Panoramaweg nach Süden

 

Mittwoch, unser letzter Tag auf Meganisi.

Schönstes Wanderwetter. Heute möchte ich in den Süden. Am liebsten bis an die Südspitze, aber das wären zehn Kilometer in einer Richtung, und das ist ein bißchen weit. Außerdem weiß ich gar nicht, ob das landschaftlich so spannend ist. Aber bis zum Ansatz der Landzunge möchte ich gehen, und nachdem ich die westliche Straße gestern nicht so toll fand, verlasse ich mich einfach darauf, dass man auch auf dem Weg östlich des Megas Virnos, des höchsten Inselberges, nicht in eine Sackgasse läuft. Und wenn doch: es geht eh den gleichen Weg zurück. Große Höhenunterschiede sind nicht zu erwarten, und so kommt die Mutter mit. Sie kann ja irgendwo bleiben falls mich doch noch der Ehrgeiz packt.

So geht es südlich aus Spartochori hinaus, auf einer Betonpiste, die später in zwei Fahrspuren übergeht. Der Himmel ist wolkenlos, ein leichtes Lüftchen sorgt für Abkühlung.

Vorbei an einem Hof mit Schafen, Ziegen und einem pflichtbewusst bellenden Hund, dann zahlreichen Olivenbäume sowie sich emporreckenden Königskerzen. Das ist wirklich eine hübsche Gegend hier. Erst recht, als der Hang steiler, die Bäume lichter, die Sicht unverstellter wird: nun können wir hinüber zur schmalen Landzunge blicken. Auf der Terrain-Karte ist ein Monopati darauf eingezeichnet, es ist inzwischen einer Piste gewichen, die sich hässlich in den Rücken des wie ein Krokodil daliegenden waldigen Landriegels gefräst hat. Zum Wandern ist das nicht so schön.

Nach Norden sehen wir Meganisi, völlig bewaldet und unbewohnt in diesem Inselteil, und dahinter die blauen Berge von Kalamos.

 

Die Stelle, auf der auf der Karte der Weg endet, ist erreicht, aber in einem Waldstück geht es steil und geröllig einen Hohlweg hinauf. Das heißt, der Weg geht weiter, das freut mich, auch wenn die Steilheit des Weges die Mutter ins Schwitzen bringt. Oben dann eine Spitzkehre nach links, und nun haben wir einen wundervollen Panoramaweg vor uns.

Das wie ein Binnenmeer wirkende Ionische Meer, die weißen Segelboote darauf, die sich dazwischenschiebenden Inselrücken, die überraschende hohen Berge des Festlandes, die Stille, die nur einmal von zwei pirouettendrehenden Schnellbooten durchbrochen wird, die grünen Inselhänge - es ist schon sehr anders als an der Ägäis, aber hier ist es wunderschön!

Wir wandern bis dorthin, wo unsere Weg auf die Piste trifft, die von Nordwesten her kommt. Das letzte Stück geht dabei schon wieder abwärts, und wenn ich jetzt weiter will, muss ich erst mal im Zickzack weiteres an Höhe aufgeben, und dann auf dieser häßlichen Piste weiter. Zum Inselende schaffe ich es aber sowieso nicht mehr, dazu sind wir zu spät dran, es ist schon ein Uhr (wir haben uns Zeit gelassen und fast zwei Stunden für die vier ca. Kilometer gebraucht). Außerdem soll man sich immer noch Ziele offenlassen um einen Grunde zu haben, wiederzukommen.

So genießen wir lieber das Panorama während einer Vesperpause (wie wäre es mal mit einem Picknicktisch hier?), und suchen uns anschließend im Schatten einen Platz für einen Mittagsschlaf. Es hat Kühe hier (wir schlagen eine in die Flucht), dementsprechend ist der Boden fladenübersät, und die Luft fliegensurrend. Aber Meganisi macht müde. Uns zumindest. Die Luft ist hier auch anders, schwüler, der Wind wärmer (wenn es ihn denn gibt).


