen Tsipurro hier oder woanders einnehmen sollen, spricht mich eine Frau mit Namen an. Sie stellt sich als Steffi und Leserin meiner Website vor. :-) Mit ihrem Mann Bernd ist sie gerade auf Kalymnos, sie wohnen in der Villa Melina, und haben am Nachbartisch gegessen. Allerdings reisen sie morgen schon wieder ab. Es entspinnt sich ein sehr nettes und auch aufschlussreiches Gespräch, in dessen Verlauf ich praktische Tipps für die morgige Wanderung bekomme (im Tal von Vathy ist der direkte Weg mit einem Zaun versperrt), von Antonis' und Brigittes (Villa Melina) Engagement für Flüchtlinge erfahre (sie dürfen dort übernachten, auch wenn das Hotel mal ausgebucht ist), und Einblicke in das Reisen per Fahrrad (u.a. auf Kreta und der Peloponnes - Respekt!).

 

Von der Taverne bekommen wir noch einen großen Teller Weintrauben hingestellt, mein Magen hat sich auch ohne Schnaps wieder beruhigt, und wir sitzen noch lange und schwätzen. Sehr nett.

 

Die Nacht im Hotel ist dann, wie befürchtet, sehr laut, und lässt sich nur bei geschlossener Balkontüre schlafend bewältigen. Denn natürlich drehen die Motorradfahrer ihre Maschinen direkt vor unserem Hotel mit Lust auf, und die Musik aus einem Lokal der Nachbarschaft wummert auch.

 

Hätten wir doch die Villa Melina wählen sollen? Für den Einstieg auf den italienischen Weg wäre es auf alle Fälle näher.

 

*

 

Wir sind schon früh auf den Beinen am Sonntag, und frühstücken in einem der wenigen schon geöffneten Cafés an der Platia direkt bei uns. Ein kontinentales und ein englisches Frühstück, zusammen für neun Euro, und der Wirt meint es gut mit uns und bringt noch Wurst extra. Können wir gar nicht alles essen, und die Überdosis Fett von gestern liegt mir noch im flauen Magen.

 

Eigentlich fühle ich mich nicht sehr fit heute, aber morgen reisen wir ab, und somit ist heute die letzten Gelegenheit, die lange geplante Wanderung nach Vathy anzutreten - nur deswegen sind wir ja jetzt in Pothia.

 

Es ist halb zehn, als ich losmarschiere. Die Mutter bezieht Position auf dem Balkon, das Fernglas parat. Ich suche mich durch die Gassen der Stadt, folge der Beschilderung zum archäologischen Museum. Unterwegs kaufe ich noch etwas Wegzehrung und Getränke, zum Glück gibt es einen kleinen Laden, der auch am Sonntagsvormittag geöffnet ist. Sonst ist die Stadt noch sehr ruhig und wirkt verlassen.

Das archäologische Museum wäre sicher einen Besuch wert, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit. Ich komme von dort etwas zu weit westlich ab, und finde den Einstieg nicht gleich, obwohl doch ein Schild weiter unten darauf hingewiesen hat. Zwei Frauen, die ich frage, weisen mir schließlich den richtigen Weg, offenbar sind sie Wanderer gewohnt.

Puh, ich bin jetzt schon geschafft und verschwitzt, dabei ist es noch morgendlich kühl. Aber es gibt jetzt kein Zurück mehr.

 

Der italienische Weg heißt so, weil ihn die Italiener angelegt haben als Kalymnos und die Dodekanes noch italienisch waren (1912 - 1943. Danach unter deutscher Besatzung. Die Dodekanes gehören erst seit 1947 zu Griechenland).

 

Die Länge der Wanderung wird ziemlich unterschiedlich lange angegeben. Die im MM-Reiseführer "Kos" angegebene "gute 1 Stunde" verweise ich gleich ins Reich des Reiseführerlateins - der Autor ist hier offensichtlich nie gewandert. Auch die angegebenen vier Kilometer Weglänge beziehen sich alleine auf den italienischen Weg - die zwei bis drei Kilometer vom Wegende nach Rina/Vathy muss man aber zusätzlich noch gehen, ebenso wie den Weg zu Einstieg, der auch schon einen Kilometer lang ist.

 

Die Terrain-Karte gibt die Länge des reinen Monopatis mit 3,9 Kilometern und einer Stunde zwanzig Minute an. Dieter Graf bezeichnet in seinem Reiseführer die Wanderung als mittelschwer und verzeichnet für den ganzen Weg vom Hafen in Pothia bis zur Bucht von Rina acht Kilometer, 370 Meter Höhenunterschied und eine reine Gehzeit von zwei Stunden fünf Minuten.

