Badezimmer in griechischen Pensionen - oder: panta rhei

 

Als Inselspringerin, die schon einigermaßen herumgekommen ist und normalerweise vor Ort erst nach einem Übernachtungsquartier sucht, finde ich es immer wieder spannend, in einer neuen Lokation das Bad zu begutachten und auszuprobieren. Nicht, weil ich das auf Berufsgründen (ich arbeite nicht im Sanitärbereich) oder zu Lehrzwecken benötigen würde, sondern vor allem, weil mich auch jetzt die Bäder immer noch überraschen können. Ich denke oft, ein halbwegs fähiger Installateur muss sich dort totverdienen können, aber dem ist wohl nicht so, weil die Griechen es a.) lieber selbst und billiger machen und b.) ungern fachliche Hilfe von anderen annehmen.
Wenn jetzt jemand verständnislos den Kopf schüttelt und sagt: das ist mir noch nie passiert, dann liegt das vermutlich daran, dass er/sie immer in hochklassigen, bereits pauschal in Deutschland gebuchten Hotels und Appartements übernachtet. Hier wäre vielleicht in Zukunft etwa mehr Pioniergeist angesagt!

Zunächst unterscheidet man 2 Typen von Bädern: die mit und die ohne Duschvorhang. Keineswegs ist automatisch ersterem der Vorzug zu geben. Denn auch mit Duschvorhang sind die Möglichkeiten, ein Bad zu überschwemmen, aus bautechnischen Gründen oft grenzenlos.

Die erste Variante: der Duschvorhang ist deutlich zu kurz (zu lange hatte ich eigentlich nie, kann ja noch kommen). Dies geht meist damit einher, dass die Dusche nicht durch ein Mäuerchen oder ähnliches vom restlichen Bad abgeteilt ist. Ergebnis: Land unter nach dem Duschen, aber wenigstens die Wände des Bades bleiben trocken. Und wenn man Glück hat, hat man vielleicht sogar eines der ungewöhnlich seltenen Bäder, die mit einer ausreichenden Zahl von Haken oder Handtuchhaltern ausgestattet sind. Dann angelt man sich sein Handtuch (gerne isabellfarben, durchgewetzt oder mit Schmirgelwirkung), trocknet sich ab und hofft, dass das stehende Gewässer auf dem Boden möglichst schnell trocknen möge. Badeschuhe nicht vergessen! Und nicht an die Pilzkulturen denken, die feuchtwarmes Klima lieben.

Hat man keinen Haken liegt das Handtuch, das man auf der Kante des Waschbeckens balanciert hat, bestimmt schon klatschnass auf dem Boden (Murphys Gesetz: was schief gehen kann, geht auch schief).


Die zweite Variante: der Duschvorhang steht locker 20 cm über den Duschenrand über. Ergebnis: wie bei erstens.


Die dritte Variante: der Duschvorhang ist so eng, dass man ihn beim Duschen einfach nach aussen über den Duschenrand (der in diesen Fällen immer vorhanden ist) drücken muss. Das Ergebnis ist dann wie in der vorherigen Fällen, nur kommt nach dazu, dass der feuchte Duschvorhang sich gerne um den nassen Körper legt. Nein, man sieht sich jetzt den Duschvorhang lieber nicht so genau an, ist sowieso alles angelaufen vom Dampf. Alternativ kann man sich ja auch am Waschbecken waschen. Falls dort heisses Wasser kommt, womit wir beim nächsten Problem wären, aber dazu später.

Oder man hat nun ein Bad ohne Duschvorhang. Da gibt es selbstverständlich auch eine Vielzahl von Varianten:
Zum Beispiel, dass die Brause direkt fest an der Wand befestigt ist. Und zwar über der WC-Schüssel. Das hat a.) den Vorteil, dass man Wasser spart (spült quasi beim Duschen) und b.) zwei Dinge auf einmal erledigen kann.

Die Nachteile liegen auf der Hand.

Sollte man dann noch das Pech mit dem kalten Wasser haben (siehe später), sollte man dringend das Quartier wechseln.


Ein Glücksfall ist es auch, wenn man zwar keinen Duschvorhang, aber immerhin eine Abteilung der Dusche am Boden vorfindet. Dadurch kann vermieden werden, dass das Duschwasser das ganze Bad überschwemmt. Etwas Konzentration beim Duschen schadet nie (auch wegen der häufigen Rutschgefahr, selten vorhandenen Duscheinlagen verwende ich auf Ekelgründen meistens nicht), und auf den wasserarmen Inseln sollte man sowieso sparsam mit dem kostbaren Nass sein, also nicht volles Rohr alles nassspritzen.
Trennt kein Absatz oder Mäuerchen die Dusche vom Rest des Bades, so kann man sicher sein, dass der Abfluss sich entweder a.) am anderen Ende des Bades befindet, oder b.) an der höchsten Stelle des Bades in der Dusche, wo das Wasser aber nur bei höherem Pegelstand hinkommt. Oder c.)  beides! 

