Kea - die ganz andere Kyklade

 

Mit dem Bus vom Athener Flughafen (umsteigen in Markopoulos, Fahrtzeit etwa 1 Stunde wenn der Anschlussbus schon da ist) kommen wir gegen 18.15 Uhr im Hafen von Lavrio an: vor uns ein riesiger leerer Parkplatz für die Autos auf die Inseln, über den der Wind bläst. Die nächste Fähre geht um 19.30 Uhr, wir kaufen Tickets, sie ist noch nicht da, wir stehen im Wartehäuschen, wenigstens vom Wind geschützt. Wenig einladend, dieser Hafen. Rechts im Yachthafen eine riesige Privatjacht, die schon beinahe die Größe einer kleineren Fähre hat: Arabische Flagge und Name. Links liegen die beiden Schnellfähren der C-Link-Ferries, die „Panagia Thalassini“ und „Panagia Parou“ sowie eine weitere (war es die Aeolos Express?)  Ob sie für dieses Jahr schon im Winterschlaf sind?

 

Vor uns wie ein Riegel liegt die Verbannungsinsel Makrónissos - Theodorakis war 1948 hier interniert und überlebte knapp schwere Folterungen, im Straflager fanden tausende den Tod. So nah, und doch so fern. Mich friert. An der Südspitze der Insel taucht jetzt ein Schiff auf, es nähert sich, heftig geschüttelt von starken Böen und Seegang. Vielleicht doch etwas nehmen gegen Reisekrankheit? Nach 4 Stunden im Flugzeug und einer im Bus ist mein Gleichgewichtssinn sowieso noch etwas strapaziert… Die Fähre ist unsere, die „Express Myrina“ von Goutos Lines, eine kleinere Fähre. Wir können schon an Bord gehen, im Salon sind wir vom Wind geschützt.

Draußen wird es dunkel, ein paar Kilometer entfernt bei Kap Sounion stehen jetzt die Menschen und starren auf den Sonnenuntergang, ob es dort auch Applaus für die Sonne gibt wie in Oia auf Santorin? Ein weiteres Schiff kommt an, die „Express Marmari“, die eine halbe Stunde nach uns nach Kea pendelt und etwas schneller ist. Wir beobachten ihr Anlegemanöver und die verschwindende Sonne, die Autos, die auf die Fähre fahren, es wird uns kalt, wieder hinunter in den Salon, der sich inzwischen gut gefüllt hat mit Griechen: griechische Familien, junge Menschen, ausländische Touristen kaum.
 
Dann geht es los, die „Express Myrina“ legt ab, schaukelnd nimmt sie Kurs nach Norden. Im Salon klappen die Bilder an den Wänden im Wellenrhythmus von den Wänden ab, einige der Reisenden sehen blass aus, auch bei mir fehlt nicht mehr viel wenn das Schiff plötzlich nicht nur hin und her, sondern auch vor und zurück schlingert. Wie war das, man solle Schokolade essen, „schmeckt rauf wie runter“ – der Tipp eines Nordfriesen bei der Fahrt nach Helgoland. Trotz Rauchverbotes auch noch Zigarettengeruch, dann doch lieber an die frische Luft – da ist es besser. Makronissos liegt beinahe im Dunkeln, nur ein paar wenige Lichter und Leuchttürme. Nach dem Umfahren der Nordspitze tauchen die Lichter von Kea auf, vor allem Ioulis, der amphitheaterähnlich am Berg liegende Hauptort, lässt sich leicht ausmachen.

 

Schnell nähern sich auch die Lichter des Hafenortes Korissia, unheimlich viele Lichter – scheint doch größer zu sein. Rechts die Kirche, etwas oberhalb gelegen. Mitten drin das Hotel „Karthea“, ein mehrstöckiger Kasten, der aber gar nicht so abgewohnt aussieht wie im Müller-Führer beschrieben. Und dann sind wir endlich da, alles drängt auf festen Boden, mir schwankt es trotzdem noch. Vom vorgebuchten Hotel „Korissia“ ist wohl niemand da, kein Schild oder Auto zu sehen. Schnell Platz machen für die Autos, die sich von der Fähre wälzen. Dann eben zu Fuß los, den Hafen entlang vor, dann rechts die Strasse rein, schnell wird es dunkler – hier sind wir falsch. Nach dem Weg gefragt, die nächste Querstrasse rein.

