Nach Patmos und zu den Hauptklöstern

 

Die „Dodekanisos Pride“ fährt recht nahe an Pserimos vorbei – wir können einen Blick auf eine überdimensionale griechische Flagge werfen, die am Südostende der Insel neben einigen Geschützen und einem Militärstützpunkt auf den Felsen aufgemalt ist . Dann einen weiteren hinein in die Hafenbucht – sieht überschaubar aus. Ich möchte gerne nach Pserimos, hoffentlich lässt es sich in diesem Urlaub noch einrichten! Nach 40 Minuten grüßt von rechts eine rauchende Müllkippe - die Fähre hält gleich in Pothia, dem Hauptort von Kalymnos. Vom Meer aus immer beeindruckend bis einschüchternd: das Häusermeer und die kahlen Felsen, die es umrahmen. Gekrönt von Klöstern und Telegrafenmasten. Eine größere Gruppe geistige Behinderte reist mit uns, sie sind ebenso fasziniert vom Hafentreiben wie wir. Immer wenn das Schiff anlegt, kommen sie aus der Schiffsinneren, werden nachher liebevoll wieder hineingebeten. Schiffsreisen sind aufregend.

 

Weiter geht die Fahrt, zu meiner Überraschung östlich um das hier extrem felsige und abweisende Kalymnos herum, vorbei an einem Ensemble von Kapellen am Südostzipfel von Kalymnos. Wird die Fähre auf Leros in Agia Marina halten? Nein, sie fährt trotzdem nach Lakki. Auf dem Schiff zieht es ordentlich, unsere Plätze sind etwas windgeschützter da direkt hinter der Kabine. Gelegenheit, die Mitreisenden ein wenig zu beobachten. Das ist eine Gruppe mit drei deutschsprachigen (laut Lektüre) Frauen, sie gehören zusammen, wechseln aber kein Wort miteinander. Wir werden sie auf Patmos mehrmals wiedersehen, immer schweigend und Abstand haltend. Zwei andere Frauen bilden demonstrativ ein Paar, blond beide, walkürenhaft die eine, zierlicher und mit einem verpackten Musikinstrument die andere.  Das kurze Verlassen unserer Sitzplätze in Lakki zum Nach-unten-dem-Hafentreiben-Zugucken nutzt die Große, sich auf den Platz der Tante zu setzen, dass wir sie dann nachher „umrahmen“, scheint sie nicht zu stören, im Gegenteil: demonstrativ lässt sie sich von der Freundin die Schultern massieren. Wir ignorieren nach Kräften, auch dieses Paar werden wir natürlich auf Patmos wiedersehen.

 

Letzter Zwischenstopp ist Lipsi. Vor 14 Jahren war ich mal hier, war wunderschön. Schon bei der letzten Passage 2006 hab ich gedacht: ganz schön gewachsen... Nun noch mehr, muss mal ein Vergleichsfoto von damals heraussuchen. Wäre dennoch wieder einen Besuch wert, aber nicht jetzt.

Patmos kann man schon liegen sehen, gekrönt vom Johanneskloster, thronend wie eine Glucke über den weißen Häusern der Chora.

Nach drei Stunden Fahrt legen wir in Skala, dem Hafenort, an, werden vom Schiff gedrängt, man hat es eilig, Patmos ist Endstation und das Schiff ist eh schon verspätet, soll sich schnell wieder auf den Rückweg machen. Wir taumeln im Gedränge von Bord und werden sofort von zwei Zimmervermietern angegangen.

 

