Kos

 

Der Katamaran „Dodekanisos Pride“ fährt nach Rhodos weiter, aber die meisten Passagiere gehen wie wir auf Kos von Bord. Nun erst mal im Hotel anrufen. Eine Telefonzelle ist drüben beim Hafengebäude, aber die Telefonkarte fehlt ja, und die Tante findet ihre nicht. Also mit Mobilfon, wie war noch mal die Vorwahl von Griechenland? Blackout, und auch im Reiseführer finde ich sie nicht so schnell (0030 wäre richtig gewesen). Da hält ein Auto vor uns, auf dem „Hotel Afendoulis“ steht – es ist Alexis, der Hotelchef. Er hat sich etwas verspätet, eine Baustelle an der Uferpromenade war im Weg. Schnell lädt er uns samt Gepäck ein. Das Hotel liegt südöstlich des Hafens hinter dem Stadtstrand und ist damit nicht weit weg, aber wir kennen uns in Kos-Stadt nicht aus. Alexis fragt uns, wie wir auf sein Hotel gekommen wären. Ich sage, er wäre als Tipp in Klaus Bötigs Reiseführer drin. „Ah, o Klaus? Ine edo.“ Klaus Bötig logiert gerade im Hotel Afendoulis, das ist ja witzig! Mal sehen ob wir in treffen. Heute sei er in der Türkei, erzählt Alexis.

 

Im Hotel, das in einer Seitenstraße liegt, bekommen wir zwei Zimmer im 3. Stock (mit funktionierendem Aufzug) zu jeweils 40 Euro. Eines hat die schönere Aussicht (seitlicher Meer- und Bergblick), dafür ist es lauter, das andere geht nach hinten und hat mehr Hinterhofblick. Mir ist es egal, wir verteilen einfach die Schlüssel und kriegen das Zimmer nach hinten. Ein typisches Stadthotel ist es, ein bisschen abgewohnt und hellhörig, aber mit Balkon und geräumig. Und mit funktionierendem Duschvorhang und heißem Wasser – ach, an den Bädern hatten wir im ganzen Urlaub nichts auszusetzen fällt mir da auf.

 

Nach einer kurzen Pause ziehen wir los, in die Stadt. Durch die antike Agora kommen wir zur Hadschi-Hassan-Moschee, davor steht die hohle, dennoch grüne „Platane des Hippokrates“ – ein uralter Baum zwar (tausend Jahre können es schon sein), aber für Hippokrates (um 460 vor Christus auf Kos geboren lebte er bis ca. 370 vor Christus) dann doch nicht alt genug. Ein netter Platz um diese ruhige Zeit.

Die Ecke um den Hafenanleger haben wir abgekürzt, stehen nun vor dem Mandraki-Hafen (schon wieder „Mandraki“ – die Namensgebung auf den Dodekanes ist nicht sehr originell ;-) ) Neben einigen Yachten am Rande sowie ein paar Segelbooten liegen hier vor allem Ausflugsboote. Da ich nach Pserimos möchte, checke ich das Angebot: es gibt Touren nach Nisyros, Patmos, in die Türkei und die Drei-Insel-Tour, die Pserimos neben Kalymnos und dem unbewohnten Felsen Plati zwar enthält, aber nur einen einstündigen Aufenthalt dort vorsieht. Das ist mir zu kurz. Eine offizielle Fährverbindung von Kos nach Pserimos gibt es nicht (nur von Kalymnos). Erfahre ich im Reisebüro, wo man ausgesprochen unbemüht ist. Immer diese Touristen mit ihren Extrawünschen, tss. Mist.

Die Anpreiser an der Uferpromande quatschen einen aber gnadenlos an, manche Touren enthalten ein Essen in einer typischen Taverne in Pothia/Kalymnos (sowas kann ich erst recht nicht leiden), andere ein Barbecue in einer abgelegene Bucht auf Kalymnos, in Plati wird bei allen gebadet, und alle 3-Insel-Schiffe sind imposante hölzerne Zweimaster. 25 bis 30 Euro kostet das, je nach Leistung. Na, zur Not mach ich das, aber erst ich suche nach einer besseren Lösung. Die kommt in Gestalt eines Anpreisers, der auf meine Frage meint, ich solle am Sonntag um halb zehn herkommen und fragen welche Schiffe fahren würden. Und wenn ich eines finde, das zuerst nach Pserimos fährt, und ein anderes, das die Wunschinsel als letztes anfährt, dann hätte ich länger Zeit auf Pserimos. Die Schiffe fahren die Tour nämlich nicht alle in der gleichen Reihenfolge! Das klingt gut, und ich bin optimistisch. Nebenbei entzückt der Steg des Ausflugsseglers „Katerina“ meine Herz: Katerina mit Nixe samt Rose – einfach super! Mit DEM Boot würde ich gerne fahren!