Das Hotel „Korissia“ liegt im Dunkeln hinter Palmen und anderen Bäumen – es wird doch nicht zu haben? Nein, der Besitzer ist da, wir sind die einzigen Gäste, und werden es auch die restlichen Tage bleiben. Ob er extra für uns die Saison verlängert hat? Das gegenüberliegende Hotel „To Oniro“ sieht auch sehr zu aus, im Oktober ist für Zimmervermieter wohl kein Geschäft mehr zu machen (höchstens Touris zu überhöhten Preisen abzocken ;-)  ).

 

Besonders entgegenkommend ist der Besitzer nicht, hatte er doch gemeint, er würde uns am Hafen abholen. Und das Hotel könnte eine Renovierung auch brauchen. So ganz glücklich werden wir mit der Unterkunft nicht. Kein versprochener Blick aufs Meer, nur auf die Tankstelle gegenüber und die oberhalb liegenden Häuserbaustellen, stattdessen ein wenig dunkel durch die Sonnendächer über dem Balkon. Sonne ist auch nicht zu erwarten, der Balkon geht nach Norden. Dafür der Wind, der auch in den nächsten Tagen keine Lust auf den Aufenthalt auf dem Balkon aufkommen lässt. Doch eher was für den Hochsommer. Der Mülleimer im Bad hat keinen Deckel, und kein Plastiktüte drin, wir beschließen, das WC-Papier nach Gebrauch auf mitteleuropäische Art zu entsorgen. 40 Euro dafür – na ja, haben wir uns wohl abzocken lassen. Aber die Insel ist teuer, wir werden das noch merken.

Am nächsten Tag erkunden wir zunächst den Hafenort Korissia, der in der großen, fast geschlossenen und geschützten Bucht von Agios Nikolaos liegt. Gegenüber ein schmucker Leuchtturm, nur einen Steinwurf entfernt, aber zu Fuß einige Kilometer entlang der Bucht. Siegt nett aus, der Ort, erinnert ein wenig an Katapola auf Amorgos, zumindest auf der Hafenseite. Nur Segelyachten hat es hier keine.


Frühstück in dem Café zwischen der Bäckerei und dem Metzger mit der Hakenleiste – Brot, Butter, Honig, Nescafé für 5 Euro. Wenn die auf Kea (ja, auch hier) den besten Honig weit und breit haben, warum bekommen wir dann abgepackte Honigportionen vom Festland? Schade. Und sparsam mit dem Brot sind sie auch. Wenigstens der Kaffee ist stark und heiß. (Am nächsten Tag werden wir im Internet-Café nebenan frühstücken, der hat dann noch nicht mal Frühstück, nur die zusammengeklappten Toasts mit Käse und Schinken.) An der Hafenpromenade 2 Supermärkte, einige Tavernen und Cafés, eine Souvlakibude, drei Ticketbüros, zwei Bäckereien, zwei Metzger, ein Pantopolio, ein Zeitschriftenladen, in dem ich mir eine Landkarte von Kea kaufe (leider nicht besonders gut, hatte gehofft, die Karte von Road Editions zu bekommen, aber Fehlanzeige).

Die Fähre kommt, wir bummeln vor zum Anleger. Ein Bus mit einer ganzen Gesellschaft älterer Damen und Herren verlässt das Schiff. Ein Chor oder Verein beim Ausflug am Samstag? Einer der Reisenden ist von der Überfahrt offenbar schlecht, mitgenommen kauert sie in den Auspuffgasen der Taxis und Autos, die das Schiff verlassen, ganz schön viele! Ein Leichenauto mit blumengeschmücktem Sarg ist auch darunter, da möchte jemand auf seiner Heimatinsel bestattet werden.