Eine junge Frau ist besonders aufdringlich, erzählt etwas von schönem Blick und netten Zimmern, weist auf Anfrage auf die andere Buchtseite. Wir lassen uns von ihr mitnehmen, im PKW – was vier Personen hoch plus Gepäck gar nicht so einfach ist, ich balanciere meinen Rucksacktrolley auf den Knien, im Kofferraum ist kein Platz mehr für ihn. Es geht die Hafenbucht nach Norden entlang, ist weiter als wir gedacht haben, vielleicht sieben-, achthundert Meter. Vorbei an einem Mini-Markt und einem Bäcker, dann sind wir da. Nein, noch eine Treppe hinauf, die Zimmer haben schließlich Aussicht, da muss man immer hinauf. Wir haben die Auswahl zwischen drei Doppelzimmern – na ja, eigentlich zwei, denn eines der Zimmer müssen wir nehmen, das zweite können wir auswählen. Das Muss-Zimmer ist klein, hat nur ein moskitovergittertes Fenster nach hinten, eine Kochzeile und ein nettes Bad. Die Auswahlzimmer sind größer und schöner, eines hat einen separaten kleinen Balkon, das andere einen großen zusammen mit dem kleinen Zimmer. Wir nehmen diese Zimmer – besser zum zusammen Sitzen – und bezahlen pro Zimmer und Nacht 30 Euro. Der Blick über die Bucht zum Hafen und hinauf zum Johanneskloster ist echt schön!

 

Unsere Wirtin stellt sich als Souzanna vor, und so heißen auch ihre Apartments. Sie hat drei Töchter, die kleinste davon will unbedingt helfen, unser Gepäck mit hochzutragen – kommt gar nicht in Frage! Für die Ausbildung der Töchter legt Souzanna sich ins Zeug, Englisch- und Computerkurse laufen ins Geld, da sind die Einnahmen von der Zimmervermietung mehr als willkommen, und Souzanna geht selbst nachts zur Fähre. Entsprechend müde ist sie nun. Wir sind es auch und machen erst mal Pause.

Später gehen die Cousine und ich in fünf Minuten zum nahegelegenen Strand von Merika, auf der Westseite von Patmos – die Insel ist hier nur ganz schmal. Der Strand ist nicht toll – dick mit getrockneten Algen und Seegras paniert, und steinig, aber wir gehen trotzdem fix rein. Waren noch viel zu wenig im Meer! Das Wasser ist frisch, 20°C zeigt das Badethermometer an. Kauern uns dann in den Schatten einer Mini-Tamariske, unbequemer Untergrund. Kein de-luxe-Strand.

Am frühen Abend – der Hunger meldet sich überdeutlich und will nicht warten bis sich die griechischen Abendessenszeit einstellt – geht es dann in die „Stadt“, also hinein nach Skala. Vorbei an der kleinen Werft, friedlich dümpelnden Kaikia, dem Johannesfelsen (eingegittert – hier soll der heiligen Johannes mehrere Patmier getauft haben) und der zugehörigen Kapelle, sowie dem Sandstrand von Skala. Der Hunger steht dann doch hintenan, denn in Skala gibt es einige nette Läden, deren Auslagen wir uns ansehen. Schönen Schmuck und modische Klamotten, leider durchaus im hochpreisigen Segment: die anlegenden Kreuzfahrtschiffe machen es möglich.

Dann lassen wir uns in der Taverne „Ostria“ nieder. Das Essen ist gut, auf der Karte stehen so leckere Sachen wie Tomatenkeftedes, Bekri Meze und Dakos. Nur der penetrante Gasgeruch vom Grill und die darauf verkohlenden Oktopus-Beine stören etwas.

 

Im Mini-Markt holen wir uns noch eine Flasche Wein, den wir anschließend auf der Terrasse trinken. Der Blick vom Balkon auf das nächtlich erleuchtete Johanneskloster und Skala darunter ist echt toll. Morgen werden wir uns die beiden wichtigen Klöster mal ansehen.

Wir stehen zeitig auf, wollen um 9.25 Uhr mit dem Bus hinauf nach Chora. Die Busabfahrtzeiten hab ich mir am Hafen abgeschrieben. Erst holen wir noch Brot beim nahen Bäcker, und Souzanna hat uns leckeren Mizithra-Käse gebracht, von der Schwiegermutter selbst gemacht – Souzannas Mann kümmert sich um die Ziegen. Honig dazu, Graviera  - ein leckeres Frühstück! Getrübt wird es aber durch Souzannas Mitteilung, dass draußen vor dem Hafen zwei Kreuzfahrtschiffe liegen würden. Mist – das Kloster mit mehreren Busladungen zu teilen haben wir gar keine Lust! Was also tun?