Inzwischen ist Ouzo-Zeit. An der Uferpromenade gefällt es uns nicht, zu marktschreierisch, und auch auf dem Weg Richtung Platia Eleftherias quatschen uns die Kellner an – ob Gyrosbude oder Pizzeria. Puh, fast wie auf Rhodos, geht gar nicht. Sehr einladend sehen die Cafés an der Platia Eleftherias dagegen aus, und auf der Platia läuft ein wunderbares Freitagabend-Unterhaltungsprogramm in Form von flanierenden Einheimischen, skatebordenden Jugendlichen, spielenden Kindern, neugierigen Hunden und suchenden Touristen. Dazwischen ein seifenblasenproduzierender Spielzeugverkäufer. Der Ouzo kommt als große Portion und sehr mild daher, und die Luft fängt an zu schwingen. Kos-Stadt gefällt mir besser als gedacht, vor allem diese vielen Blumen und Bäume, die wunderschönen Palmen, das satte, gepflegte Grün. War eine gute Wahl, hierher zu kommen.

Wohnt eigentlich Mikis Theodorakis auf Kos? Am Nachbartisch sitzen einige ältere Männer, einer davon erinnert mich an ihn… Am anderen Tisch eine herausgeputzte griechische Familie mit (männlichem) Kleinkind, total verhätschelt von Vater, Mutter und Jaja, während die schon etwas älteren beiden Mädchen in die Röhre gucken und deshalb mithätscheln. Griechisches Familienleben in der Provinzstadt – wundervoll.

 

Für das Abendessen wäre eine Tavernenempfehlung nicht schlecht. Gerade in solchen Städten wie Kos oder Rhodos kann man die brauchen, wo an jeder Ecke ein Abschlepper steht und es reicht wenn die Gäste einmal kommen. Schwierig, die guten von den schlechten Restaurants zu unterscheiden. Der Reiseführer hat welche auf Lager, aber nicht hier in der Ecke, so gehen wir zurück ins Hotel, direkt gegenüber war eine Taverne, „Barbas“. Dort spricht man deutsch, wie überhaupt fast überall auf Kos. Der Kellner, der wohl auch der Chef ist, ist in Deutschland aufgewachsen, in Dortmund, und hat auch mal ein Jahr im Schwäbischen gearbeitet (war nicht so seins ;-)). Das Essen ist gut und reichlich, einen Metaxa gibt es aufs Haus. Quasi das Abschiedsessen für die Cousine – na, morgen ist ja auch noch ein Tag.

Am Samstag ist der Himmel bedeckt, es wird doch nicht noch regnen? Zum Frühstück nehme ich die Landkarte aus dem Bötigschen Reiseführer mit, wir müssen noch planen wie wir heute fahren.

Zum Frühstück gibt es nach Wunsch ein „Omelettitsa“ mit Käse, Joghurt mit Honig, Kaffee bis zum Abwinken, Brot, Butter, Honig – es bleibt kein Wunsch offen. Die familiäre Atmosphäre ist der Pluspunkt des Hotels. Alexis hat für uns auch ein Mietauto besorgt, auf Kos sind die wohl deutlich teurer als auf Nisyros und Patmos, 35 Euro bezahlen wir bei autoWay für den Atos. Oder wären wir billiger davongekommen wenn wir uns selbst umgesehen hätten? Schon zu spät.

 

Wie wir noch beim Frühstück sitzen läuft hinter mir ein etwas übernächtigt wirkender Mann vorbei, sieht die Landkarte liegen und spricht uns an: es ist Klaus Bötig. Es findet ein kurzer Austausch über sein Buch sowie einige Tipps und kleine Fehler statt, die mir aufgefallen sind. Er ist angetan, wir werden sicher noch Gelegenheit haben, mehr zu reden. Dass wir uns heute Abend zusammen das Pokalendspiel mit Bremer Beteiligung ansehen, glaub ich aber eher nicht (wenn Bayern gegen Bremen spielt, bin ich gegen beide…)

 