Nach zwei Uhr geht es dann zurück nach Spartochori, wo wir unverzüglich einen Einkehrschwung im "Tropicana" machen. Gegen den kleinen Hunger gibt es einen ziemlich großen Tonnosalata. Den Rest des Tages verbringen wir auf unserem Balkon - einfach ein wunderbarer Platz, und am Nachmittag hat es dort auch wieder Sonne.

Blöderweise sind wir am Abend bei "Lakis" immer noch nicht wieder hungrig genug. Aber die frittierten Zucchinischeiben müssen sein, dazu eine Portion Keftedakia und ein Tomaten-Gurken-Salat. Und natürlich Wein. Wir werden geschmacklich nicht enttäuscht, alles so lecker! Mit achtzehn Euro ist das Essen erneut preiswert.

Ob wir auf unserem nächsten Inselziel auch so gut essen werden? Und so einen schönen Blick vom Balkon genießen dürfen?

Morgen geht es weiter, das Taxi in der Früh hinab zu Hafen ist schon bestellt und zwar im Mini-Markt von Soldatos. Es ist wohl der Mann der Inhaberin, der das Taxi fährt (wir haben ihn bei der Autowäsche dort beobachtet).

 

*

 

Pünktlich stehen wir um halb acht auf dem kleinen Platz oberhalb des "Panorama" und das Taxi ist auch da. Nur der Fahrer fehlt noch, der kommt noch etwas verschlafen mit einem Frappé in der Hand dahergeschlappt. So zeitig sind wir alle drei nicht gesprächig, schweigend geht es die Straße hinab nach Spilia, dieses Mal auf der östlichen Straße. Sieben Euro werden für die kurze Fahrt fällig, Gepäckzuschlag inklusive.


Es warten doch einige Leute, darunter auch ein paar englische Touristen, auf die Fähre, die mit ein wenigen Minuten Verspätung (7.50 wäre die Abfahrtszeit gewesen) von Vathy her um die Ecke tuckert. Gut, dass wir genug Zeit haben, denn unsere nächste Fähre ab Vassiliki fährt erst um 10 Uhr ab. Bei der Planung im April war die Abfahrtszeit noch 9 Uhr, das wäre womöglich knapp geworden.


Natürlich blicken wir zurück wie Spartochori kleiner wird und mit Meganisi dann hinter Skorpios entschwindet. Hat uns gefallen hier, auf der kleinen "großen" Insel.

Nach einer halbe Stunde Fahrt laufen wir wieder in Nidri ein, wo uns unser Taxifahrer Yannis schon erwartet und nach Vassiliki im Inselsüden bringt.

Er fährt nicht schnell, so können wir noch ein paar Eindrücke von Lefkada mitnehmen, das vor allem bei Marandochori sehr mitteleuropäisch wirkt. Mhh, das ist, glaube ich, nicht meine Insel. Ich hoffe ja, dass Ithaki anders ist.

Schon vor neun Uhr sind wir in Vassiliki (25 Euro kostet die Taxifahrt), wo es am Hafen wegen Bauarbeiten ziemlich ungemütlich ist. Unser Schiff, die "Captain Aristidis", ist schon da, wir dürfen aber noch nicht an Bord. Also ziehen wir unser Gepäck entlang der Uferstraße und dem blickversperrenden Bauzaun bis zum ersten geöffneten Café und trinken noch etwas. Wie in Meganisi mag man auch hier Blumen, der Ort wirkt freundlich und gepflegt, wird aber erst allmählich lebendig: ein paar Männer sitzen im Café und diskutieren, ein mobiler Fischhändler ist auf seinem Motorroller unterwegs, und im Hafenbecken wir schon wieder heftig gebaggert - ein Wellenbrecher wird verlängert. Das Wasser ist getrübt.

Um dreiviertel zehn gehen wir dann wieder zum Anleger zurück, wo es in einem kleinen Kiosk die Tickets gibt. Acht Euro pro Person kostet die zweistündige Fahrt hinüber nach Frikes auf Ithaki, via Kefalonia.

Das Meer ist ruhig, wir freuen uns auf die Fahrt!