 

Ich will gerne von Patmos aus auf das Inselchen Marathi fahren, hab aber noch nicht in Erfahrung bringen können ob und wann das Boot fährt. So renne ich nach Skala hinein und frage in mehreren Reisebüros – die haben aber keine Ahnung. Von Skala aus sehe ich dann auch ein sehr großes Kreuzfahrtschiff (die „Seabourn Odyssey“ – dass sie nur 450 Passagieren befördert, sehe ich erst daheim. Sie sieht nach mindestens 1.000 Passagieren aus! Edler Luxus…) und ein etwas kleineres vor der Bucht liegen, es wird fleißig ausgebootet.

Für meine Marathi-Auskunft gehe ich zur Hafenpolizei, muss dort warten – deutsche Segler müssen zunächst einchecken. Ist das ein Betrieb hier! Hinter dem Bürotresen sehe ich eine Fahrplankopie hängen, demnach fährt die „Lampi II“ dienstags, donnerstags und noch einen Wochentag um 9.30 Uhr über Arki und Marathi nach Lipsi und retour. Dienstag wäre heute. Ich frag die Hafenpolizistin als ich schließlich dran komme. Nein, heute würde das Schiff nicht fahren, aber am Donnerstag voraussichtlich. Ich solle am Anleger gucken, da würde es liegen. Das tue ich, das liegt die „Lampi II“und es steht sogar ein Schild draußen, das die Tour ankündigt, wenn auch ohne Abfahrtszeit. Das Ausflugsprogramm für Donnerstag ist also gebongt.

 

Und heute? Morgen wollen wir mit dem Mietauto über die Insel, dafür ist es heute etwas spät. Die Begleiterinnen sind inzwischen auch gekommen, zuerst gehen wir ins das orthodoxe Kultur- und Informationszentrum gegenüber dem Hafen. Es werden mehrere Film abgespielt über den heiligen Johannes, die Apokalypse, die Klöster, es gibt Literatur, die Öffnungszeiten der Klöster, das nützliche Magazin „Patmostimes – Guide 2010“, und vieles mehr. In einem Film wird das Kloster des heiligen Nektarios gezeigt, wir fragen die Frau am Schalter wo es ist – im Reiseführer kommt es nicht drin. Gar nicht so weit weg, an der Sapsila Bucht Richtung Grikos. Leider hat es am nächsten Tag geschlossen, aber die hilfsbereite Auskunftsdame ruft einfach dort an und erfährt, dass wir trotzdem kommen dürfen, morgen Vormittag. Sehr schön!

Aber was machen wir nun heute?

Zunächst ratlos lassen wir uns auf einen Elleniko im Café nieder. Am Donnerstag steht Marathi auf dem Programm. Und am Freitag müssen wir schon wieder nach Kos wenn wir nicht in der Nacht darauf die Fähre um 2 Uhr nehmen wollen – was wir vermeiden wollen. Zu wenig Zeit, zu viel Insel….

Dann entscheiden wir, um 11.30 Uhr mit dem Bus bis zum auf halber Höhe des Berges gelegenen Apokalypse-Kloster zu fahren und uns dieses anzusehen. Und am Nachmittag hinauf zum Johanneskloster zu fahren, es öffnet um 16 Uhr wieder. Die Kreuzfahrer müssten dann weg sein. Das Apokalypse-Kloster (moni tis apokalipsis) ist nicht groß, große Touristenmassen kann es sowieso nicht aufnehmen, und stundenlang besichtigen muss man es auch nicht. Passt also. Nur anständig kleiden müssen wir uns noch, alle habe einen Rock an, nur die Cousine bekommt mein Halstuch zum Bedecken der Schultern und wickelt sich ein Baumwolltuch um die Hüften als Rockersatz.