Ok, so schnell werde ich es nicht schaffen. Muss ich auch nicht. Eventuell gibt es einen Bus, der um 13 Uhr von Pothia nach Vathy und zurück fährt. Ob er das auch heute, am Sonntag, den 4. Oktober tut, konnte mir niemand bestätigen. Und hetzen möchte ich mich deshalb nicht - es gibt ja auch Taxis oder Auto-Stopp.

Wenn man den Einstieg in den Weg mal hat, kann man sich nicht mehr verlaufen, denn der ganze Weg bis zum Ausstieg in Vathy ist mit groben Natursteinen gepflastert. Er windet sich in Serpentinen aufwärts durch das felsige, baum- und schattenlose Gelände. An manchen Stellen, vor allem weiter oben, ist der Weg abgerutscht und in Auflösung begriffen, und wer denkt, auf einem "gepflasterten Weg" zu gehen, wäre bequem, der irrt: die Pflasterung ist reichlich uneben und weist große Löcher auf, in denen mein Wanderstock sich immer wieder verhakt.

 

Aber schon nach zwei Serpentinen ist der Blick auf das Tal von Pothia einfach atemberaubend! Auf dem gegenüberliegenden Felsen liegt das Kloster Agios Savvas, darunter das Häusermeer der Stadt, die die Talsohle bis ans Ende bei Chora ausfüllt. Das Kastro Chrissocherias ist gut auszumachen, und weiter oben sehen ich den Flughafen auf der Argos-Hochebene liegen. Das Fernglas habe ich der Mutter überlassen, aber ich kann sie mit bloßem Auge auf dem Balkon sehen und winke.

Man gewinnt schnell Höhe, und mein flauer Magen hat sich inzwischen auch etwas beruhigt. Nach neun längeren und einigen kürzeren Serpentinen biegt der Weg hinter einem Felsen auf eine Ebene ab, und man verliert den Blick auf Pothia (bekommt ihn aber später wieder). Das Felsenband des Weges durchschneidet die steinmeererne Hochebene jetzt relativ flach und gerade. Selbst für hartgesottene Felsenliebhaber wie mich etwas to much. Obwohl es etwas Phrygana hat, sehen ich keine Ziegen, es ist einsam hier oben. Aber gelegentlich höre ich Schüsse, es muss also ein Jäger irgendwo unterwegs sein. Hoffentlich kann er mich von jagbarem Wild unterscheiden.

 

Gegen elf Uhr bin ich dann auf der Passhöhe. Kurz davor befindet sich ein eingezäunten Grundstück mit einem Schild "Please water the trees". Ähm, welche Bäume? Ich sehe keinen. Die haben wohl schon aufgegeben. Und mit welchem Wasser? Meine Trinkwasser brauche ich selbst.

Über den Sattel läuft eine Stromleitung, man hat gerade neue Masten gesetzt. Auf einen der herumliegenden alten Masten setze ich mich für eine Rast. Hinter mir kann ich die letzten Blicke auf die Südseite und die Bucht von Pothia werfen, vor mir sehe ich den grünen Talboden von Vathy, dahinter der Gipfel des Koukoula. Der weitere Weg zieht sich nun abwärts entlang eines Berghanges oberhalb eines Taleinschnittes, deutlich weniger steil.

Ich trinke meine mitgebrachte Dose Cola, esse etwas, und fühle mich nun wieder ganz fit. Weiter geht's!

 

Der gepflasterte Weg ist hier in einen Schotterweg übergegangen. Das ist nicht wirklich bequem, aber es geht ja jetzt sanft bergab, und die Löcher zwischen den Steinen sind auch nicht mehr so groß.

Oberhalb erblicke ich nun den Jäger mit seinem Hund, er scheint alleine unterwegs zu sein, womöglich habe ich sein Wild verjagt.

 

Dann zickzackt der Weg wieder, es geht bergab. Das breite Tal liegt unter mir, eingerahmt von den grauen Felsenketten der kalymniotischen Berge. Links der Profitis Ilias mit der Kapelle darauf - wäre das mal ein Ziel? Nö, nicht so schnell. Es gibt schönere Inseln zum Wandern als Kalymnos.

 

Auf dem Dach einer Wasserstation kurz vor Ende des Monopati lege ich erneut eine Rast ein und sehe mir den weiteren möglichen Verlauf des Weges durch das breite Tal an: Wenn ich unten an der Einmündung des Weges die Piste nach rechts nehme, kann ich fast direkt Richtung Rina wandern. Sonst muss ich ein großes Grundstück in einer großen Schleife linksherum umwandern, ein ziemlicher Umweg. Das Wasser der Bucht ist von hier aus nicht zu sehen - ist schon noch ein Stück. Eher drei als zwei Kilometer.