Die Route liegt fest: über das Asklipieion und den Rand des Dikeos fahren wir nach Ziá. Dann nach Pilí und zum Flughafen. Danach will ich noch einen Blick auf Mastichari werfen und eventuell baden. Mal sehen wie das alles klappt. Die Autovermietung ist um die Ecke, der Angestellte dort erklärt mir erst mal ein Viertelstunde lang - auf Deutsch natürlich – auf was ich achten muss und wie der Verkehr ist und was versichert ist und was nicht. Du meine Güte – wie konnte ich jemals völlig unkompliziert auf einer griechischen Insel ein Auto mieten? Derart vergattert übersehe ich an der zweiten Kreuzung fast, dass links hier Vorfahrt hat und ich eine Stopp-Stelle – puh, nochmals gut gegangen. Bin deshalb froh als ich aus Kos-Stadt draußen bin und die Abzweigung zum Asklipieion gefunden habe, weit ist es nicht. Die Parkplätze dort sind fast leer, an deren Anzahl kann man erahnen was hier manchmal los ist. Der Zugang ist ein grüner Oleandergarten, blühend und sehr hübsch. An der Kasse bin ich mal wieder die einzige Vollzahlerin – dass sich in Griechenland der Seniorenrabatt derart weit durchgesetzt hat, war mir bisher nicht klar (und die Cousine kommt als ICOM-Mitglied eh gratis rein).

 

Die weitläufigen Ruinen des Asklipieion, der Kultstätte des Heilgottes Asklipios (Äskulap), liegen auf drei Terrassenebenen und bieten reichlich Säulenreste, Statuensockel und andere antike Bauteile aus dem fünften Jahrhundert vor bis fünften Jahrhundert nach Christus. Besondern wirksam soll der Heilschlaf hier gewesen sein, die Tante probiert es mal aus und legt sich auf der obersten Ebene auf eine Mauer (die Aufseher sind großzügig). Die Hardune, die sich hier in Mengen und ungestört auf den Steinen tummeln, sehen auch alle quicklebendig aus und werden sicher uralt. Und wir suchten sie beim Wandern auf Nisyros….

Toll ist von der obersten Ebene der Blick auf Kos-Stadt und das türkische Festland. Nur ist es jetzt so diesig und schwül – der Blick ist getrübt. Um das Heiligtum herum befinden sich Nadelwälder – ich bin verblüfft, wie grün Kos ist.

Auf einer gut ausgebauten, aber sich mächtig schlängelnden Straße fahren wir am nördlichen Rand des immerhin auf 846 Meter ansteigenden Díkeos-Gebirges entlang. Sogar hier gibt es Radfahrer – Respekt!

 

Die zwei Wochen Zusammensein zeigen inzwischen Spuren erster Ermüdungserscheinungen. Obwohl ich mit 50 km/h durch die Gegend schleiche, bin ich zu schnell. Wenn ich was erkläre, hört keine zu, dafür wird es drei Minuten später von den Mitreisenden angemerkt (erinnert an meinen Griechischkurs ;-) )

Wir wollen in das schöne Bergdorf Ziá, das sogar eine Wassermühle hat. Der Verkehr nimmt zu je mehr wir uns dem Ort nähern. Als aber vor dem Ort auf einem Parkplatz links vier oder fünf Busse stehen und wir bei der Durchfahrt den ganzen Ort von Touristen gesäumt finden, trete ich aufs Gas und wir die Flucht an. So schön kann Zia gar nicht sein – oder waren wir nur zu falschen Stelle am falschen Ort, und in einer Stunde wäre hier Idylle pur? Egal, Zia ohne uns. (Ja, ich weiß, wir sind auch Touristen, dennoch ziehen wir es vor, nicht ständig über andere Touristen zu stolpern und gestalten unsere Urlaub entsprechend in der Vor- und Nachsaison).

Dann eben weiter nach Pilí. Paleo Pilí zuerst, eine steile Stichstraße hinauf. Warum steht denn da einer mit seinem Auto mitten auf der Straße? Oh, es liegt ein großer Stein auf der Straße. Der Stein bewegt sich, hat Beine: eine Schildkröte! Ich glaube, seit meinem allerersten Griechenlandbesuch vor zwanzig Jahren hab ich keine Landschildkröte mehr gesehen (Wasserschildkröten schon), auf den Inseln machen sie sich rar. Kos scheint ein echtes Reptiliendorado zu sein, erst die Hardune, und nun die Schildkröte. Wir halten auch an, gucken dass das Viech heil über die Straße kommt und helfen ihm noch unter einem Drahtzaun durch. Nu aber anfahren am Berg mit einem vollbelegten Atos, will jemand aussteigen und schieben?