Meist läuft es dann vorher schon in den Schlafraum (wo dann ein Schuhabstreifer oder ähnliches das Schlimmste verhindern soll, na ja). Dann versteht man auch Sinn und Zweck bereitstehender Plastikschaufeln: damit soll das Wasser (das wahlweise auch einmal aus dem rinnenden Toilettenkasten kommen kann) in den Abfluss befördert werden.

Bessere Quartiere stellen Eimer und Wischmopp parat.

Nun zu dem Problem mit der Wassertemperatur: kommt man irgendwo am Hafen an, so werben Zimmervermieter (die oft mehr versprechen als sie halten) häufig damit, dass sie "hot water" hätten . Das ist keine Selbstverständlichkeit. Sehr oft wird das Wasser per Sonnenenergie erhitzt. Scheint dann die Sonne nicht wird es allenfalls lauwarm. Oder wenn man abends erst spät duscht und alle anderen Gäste vor einem dran waren (passierte mir mal auf Tinos so, wo mein Zimmervermieter auch Duschen für Segelcrews zur Verfügung stellte. Nach 1,5 reinigungsbedürftigen Crews war das Wasser dann kalt – Pech für mich. Immerhin kam noch Wasser, totale Trockenheit hab ich zum Glück noch nicht erlebt). Und wer morgens warmes Wasser braucht hat folglich auch schlechte Karten. Deshalb: Duschen immer abends!!


Scheint die Sonne tagsüber so richtig stark muss man abends aufpassen, dass man sich nicht verbrüht.

Dem Hahn am Waschbecken ist übrigens häufig kein heißes oder warmes Wasser zu entlocken. Und manchmal sind die Anschlüsse (auch an der Dusche) vertauscht installiert (und nicht bezeichnet), wirklich blöd, weil man unnötigerweise kalt statt warm geduscht hat (soll ja gesund sein, und kühlt auch viel mehr ab in einem heißen Sommer, und man braucht weniger Wasser).
Mehrere Hektoliter Wasser werden oft verschwendet, bevor endlich Warmwasser kommt. Von so segensreichen wassersparenden Erfindungen wie Dusch- oder WC-Stopp hat man in GR nur ganz selten gehört (wenn es Duschstopps gibt, so spritzt es bei Betätigung gerne sonst überall aus den Armaturen). Und dabei versuche ich nur, auch in GR umweltbewusst zu sein (während mein Zimmervermieter auf Patmos jeden zweiten Tag sein Auto wusch).
Die Probleme zu beschreiben, die man mit den Toiletten und dem gebrauchten Toilettenpapier haben kann, würde den Rahmen hier sprengen. Vielleicht schreibe ich mal eine Extrakapitel dazu.

Noch ein wenig zur Badzimmereinrichtung: besonders beliebt sind Schränkchen aus Plastik mit integriertem Spiegel über dem Waschbecken. Diese sind häufig älteren Datums, so dass der Spiegel schon etwas blind ist. Das macht nichts, denn oft befinde sie sich so hoch über dem Waschbecken angebracht, dass nur Leute mit einer Körpergröße über 1,80 Meter dort einen Blick auf sich erhaschen könnten.

Die darin integrierte landestypische Beleuchtung (=Glühbirne) hat schon längst das Plastik durchgeschmort, und wurde daraufhin zweckmäßig mit Isolierband befestigt (bei fast allen elektrischen Installationen in GR kann man sich eigentlich nur wundern, dass nicht mehr passiert).

Wer das jetzt alles übertrieben findet, hat natürlich vollkommen recht.

Soo schlimm ist es selten. Aber es kommt vor. Alle geschilderten Fälle sind mir persönlich untergekommen. Zum Trost: in den letzten Jahren hat sich der Standard der Zimmer und Bäder (und der Preis) deutlich erhöht. Wir hatten geräumige, zweckmäßige, durchdachte, sogar schöne Bäder, die wohl jedem Anspruch genügt hätten. Vielleicht stirbt der Typ "Grotte" aus – und damit ein Stück Original-Griechenland.

 

Mai 2004

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Griechischer Standard? - Text von Klaus Bötig
Zur Ergänzung des obigen Textes: Ein Artikel aus der Griechenland Zeitung http://www.griechenland.net/ vom 9. Dezember 2009.
Herzlichen Dank für die Genehmigung, den Artikel hier hereinzustellen!
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