Wir gehen noch hinauf zur Kirche und dem Friedhof, die direkt oberhalb des Anlegers den Hafen abschliessen. Ein gepflegter Friedhof, da haben wir schon andere gesehen. Aber warum sind alle Türen der Kirche mit überdimensionalen Rollos verhängt? Finden keine Gottesdienste unten in Korissia statt? Auch die ganzen Tage auf Kea werden wir keinen Pappas sehen – eine „heidnische“ Insel? Beim oberen Bäcker (wie in Kamares auf Sifnos in 2. Reihe) kaufen wir eine Tüte Koulourakia als Proviant – mit Zimt oder Orangen, besser als die staubtrockenen Teile vom unteren Bäcker. In einer der Ticketagenturen fragen wir nach dem Bus hinauf in die Chora. „No bus“ heißt es, was nur teilweise stimmt: am Wochenende fährt keiner, aber es gibt einen, der allerdings zu Zeiten verkehrt, die sich uns nicht erschließen. Nun, die Griechen vom Festland kommen alle mit eigenen Autos (und keinen kleinen, sondern den allradgetriebenen Riesenkärren), die Einheimischen haben Autos oder müssen Taxi fahren. Der Strand sieht nicht sehr verlockend aus – zu viel angeschwemmter Müll, reichlich grün. In der Saison wird der Strand vermutlich gereingt, das lohnt jetzt nicht mehr. Hier noch einige Hotels, sehen aber geschlossen aus. Und etwas weiter vorne die Nobelanlage „Porto Suites“ mit Pool und Luxus – einige der Appartements sehen wir am Abend bewohnt, es ist ja Wochenende.

Mangels eines Busses wollen wir ein Taxi nach Ioulis oder Ioulida, der Chora nehmen. Jetzt ist natürlich weit und breit keines zu sehen. Wir warten ein wenig, da kommt eines. Was es nach Chora kostet? 5 Euro für die knapp 6 Kilometer, wir steigen ein. Es geht das Tal hinaus, an einer riesigen Baustelle vorbei (hier soll ein Hotel entstehen, in einer äußerst unattraktiven Lage, so was!) durch das grüne Tal des Milopotamos, dann in Serpentinen hinauf. An jeder 2. Kurve eine der kleinen Kapellen mit Lichtern drin, „Ikonostasi“ genannt. Wundert mich nicht, dass hier so viele Unfallopfer zu beklagen sind, unser Taxifahrer fährt auch wie ein Wilder und kann einmal nur knapp einen Zusammenstoss mit einem entgegenkommenden Auto vermeiden, der Kurvenschneider.

Wir sind froh als wir den malerisch an den Hang geschmiegten Ort Ioulis näherkommen sehen und schließlich da sind. Durch das Tor vom Bus- und Taxiplatz hinein auf die Piatsa mit einem schmucken Kafenion. Dann ein breiter Weg am archäologischen Museum vorbei (Eintritt EUR 3, wir werden es uns ein paar Tage später ansehen, einige interessante Exponate, vor allem die mit üppigen Brüsten ausgestatteten, fast lebensgroßen Terrakottafiguren von Agia Irini) vor zur zweiten Platia mit dem Rathaus und einer Taverne mit dem ungewöhnlichen Namen „Rolandos“. Aber Hunger haben wir keinen, wir wollen zum Löwen, der im labyrinthischen Gassengewirr von Ioulis praktischerweise ausgeschildert ist.


Aus dem Ort hinaus und vorbei am besonders prächtigen, stufenförmig angelegten Friedhof. Was auf dem Friedhof nicht mehr benötigt wird, wird einfach ins Tal unter dem Weg geworfen, gerade eine Rampe für den Schutt hat man noch über den Weg gebaut. Überall wachsen Alpenveilchen! Gegenüber im Tal, knapp 10 Minuten zu Fuß, sehen wir schon den Löwen, erst auf den zweiten Blick hebt er sich von der Umgebung ab. Er ist größer als gedacht (ca. 3 x 5 Meter), und hat diese archaische „Mona-Lisa-Lächeln“.  Ein sympathisches Tier, keineswegs furchteinflössend. Erstaunlich, dass er über 2500 Jahre so gut überstanden hat! Schön auch seine Lage in dem Tal außerhalb der Ortes. Welchen Zweck die Statue aus Schiefergestein erfüllt hat ist immer noch ungeklärt, eventuell diente er der Abwehr böser Geister. Schön sieht man Ioulis auf der anderen Talseite liegen.