 

Paleo Pili soll eines der reizvollsten Inselziele sein. Die alte Burgruine ragt hoch über den Parkplatz auf, das letzte Stück muss zu Fuß erledigt werden, nur haben wir weder genug Zeit noch geeignete Schuhe dabei. Dann steht am Beginn des Weges noch ein Typ in Tracht als Fotomotiv. Warum er ein Röckchen anhat und Bommelschuhe, also mit Sicherheit keine koische Tracht, das weiß der Geier. Otto Normaltourist ist es egal, der hält auch Gyros für ein typisch griechisches Inselessen.

 

Wir wollen in Pili essen, und zwar nicht in der hochgelobten Taverne „Old Pili“, sondern direkt am Brunnen in Bötigs Tip „Old Waterspring“ (man spricht auf Kos auch Englisch, nur mit dem Griechisch ist es wohl nicht mehr so weit her). In Pili gibt es einen schönen Brunnen, rundum verziert mit vier wasserspeienden Löwenköpfen, umstanden von üppigem Grün. Wir haben das Auto an der Durchfahrtsstraße geparkt und sind die paar Meter zu Fuß zum Brunnen gelaufen. Die Löwenköpfe sehen nagelneu aus, und auch anders als im Führer abgebildet – da hat man es bei der letzten Renovierung wohl etwas zu gut gemeint. Das Wasser aus den zahlreichen Rohren schmeckt gut und erfrischend, und die Einwohner kommen auch von weiter her um hier Flaschen und Kanister abzufüllen. Wir setzen uns in die Taverne am Platz und bestellen einige Vorspeisen: den für Kos typischen, in Wein eingelegten Weichkäse (krassato), eine Skordalia (hat die Cousine auch gleich mehr Platz im Flieger), einen Choriatiki Salata und die unvermeidliche Ladung Kolokithokefedes. Auf Wein müssen wir verzichten, Wasser tut es auch. Ob es aus dem Brunnen sein dürfe? Ja, gerne!

 

Wir haben einen schönen Blick auf den Brunnen, wo ein altes Mütterlein sich gerade die Wasserflaschen von einem Mann befüllen lässt. Und hatten wir vor fünf Minuten noch gedacht, die Bustouren würden um diese Idylle einen Bogen machen, so sehen wir uns nun widerlegt: eine dreißigköpfige Meute entert den Platz, drei Worte der Reiseleiterin auf Deutsch dazu, ein Schluck Wasser aus dem Brunnen, ein paar Kommentare, und schon schiebt sich die nächste Gruppe über den Platz. Mein lieber Scholli, das alles schon im Mai – was ist hier erst in der Hochsaison los?

Die Vorspeisen sind wieder mal echt köstlich, auch wenn der Weinkäse nicht allen so schmeckt. Bötigs Tipp ist erneut ein Volltreffer. Und die Rechnung beträgt für diese leckeren Speisen zusammen – ich kann es kaum glauben – 14 Euro 80 Cent. 3,50 Euro für den Choriatiki – der Greek-Salat-Index ist kaum zu schlagen. Wir würden gerne noch eine Weile sitzen und uns entspannen, nur ruft der Flughafen, zu dem es aber nicht mehr weit ist.

Die Leipziger Reisebekanntschaft auf Patmos hat vor dem koischen Flughafen gewarnt – er wäre an den Hauptflugtagen, an denen die Engländer, die Deutschen und die Holländer ankommen, gnadenlos überlastet. Samstags ist es nicht ganz so schlimm, das fliegen die Schweizer und die Russen. Vier Maschinen alleine nach Domodedowo/Moskau und eine nach Sankt Peterburg an diesem Nachmittag. Der Schalter für den Flug der Cousine nach Basel wird schon angezeigt, sie stellt sich dort an. Blöd dann nur, dass dann die Passagiere an den beiden Schaltern weiter links abgefertigt werden, während sich am Schalter der Cousine nichts tut. Wir checken unseren Rückflug für Montag, nach langem Suchen finde ich jemand, der meint, ihn bestätigen zu können. Die Cousine steht unverändert, ich haue die Dame am Nachbarschalter an, sie solle doch mal gucken dass da drüben auch Leute stünden. Danach wird die Schlange im Reiseverschlusssystem einsortiert. Am Montag werden wir auch in der falschen Schlange stehen und ewig brauchen zum Einchecken – Murphy’s Gesetz…. Abschied von der Cousine, ich bin echt traurig, sie wird mir fehlen. War eine schöne gemeinsame Zeit, und ich glaube, das Inselspringen à la Jajades hat ihr auch gefallen.