 

Der Bus ist an unserem Ziel auf halber Höhe, ist wirklich nur ein Katzensprung. Wie wir aussteigen hält, von oben kommend, ein Bus. Die Kreuzfahrer kommen – schnell rein ins Kloster damit wir wenigstens noch einen halbwegs ungestörten Blick erhaschen können. Ein Mosaik über dem Eingangstor zeigt Johannes, den Theologen, mit seinem Sekretär Prochoros. Hier, an diesem Ort, in einer Höhle, hat er um das Jahr 95 herum die „Offenbarung“ oder „Apokalypse“, das letzte Buch der Bibel, geschrieben, besser: schreiben lassen, als er auf Patmos verbannt war. Ich denke eher, er hatte nen Sonnenstich, da kann man auch Visionen haben. (Außerdem soll er laut orthodoxer und vor allem patmischer Vorstellung auch der Lieblingsjünger Jesu gewesen sein und das vierte Evangelium geschrieben haben – als evangelische Ketzerin komme ich da erst ins Rechnen und dann ins Grübeln…)

 

Das weiße, am Hang liegende Gebäude hat zwei kleinen Kuppeln, ist von außen eher unscheinbar und von innen etwas verschachtelt. Treppab kommt man zu einer schlichten Doppelkirche, an die Felsenhöhle – eher ein Felsenvorsprung – angebaut. In der rechten Felswand hat es zwei kleine Nischen–  in die eine hat der Heilige seinen Kopf gebettet, in der anderen den Ellenbogen aufgestützt beim Diktieren. Harte Zeiten…

Der Kirchraum ist sehr zurückhaltend, vorne an der Ikonostase hat eine sehr schöne alte Ikone der Offenbarung. Fotografieren ist selbstmurmelnd streng verboten, und wir halten uns auch dran. Setzen uns erst mal auf die Stühle vorne um den Ort auf uns wirken zu lassen – und sind kurz darauf umzingelt von einer Gruppe von vielleicht zwanzig, fünfundzwanzig Touristen. Nicht alle sind angemessen bekleidet (Rock für die Frau, lange Hosen für den Mann), aber wer will schon Luxus-Kreuzfahrer belehren? Die Reiseleiterin will es nicht, sie hält lieber in sehr verständlichem Englisch eine exzellente Führung  über Johannes den Theologen, diesen Ort und die Apokalypse, inklusive etwas theologische Deutung.  Auch wir kommen so in den Genuss – da haben wir echt Glück gehabt! Nach den vielleicht eine Viertelstunde dauernden Ausführungen ist die Gruppe recht schnell wieder weg und wir können uns nun in Ruhe umsehen. Der niedrige Raum (mit Riss in der Decke, durch ein Erbeben während der Offenbarung entstanden) besticht durch seine Schlichtheit und Authentizität. Ja, das hat schon was.

Sonst kann man im Kloster nichts ansehen, allenfalls im Museumsladen noch Postkarten, Mini-Ikonen und andere Devotionalien kaufen. Zu Fuß gehen wir hinunter nach Skala, es gibt einen guten Weg (Vorsicht, der besser ausgebaute Weg geht von der Straße ab, nicht direkt vom Kloster!) und in zwanzig Minuten sind wir wieder unten.

Vorbei an (oder eben genau nicht, natürlich müssen wir rein und kaufen ein) einer Bäckerei mit einer riesigen Auswahl mega-leckeren Gebäcks und für Patmos typischen salzigen Käsekuchen. Gefräßige Pause anschließend auf unserem Balkon. Im Nachbarzimmer ist ein Gast eingezogen, schon in der Nacht, er kommt unüberhörbar aus Sachsen, genauer: aus Leipzig. Erfahrener Inselspringer, von Samos und Lipsi gekommen, möchte er eigentlich gerne weiter nach Fourni, allein: es gibt keine Direktverbindung, er wird über Samos müssen, aufwendig und zeitraubend. Der griechische Fährverkehr ist kein Wunschkonzert.

Die Johanneskapelle nördlich des Hafens von Skala
Die Johanneskapelle nördlich des Hafens von Skala

Souzanna, die ein Stockwerk unter uns wohnt, kommt auch vorbei, sie bringt uns schon wieder was zum Schnabulieren. Wir wollten zum Johanneskloster? Ähm, am Nachmittag käme wieder ein Kreuzfahrtschiff, das andere liegt noch draußen. Kreuzfahrerpest! Egal, so schlimm kann es doch nicht sein!