 

Hier beim Löwen geht auch die Wanderung in den Inselosten los, nach Panagia Kastriani, die wir für den nächsten Tag planen. Heute erklimmen wir aber noch die Gassen von Ioulis – fast so schweißtreibend wie in Ermoupolis auf Syros, denn ganz ähnlich liegt der Ort malerisch am Hang hingestreckt. Es wird viel gebaut. Schade, dass man in Ioulis kaum Fremdenzimmer bekommt, vom "Filoxenia" wurde mir von einer Schweizerin abgeraten, und die privaten Zimmer muss man erst mal finden. Hätte uns gefallen, hier oben. Aber wie hätten wir bei unserer Ankunft abends hier etwas finden sollen? Die großen Kirchen hier sind auch alle verschlossen, mit den heruntergelassenen Rollos. Noch hinüber zum Kastro-Hügel – hier soll einmal das Hotel „Ioulis“ gewesen sein. Das Gebäude ist hinter hohen Zäunen mit Stacheldraht abgesperrt, wird es jetzt militärisch genutzt? Anders kann ich mir diese Barrikaden nicht erklären – schade, denn die Aussicht war bestimmt toll. Aber man kommt nicht mit dem Auto bis vor die Türe, für Griechen (vor allem auf Kea) ein Ausschlusskriterium....

Wir wandern zu Fuß hinunter nach Korissia, zuerst die Strasse, nach einem Kilometer zweigt ein schöner breiter Fußweg ab und kürzt die Serpentinen ab. In dem Weiler Milopotamos steht eine Kuh an der Straße und frisst. Eine ländliche Idylle! Gänse und eine Ente tummeln sich im schmalen Wasserlauf, an dem es oberhalb Mühlen geben soll – Wassermühlen! Für die Kykladen eine einmalige Sache, aber seit ein paar Jahren sind sie nicht mehr in Gebrauch und verfallen. Vollends hinunter nach Korissia, und gleich die Bucht entlang nach Vourkari, vorbei an noblen Hotels und Apartmentanlagen. Überall wird heftig gebaut. Die nächste Bucht ist die Jaliskari-Bucht mit einem schönen Sandstrand, Schatten durch ein Tamarisken- und Eukalyptuswäldchen, in dem ein Schwarm Krähen randaliert. Hier werden wir zum Baden herkommen, auch wenn das Wasser in der Bucht von Agios Nikolaos vielleicht nicht so sauber ist.

Hinter der nächsten Kurve taucht dann auch schon der Yachthafen von Vourkari auf. Einige Segelboote liegen da, und Fischerboote. Im Hafen von Korissia haben wir kein einziges gesehen, kein Wunder, der Hafen von Vourkari ist viel geschützter. In den Tavernen hat man sich voll auf Segler eingerichtet, sonst wirkt alles ein wenig zersiedelt, Häuser und Baustellen überall im Hinterland. Gegenüber ein Kapelle, dort müssen die Ausgrabungen von Agia Irini sein, immerhin aus der Bronzezeit und damit über 3500 Jahre alt! Eine Besichtigung ist aber nur von außen über den Zaun möglich.

Am Abend gehen wir in der Taverne „Apothiki“ essen. Auf dem Grossbildschirm läuft das vorletzte WM-Qualifikationsspiel der Griechen gegen Dänemark, das Lokal füllt sich. Aber bald geraten die Griechen in Rückstand, und die Chancen auf die WM-Teilnahme sinken zusammen mit der Stimmung auf den Nullpunkt. Hätte Rehakles doch besser nach der EM aufgehört... Das (reichliche) Essen haut uns auch nicht vom Hocker, (selbst die  - allerdings sehr wohlgenährten - Katzen verschmähen es), günstig war es auch nicht.

 