Das letzte Stück Fußweg bis zur Asphaltstraße ist dann sehr steil und lose, keine Pflasterung mehr. In der Gegenrichtung wandernd muss man diesen Einstieg auch erst mal finden.

 

Ich nehme dann gleich die Piste, die nach rechts führt, durch ein leicht vermülltes Tälchen. Und stehe nach zweihundert Metern vor einem Zaun. Dahinter ist die Piste zugewachsen. Das muss der Knackpunkt sein, von dem Steffi erzählt hat. Mir winkt allerdings kein freundlicher Nachbar, der mich über sein Grundstück lässt. Also zurück, und die Umwegschleife nehmen. Das macht mir nicht mal etwas aus, denn ich bin die unebenen Wege leid, und freue mich über die Asphaltstraße, auf der man bequem gehen kann ohne jeden Schritt bewusst zu setzen.

Aber der Weg mäandert schon ganz schön, vorbei an Kapellen, und Hinweisschildern zu weiteren Kapellen. Die Schleifen muss man gnadenlos auslaufen, hohe Mauern und Zäune verwehren Abkürzungen. Endlich dann nur noch geradeaus auf der Hauptstraße. Hinter den Absperrungen die Mandarinenplantagen, die Bäume hängen voller grüner Früchte. Schade, dass überall Müll herumliegt.

 

Um zehn Minuten vor ein Uhr stehe ich dann am Ufer in Rina. Gut dreieinviertel Stunden habe ich gebraucht, zwei Pausen inklusive. War nicht so lange und anstrengend wie befürchtet.

Und nun? Baden, oder auf den Bus warten, und gleich zurück wenn er kommt?

Ich kehre zunächst auf einen Frappé an der Uferplatia ein, und frage die Bedienung, ob der Bus heute fahren würde. Sie weiß es nicht.

Gut, ich behalte die Bushaltestelle einfach im Blick während ich meinen Frappé schlürfe, den ich sicherheitshalber gleich bezahle.

 

Heute ist in Rina deutlich weniger los als vor drei Tagen. Ein Ausflugsschiff ist zwar da, aber kaum Segler.

 

Dann sehe ich den Bus kommen. Und wieder wegfahren, bevor ich auch nur auf halbem Weg zur Haltestelle bin. Upps, das ging jetzt schnell. Zu schnell für mich. Ist da überhaupt jemand aus- oder eingestiegen? Schöner Mist.

 

Vielleicht kommt er zurück? Ich frage in benachbarten Laden. Nein, wenn dann erst am Abend. Gut, dann werde ich ein Taxi brauchen. In Vathy gibt es kein Taxi, sagt mir die Ladenbesitzerin, das muss man aus Pothia bestellen. Ob ich einen Nummer brauche? Nein, ich habe die von John, der uns vor ein paar Tagen nach Myrties gefahren hat. Natürlich könnte man es auch per Anhalter probieren, allerdings macht die Einbahnstraßenregelung des Tales von Vathy das etwas schwieriger, man muss da erst zur Straße hinauf. Und viel Verkehr ist auch nicht.

 

Ich nehme jetzt erst mal ein Bad vorne am Anleger, wo einige der Gäste des Ausflugsschiffes "Christina" und eines türkischen Zweimasters im grünen Meer schwimmen. Es hat da keinen Strand, aber Stufen im Schatten zum Sitzen, und eine Leiter ins Wasser. Und zwei Umkleidekabinen, die dem Geruch nach zu schließen gelegentlich als Toiletten missbraucht werden. Igitt.

Es ist ein Akt, diskret aus den verschwitzen Klamotten und den Wanderstiefeln in den Badeanzug zu kommen, ich muss doch die versiffte Kabine nutzen, mit dem Versuch, dort nichts zu berühren.

 

Aber das Bad im herrlichen Wasser entschädigt dafür, und ich bin dem Bus auch gar nicht böse, dass er ohne mich gefahren ist.

Ein paar junge Leute klettern am Felsen entlang der Bucht, da soll es eine Höhle mit prähistorischen Funden namens "Daskalio" geben, die man sonst nur per Boot erreichen kann. Sie verschwinden hinter dem Felsen.

So, und nun brauche ich das Taxi. Keine Ahnung was da nun kosten wird. Ich rufe John an, er wird kommen, aber es kann etwas dauern. Ich warte an der Uferpromenade. Mit weniger Seglern und Ausflüglern ist es netter hier.

 

Nach einer halben Stunde kommt John mit dem Taxi, und es geht zurück nach Pothia. Oberhalb von Vathy weist er mich auf eine schöne Fotostelle hin, von der aus man auf die schlauchförmige Bucht hinabblicken kann - wie lange sie wirklich ist, sieht man erst von hier aus.