 

Wir fahren dann runter nach Mastichari, parken am Hafen und setzen uns an den Strand, ich bade bei 22 °Celsius. Doch, der Ort ist nett und überschaubar, der Strand breit und sandig. Aber irgendwie stinkt es direkt am Hafen gammelig, nach Kloake, ob Abwässer eingeleitet werden? Hier direkt am Badestrand? Wohl kaum….

Mastichari wäre von den Touri-Orten der Nordküste noch der angenehmste, wurde mir gesagt, und es gibt auch keine großen Hotelkästen unmittelbar dort. Dennoch lebt der Ort zu hundert Prozent vom Tourismus, einen gewachsenen Ortskern findet man nicht, und die Umgebung ist recht zersiedelt. Vielleicht ist es auch unsere etwas traurige Stimmung, unterstützt durch den grauen Himmel. Wir schlafen etwas am Strand. Irgendwann meinen wir, den Flieger der Cousine starten zu hören, vielleicht waren es aber auch die Russen.

Ich dreh dann noch eine Runde durch den Ort, der nur aus Pensionen, Ausflugsagenturen, Souvenir- und Strandbedarfsläden sowie Cafés und Tavernen zu bestehen scheint. Am Hafen werfe ich einen Blick auf Busfahrplan und Schiffspläne, da kommt mal wieder die „Olympios Apollon“, dieses Mal von Kalymnos. Der Fährverbindungen nach Kalymnos sind von Mastichari auch viel besser (und näher) als von Kos-Stadt.

Wir haben keine Lust mehr weitere Besichtigungen, und fahren ohne Halt zurück nach Kos-Stadt, wo ich das Auto wieder abgebe. Unseren Ouzo nehmen wir wieder an der Platia Eleftherias, dieses Mal in Cafe nebenan, wo der Ouzo 50 Cent mehr kostet, aber noch besser schmeckt. Zwei Hunde jagen eine Katze mit Getöse, sie schafft es gerade noch auf einen Baum. Reste eine Hochzeitsgesellschaft flanieren über den Platz, in der Kirche Agia Paraskevi hat die Trauung stattgefunden, nachher sehen wir die Aufräumaktion dort. Das Minarett der Defterdar-Moschee ist schön illuminiert, ein Hauch von Orient. Abendessen wollen wir im „Poté tin kyriaki“, einem Mezedopolio unweit des Busbahnhofes. Schon wegen des Namens („Sonntags nie“ – was sich aber wohl auf die Öffnungszeiten bezieht). Wir müssen etwas suchen, in der Ecke ist es eher duster und unbelebt. Und nun fängt es doch tatsächlich an zu tröpfeln! Das fehlt noch.

 

Wir finden das Lokal, und sind die einzigen Gäste. Sowas mag ich eigentlich nicht, aber auf Kos muss das kein schlechtes Zeichen sein. Es kommt auch später noch eine Großfamilie, die irgendwie zum Wirt gehört und typisch griechisch diniert:  viel mehr bestellt als man essen kann, und alles wild und hektisch durcheinander. Die Speisekarte ist ein handgeschriebenes Schulheft und äußerst umfangreich, es fällt uns schwer, uns zu entscheiden. Schließlich nehmen wir Chorta-Salat, frittierte Zucchini-Blüten, Fava, Loukaniko, gefüllte Peperoni, Wein und Wasser dazu. Im Hintergrund läuft gute Musik (auf unseren Wunsch auch etwas leiser), das Ambiente ist nett, das Essen schmeckt – zu empfehlen!

 

Auf dem Weg zurück ins Hotel übersieht die Tante (nein, so viel Wein haben wir nicht getrunken) eine schlecht beleuchtete Gehwegkante und stürzt. Großer Schrecken, zum Glück ist nichts Schlimmes passiert! Puh - kaum ist die Cousine weg, die doch auch den ausdrücklichen Aufpass-Auftrag vom Onkel hatte…

Im Hotel steht es schon drei zu null für die Bayern (natürlich hat es Fernseher auf dem Zimmer, mit ZDF), da wird der Herr Bötig als Bremen-Fan nicht viel Freude dran haben. Ich sinke müde ins Bett, in der Nacht höre ich wie es draußen mächtig regnet.

Hoffentlich wird das trotzdem was mit Pserimos morgen.

erlebt im Mai 2010