Für den nächsten Tag planen wir die Wanderung von Ioulis über Panagia Kastriani nach Otzias. 12 bis 15 Kilometer werden es wohl werden, je nach Reiseführer schwanken die Entfernungsangaben deutlich. Mit dem Taxi hinauf nach Ioulis. Es ist der gleiche Taxifahrer wie gestern, der flugs die Preise erhöht hat und oben 6 Euro verlangt. Nach dem Verweis auf das gestrige Entgelt gibt er sich auch mit 5 Euro zufrieden. Wir ziehen los, am Löwen vorbei auf einem schönen alten Kalderimi (= Eselsweg, Wanderweg). Nach wenigen Minuten sind wir an einer Quelle mit 13 Trögen fürs Vieh, hier müssen wir auf einen Schotterpfad, stoßen dann auf eine Piste, auf der wir die ganze Zeit bleiben. Nicht so schön zu laufen, aber wenigstens gut zu finden. Wieder eine Quelle, ein Autofahrer füllt Wasserkanister. 5 Buben auf 2 Mountainbikes – jeweils 2 auf einem Rad - preschen immer wieder an uns vorbei, dann passieren wir sie während sie ihre Räder reparieren müssen – der Härtetest fürs Material, vor allem Felgen und Bremsen. Der Kleinste hat Pech, er muss laufen, darf nicht mitfahren. Unten am Meer sehen wir Otzias liegen, direkt wären wir in einer Stunde dort, aber wir machen ja Umwege. Bauernhäuser und unbewohnte Ferienhäuser wechseln sich ab, stets sieht man irgendwo ein Haus auf einem Hügel. Von den Nachbarinseln ist nichts zu sehen, das Wetter ist trübe, der Himmel bewölkt. Wenigstens schwitzen wir so nicht.

Nach etwa zwei Stunden sehen wir vorne unten auf einer Felsenkuppe über dem Meer das Kloster Panagia Kastriani liegen. Die Piste dorthin können wir auf einem Weg abkürzen, hoffentlich hat das Kloster gerade nicht geschlossen, es ist 14 Uhr vorbei. Es gibt aber unseres Wissens keine Mönche oder Nonnen mehr dort, und „decently dressed“ sind wir auch nicht. Das letzte Stück hinauf überrascht uns eine nagelneu asphaltierte Strasse, die wohl von Otzias hierher führt. Zwei Kettenhunde (wenigstens an langen Ketten) bellen uns an. Die Klosteranlage ist offen, man soll hier auch Zimmer mieten können, 2 Frauen passen auf die Anlage auf. Drei mickrige Kätzchen streuen herum, jammern uns gleich an, sie werden etwas von unserem Vesper bekommen. Eines hat eine dicke Backe, armes Viech.... Die Kirche ist offen, wir sehen uns die Ikone an, zünden eine Kerze an. Ein wenig trostlos wirkt das Kloster, was wohl auch am Wetter liegt. Kein Vergleich mit der Panagia Chrissopigi auf Sifnos. Wir essen unsere Kringel, die hungrigen Kätzchen stürzen sich auf alles was sie bekommen. Sind etwas dumm, die Tierchen, man muss ihnen das Essen schon direkt vor die Nase legen damit sie es finden. Den Winter werden sie kaum überleben, arme Herbstkätzchen.

 

Nach der Rast nehmen wir die Asphaltstrasse unter die Füße, sie wurde erst im letzten Jahr gerichtet. Nicht angenehm zu laufen, aber es gibt keine Alternative. 5 Kilometer bis Otzias. Nur zwei oder drei Autos begegnen uns. Eigentlich hätte man hier einen schönen Blick nach Andros, Tinos und Jaros (noch so einen Verbannungsinsel, Kea ist geradezu eingerahmt davon), wir sehen aber nur eine Highspeedfähre vorbeifahren, der Rest verschwindet im Dunst. Dann, endlich, liegen die Häuser von Otzias unter uns. Die Strasse macht aber noch heftige Serpentinen, es erinnert an eine Carrarabahn, so frisch geteert und markiert. Eine Direttissima gibt es leider nicht, wir müssen die Kurven auslaufen und probieren weiter unten eine Abkürzung über ein Baustelle, die uns dann aber auch in einem weiten Bogen nach unten führt. Das ist nun Otzias, unser Ziel. Wir sind enttäuscht: es ist so tote Hose wie man sich nur vorstellen kann, die Tavernen zu. Eine Ortskern gibt es nicht, nur verstreute Häuser. Der Strand macht auch keinen so tollen Eindruck, der Nordwind hat Müll in die Bucht hereingetrieben, da habe ich mein Badezeug umsonst mitgeschleppt. Und kühl ist es auch. Ein Taxi werden wir hier nicht bekommen.

 

Wenigstens finden wir dann doch die Taverne „Otzias“ geöffnet, stärken uns mit einem Kaffee. Dann gehen wir die 5 Kilometer nach Korissia eben auch zu Fuß, man hat es ja vorhin schon in der nächsten Bucht liegen sehen. Keine schlechte Idee, denn die Straße führt durch eine fruchtbare Gegend, rechts und links liegen Höfe mit Feldern, Granatapfelbäumen, Orangen, Zitronen, Feigen, Mandeln. Gefällt uns. Auch hier Sommerhäuser auf den Hügel, es wird gebaut – aber nicht heute, es ist Sonntag.