Eine schöne Fahrt mit dem rücksichtsvoll fahrenden John, der mich dann zunächst in der "Villa Melina" absetzen möchte - deutsche Wanderer wohnen wohl üblicherweise dort. Nein, leider im "Olympic". Zwanzig Euro bezahle ich für die Fahrt, das ist in Ordnung. Um 15 Uhr bin ich dann wieder im Quartier, wo die Mutter fröstelnd auf dem schattigen Balkon sitzt. Sie wusste nicht, wann ich kommen, und hat sich deshalb nicht auf die sonnige Seite Vathys getraut. Ich hätte sie doch anrufen sollen, dass ich den Bus verpasst habe.

Später bummeln wir dann noch entlang der Paralia bis zum Ortsstrand südlich des Hafenmauer. Auf einem Kaiki wird ein Schwammtaucher gerade in eine historische Ausrüstung verpackt und dabei gefilmt. Er sieht nicht sehr glücklich aus.

 

Der Strand ist gar nicht mal soo schlecht. Aber in der Saison sicher ganz schön voll.

Das ist inzwischen auch die Platia mit ihren Bars und Cafés, wo ein Fußballspiel über die großen Flachbildschirme flimmert und sich die Einheimischen ein Stelldichein geben.

Nach einem Ouzo mit Mezedes in einer Ouzeri frieren wir noch etwas auf unserem Balkon, denn vor uns ist gerade ein pompöser Zweimaster namens "Mare Nostrum" eingelaufen, und das müssen wir uns natürlich angucken. Die vorhin noch edlen Motoryachten in der ersten Reihe sehen plötzlich klein aus. Die "Mare Nostrum" segelt unter türkischer Flagge, ist 43 Meter lang und für 50.000 Euro die Woche kann man sie chartern und mit maximal zwölf Gästen herumschippern. Liegegebühren, Essen und Getränke kosten natürlich extra (in der Preisklasse ist man bei den Getränken schon zu teurerem verpflichtet), und ob das Teil in die Bucht von Vathy passt? Aber dafür zahlte man das Geld ja nicht, sondern um in einem gut frequentierten Ort gesehen zu werden. So wie es aussieht hat ein älterer blonder Deutscher sie gerade gechartert, mit reichlich weibliche Begleitung diniert man auf dem Deck. Heh, ist doch noch gar nicht Abendessenszeit!

Bevor wir dann - deutlich später - Essen gehen, bezahle ich an der Rezeption unsere Rechnung. Jetzt ist wieder der ältere Herr dort, und als ich seine Frage ob wir einen Beleg wollen, bejahe, wird er vollends ganz unfreundlich und redet nur noch in schnellem und unverständlichem Griechisch. Mala...!

 

Zum Reiseabschluss kehren wir nochmal bei "Pantelis" ein, direkt hinter dem Hotel. Nach ölhaltigem Essen steht unser Sinn heute nicht - zwei Wochen Griechenland fordern die ersten Opfer - aber das Tagesessen ist Fischsuppe (den Fisch nicht extra, aber dafür ein großer Teller dicke Suppe), und die Mutter is(s)t mit Spaghetti Carbonara glücklich.

 

*

 

Noch eine weitere laute Nacht, und in der Frühe um sechs klingelt der Wecker.

Schon um sieben Uhr fährt unsere Fähre, die "Olympios Zeus", hinüber nach Mastichari. Die Hafen ist ja nahe, und so sparen wir ein Taxi oder den langen Fußweg mit Gepäck durch die Stadt. Beim Bäcker versorgen wir uns noch mit Reiseproviant.

Tickets gibt es am Büdchen am Anleger, und es wollen ganz schön viele Menschen so früh nach Kos - Pendler und Touristen. Neben uns legt die "Nisos Kalymnos" ab. Montags nach Samos via nördlichen Dodekanes.

 

Eine ruhige Überfahrt im Morgenrot - der graue Felsenklotz von Kalymnos bleibt leicht rosa schimmernd hinter uns zurück. Frühstück in Saloni mit einem letzten Nes.

Um acht Uhr erreichen wir Mastichari, wo wir uns gleich ein Taxi zu Flughafen nehmen (es stehen viele bereit, direkt am Anleger, 15 Euro kostet die Fahrt). Da ist heute am Montag viel weniger los als bei unserer Ankunft samstags, und wir können gemütlich einchecken und die Zeit bis zum Abflug verwarten.

 

Letzte Blicke aus dem Flieger auf Kalymnos, Telendos, Lipsi, Fourni und Ikaria, dann entschwindet die Ägäis unter den Dunstwolken und unser Urlaub mit ihr.

 

Schön war's. Es geht doch nichts über die Ägäis.

 

Bald komme ich wieder.