Um 15.30 Uhr fährt der Bus ab, als wir nach vorne zur Bushaltestelle wandern kommt gerade die „Aquamarine“ in den Hafen und legt an. Keine Fähre, sondern der angekündigte Kreuzfahrer. Fast wöchentlich pendelt sie zwischen Istanbul und Athen durch die Ägäis – keine exklusives Schiff, eher eine vier- bis fünftägige Billigkreuzfahrt mit Plätzen für 1.200 Passagiere. Reederei ist „Louis Cruises“ mit Sitz auf Zypern, die auch die „Sea Diamond“ vor Santorin versenkt hat… Zum Glück brauchen die Leute etwas, bis sie das Schiff verlassen haben und die Busse geentert haben, so hat unser Linienbus einen kleinen Vorsprung.

 

Eine Handvoll Kreuzfahrer haben offensichtlich unseren Linienbus für ihren Extrabus gehalten, sie kapieren nicht so recht dass der Busfahrer fahrplangemäß gleich wieder runterfahren will, statt oben auf sie zu warten. Brasilianer sind es, und Italiener. Zeit haben sie auch keine, um 18 Uhr müssen sie schon wieder unten sein in Skala, da das Schiff um 19 Uhr wieder abfährt. Drei Stunden Patmos - da wollen mir die Vorzüge einer Kreuzfahrt einfach nicht so recht einleuchten.

Der Bus ist schnell oben in Chora, 1,50 Euro kostet es pro Person. Wir gehen zügig zum Johanneskloster hinauf, vielleicht ist es schon vor 16 Uhr geöffnet. Es ist, und es sind erst wenig Leute da.

 

Wir gehen gleich in die Hauptkirche (Katholikon) hinein. Sie wurde im 11. Jahrhundert gebaut,  ist nicht groß, aber sehr schön und komplett mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert ausgemalt - da wurden die älteren Fresken übermalt. Die Beleuchtung ist allerdings sehr schlecht – klar, Licht ist nicht gut für Fresken. Darf man fotografieren? Eher nicht - ich klau mir ein, zwei Bilder, ohne Blitz natürlich, und sie sind auch folglich nicht scharf.

Die Türen in der Ikonostase, die ins Allerheiligste führen, sind geöffnet, was mich etwas wundert. Da dürfen nur Pappades und höherer Geistliche s rein, und nun stecken ahnungslose Italiener und Brasilianer nicht nur ihre neugierigen Nasen rein, sondern betreten das Allerheiligste selbstverständlich. Dass man auch hier an diesem heiligen Ort eigentlich nicht in kurzen Hosen oder schulterfrei  herumlaufen sollte, hat sich offensichtlich nicht bis zu den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes herumgesprochen…. Und die Mönche des Klosters haben vor den respektlosen Massen längst kapituliert.

Plötzlich erscheint ein Angestellter des Klosters, scheut die Touristen hinter der Ikonostase hervor und schließt schnell die Türen, dann verteilt er überall „No photos“-Schilder. Schade, gerade wollte ich die wunderbare Darstellung der Verführung durch die Schlange auf der Seitentüre fotografieren, die Schlange mit Ohren und einer Hand wie ein Minidrachen…

Auch die Fresken im Eingangsbereich und den zahlreichen Seitenkapellen sind wirklich sehenswert, man kann sich gar nicht alles so detailliert ansehen, denn leider drängen nun mehr und mehr Leute hinein. Hier gibt es unter den Links zahlreiche Abbildungen. Wir verlassen den Kirchenkomplex und sehen uns nun die Wirtschaftsgebäude des Klosters an. Viele Bereiche sind allerdings abgesperrt, aber man kann die alte Backstube angucken, und am schönsten sind sowieso die Bögen, Glockentürme und Kuppeln, steingrau unverputzt gegen das gleißende Weiß des Putzes abgesetzt. Leider kann man nirgends über die hohe Mauer einen Blick auf die das Wehrkloster umgebende Chora und die Insel werfen….