Dann erreichen wir Vourkari, schließlich Korissia. War eine längere Wanderung als gedacht, puhh! Dafür gönnen wir uns ein schönes Essen in der Taverne „Lagoudera“ ganz vor am Hafen, sehen zum Ende des Sabbatokyriaki die Athener wieder abreisen, im Hafen wird es ruhiger. In der Taverne schmeckt es uns am besten, die Preis sind im Rahmen und der Wirt sehr freundlich. Heute hat er Lachanokeftedes – mmhh, lange nicht mehr gehabt. Wir werden auch die nächsten Abende hier speisen.

Am nächsten Tag wollen wir ein Auto mieten um den Süden der Insel zu erkunden. Es gibt einen Autoverleih neben der Taverne "Apothiki". Aber niemand ist da, dafür hängt ein Zettel an der Türe mit einer Telefonnummer, die man anrufen soll. Die Telefonnummer ist immer belegt, auch unter den anderen Nummern, die auf den Autos stehen, erreichen wir niemand. Allmählich haben wir Kea satt, nichts geht so einfach wie auf anderen Inseln hier. Morgen nehmen wir die Fähre nach Kythnos! Nach der Gewalttour von gestern haben wir auch keine Lust zum Wandern, werden wir eben weite Teile der Insel nicht zu Gesicht bekommen, was soll's!


Und wir machen uns einen faulen Tag am Strand von Jaliskari, bummeln nach Vourkari, uns die Ausgrabungen ansehen. Am Strand sind wir zunächst alleine, später kommt noch eine deutsche Familie, sind denn schon wieder Ferien? Das Wasser hat etwa 21°C. Der Besitzer des Strandcafés baut ab, die Saison ist zu Ende. Lange halten wir es nicht aus am Strand, es wird uns kalt, der Wind verlangt Kleidung. In Vourkari wollen wir etwas essen, leider hat die Taverne "Strofi tou Mimi" auf der anderen Seite der Bucht, die wir gestern noch offen gesehen haben, nun zu. Wir beobachten die Enten und Gänse und einen kleinen Silberreiher, der durch die Uferböschung huscht. Wenn wir schon so weit auf der anderen Seite der Bucht sind, sehen wir uns die Ausgrabungen von Agia Irini an. Wenigstens durch und über den Zaun kann man gucken, schön ist auch das Felsenplätzchen vor der Kapelle am Meer.
Zum Essen gehen wir nun zurück nach Vourkari, in der Taverne "Nikos" essen wir einen guten griechischen Salat und "Mostra" (getrocknetes Brot mit Tomaten, scharfer Käsecreme und Öl) und ärgern uns nicht über die 2 Euro pro Person, die für Brot und Gedeck verlangt werden. Schön kann man hier das Treiben auf den Segelbooten beobachten, auf dem einen ist Haarwäsche angesagt, die anderen richten zum Essen.

Wir verbummeln den Tag und wollen abends die Tickets nach Kythnos für morgen (Dienstag) lösen, eine tägliche Verbindung existiert nicht, die nächste geht am Donnerstag. Unser Vermieter vom Hotel "Korissia" möchte auch wissen, wie lange wir bleiben, wahrscheinlich will er seine Laden zumachen. Wir wollen die Fähre um 7 Uhr nehmen, sagen wir ihm. Er ist verwirrt, da ginge doch keine? Erst um 10 Uhr... Vor dem Essen also schnell noch ins Ticketbüro ganz vorne am Hafen (die anderen verkaufen diese Tickets nicht). Wann denn Schiffe nach Kythnos gingen? Um 7 und um 10 Uhr. Ich wundere mich, 2 Schiffe innerhalb von 3 Stunden, und dann tagelang nichts? GTP hat nur eine Fähre um 7.10 Uhr angezeigt... Ob sie sicher sei? Dann hätten wir gerne Tickets für 10 Uhr, muss ja nicht so früh sein. Sie hätte "technical problems" mit dem PC, könne uns keine Tickets verkaufen im Moment, wir sollen später wiederkommen, oder morgen früh. "Später" - nach dem Essen im "Lagoudera", Linsensuppe, lecker, für stolze 6 Euro die Portion - hat sie zu. Nun, morgen vormittag reicht ja auch noch.