 

Unbedingt ansehen müssen wir uns natürlich auch die Schatzkammer. 6 Euro muss nur ich bezahlen, die Mütter kommen als Seniorinnen zum halben Preis rein, und die Cousine als ICOM-Mitglieder kostenlos. Gezeigt werden sehr alte Handschriften und Bücher, liturgisches Gerät, Textilien, Möbel, Schmuck und alte, wunderschöne Ikonen und Miniaturen. Alles nur ein Bruchteil des Vorhandenen, die Bibliothek soll 2.000 Manuskripte, 13.000 Dokumente und über 4.000 Inkunabeln aus 900 Jahren besitzen, dazu die Kirchenschätze… man sollte sich wirklich Zeit lassen, alles in Ruhe anzusehen (und mal aus dem Fenster gucken!). Die geführten Gruppen, die nun auch ins Museum kommen pflücken sich nur einige besonders hervorstechende Exponate heraus und branden dann an uns vorbei. Es ist schon fast halb sechs, als wir uns draußen für ein Päuschen auf dem Mäuerchen zum Innenhof niederlassen und die fotografierenden Besucher beobachten können, sie kommen wirklich aus aller Herren Länder. Ein Foto mit dem Glockenturm muss einfach sein.

Um 18 Uhr schließt das Kloster, wir bummeln durch die Chora. Das Ensemble Chora und Johanneskloster ist seit 2006 UNESCO-Weltkulturerbe – entsprechend ausgestorben präsentiert sich uns die Chora. Aber wunderschön!

 

Die drei Windmühlen, bei denen ich vor Jahren einen unglaublichen Sonnenuntergang erlebt habe, werden gerade renoviert, im Sommer 2010 werden sie eingeweiht werden (ist der Griechenland Zeitung einen Artikel wert. ->).

Dann kommen wir an der Kirche Panagia Diasosousan vorbei, die in einem hübsch über mehrere Terrassen angelegten kleinen Garten liegt und einen schönen Blick Richtung Südwesten zum hiesigen Profitis Ilias bietet (269 Meter hoch). Ein ganzes Stück weiter westlich liegt ein altes Herrenhaus, das Simandiri-Haus, das man laut Reiseführer (Klaus Bötig: Kos, Nissyros, Kálymnos, Léros, Lipsi, Pátmos, 2010) besichtigen kann. Wir müssen etwas suchen bis wir es finden, die Türe ist zu, aber man soll klopfen, was wir auch tun. Eine alte Frau öffnet uns, sehr gepflegt ist sie. Sie zeigt uns das Innere des Hauses aus dem Jahr 1625, eine wilde Ansammlung von Antiquitäten und Kitsch (inklusive semi-antikem Zahnarztbohrer), und erzählt über die Familie, die einst aus Odessa gekommen ist. 85 Jahre ist sie alt (das sieht man ihr nicht an!), und wohnt in diesem Haus, je nach Jahreszeit im oberen oder unteren Stockwerk. Der Unterhalt des großen Gebäudes ist nicht gerade billig, und so sollen wir nach der Führung etwas kaufen vom von ihr angebotenen Kleinkruscht. Ähm, das wollen wir eigentlich nicht, dafür bezahlen wir 3 Euro pro Person Eintritt (ja, auch das wäre im Reiseführer gestanden) und sehen zu, dass wir Land gewinnen.

Griechenland Zeitung 14.7.2010
Griechenland Zeitung 14.7.2010

Der Hunger meldet sich, und ich hatte geplant, in der Taverne von Vangelis an der Platia Lesbias zu essen. Leider ist die Taverne genauso geschlossen wie der ganze Ort – Nachteil der Vorsaison. Auch sonst nichts geöffnet außer dem Kafenio oberhalb der Bushaltestelle, und das stößt nicht auf Gegenliebe bei den Mitreisenden. Wir werden also doch unten in Skala essen.  Der Bus, der laut dem von mir abgeschriebenem Fahrplan um 20 Uhr nach unten fahren soll, existiert aber nicht, und so telefoniere ich am Periptero nach einem Taxi, das uns nach unten bringt.

Schließlich essen wir in der Taverne „Pantelis“ in Skala, und das sehr gut und preiswert. Gute griechische Küche aus dem Ofen: Hühnchen, gefüllte Tomaten, Souzoukakia mit Bohnen. Zu empfehlen!

 

Patmos gefällt uns schon, aber nach den kleineren und ruhigeren Inseln ist uns hier fast zu viel los.

Mal sehen was der morgige Tag bringt.