 

Um 9 Uhr sind wir am Dienstag am Hafen, wollen gemütlich frühstücken vor der Weiterfahrt. Unser Vermieter hatte wohl keine Lust, uns zum Hafen zu bringen, obwohl er sieht, dass wir uns mit den schweren Rucksäcken herumquälen. Er wird uns nicht wiedersehen. Zuerst ins Ticketbüro. Das Schiff "Panagia Tinou" hätte "mechanical problems" (wer hat die hier eigentlich nicht?), sie wäre noch in Lavrio im Hafen und führe "maybe"... Wir frühstücken in aller Ruhe, die Metzgerei nebenan hat eine ganze Ladung Hühner an den Haken vor seinem Laden hängen, es erinnert an "Max und Moritz" mit "Witwe Bolte". Zwei junge Katzen umschleichen das tote Geflügel. Dann kommt ein LKW, ganze Schweine werden ausgeladen, und riesige Rinderteile, die nun neben den Hühnern hängen. Eine Katze macht Männchen, beisst ein Schwein in die Schnauze, wird vom Metzger verscheucht, kommt aber gleich wieder. Ich schlappe vor zum Ticketbüro, noch immer "maybe". Wir warten weiter im Cafe, gegen 11 Uhr beschließen wir einen Ortswechsel vor zum Anleger, es fängt an zu tröpfeln und ist ungemütlich. Wir dürfen im "Lagoudera" unterschlüpfen. Ich möchte nur weg von der blöden Insel. Da können wir ja warten bis wir schwarz werden, und ob die Fähre überhaupt kommt? Sollen wir nach Lavrio fahren und dann über Rafina nach Andros? Klingt stressig... Dann vielleicht besser doch bleiben und am Donnerstag fahren.

Ich frage im Hotel "Karthea", was ein Doppelzimmer kostet, und sehe mir die Zimmer an. Man hat einen wundervollen Blick auf die Hafenpromenade und die Bucht, die Zimmer und das Bad sind tiptop und großzügig, gefällt uns viel besser als das "Korissia". Und die junge Frau am Empfang ist sehr freundlich. Das DZ kostet auch 40 Euro (ist hier einfach teuerer, das wissen wir schon) und das Frühstück 5 Euro. Ich bin angetan, und erkläre das auch meiner Mutter. Um 12 Uhr beschließen wir, das Warten auf die potentielle Fähre abzubrechen, ins Hotel "Karthea" zu gehen und uns nicht zu ärgern, wenn die Fähre 5 Minuten später um die Ecke kommt. 

Was tun mit dem angebrochenen Tag? Im Hotel sitzen und frieren kommt nicht in Frage, also wandern. Ich möchte gerne zum Turm von Agia Marina, die Wanderung dorthin und weiter nach Pisses ist in unserem Wanderführer "Westkykladen" vom Peter-Meyer-Verlag beschrieben. Aber wie von Pisses wieder heimkommen, wenn es dort so tot ist wie in Otzias? Wir werden also nach Agia Marina wandern, und auf dem gleichen Weg wieder zurück. Das erste Stück die Strasse hinauf bis Milopotamos kennen wir bereits. Dann nehmen wir die Piste rechts des Flusses das Tal hinauf, tatsächlich gibt es auf der anderen Seite des Flusses auch einen Eselspfad, den wir aber erst auf dem Rückweg sehen und der mitten durch das grüne Tal führt und den Fluss (na ja, o.k., es ist ein Bach, aber Wasser ist drin!) auch einmal quert. Ich kann mich an keine Kykladeninsel erinnern, auf der ich im Oktober noch einen Bach mit Wasser darin gesehen hätte, nicht einmal auf Naxos. Entweder war der Sommer und Frühherbst sehr nass, oder diese Insel hat immer so viele Quellen und Wasser.

Das gefällt mir, und ich bin froh, dass wir nicht mit den negativen Eindrücken heute morgen von der Insel abgereist sind. Die Piste steigt leicht bergan, unten sehen wir mehrere Gebäude, wohl unbewohnt, zu denen Wasserkanäle führen. Das müssen die Mühlen sein. Walnüsse wachsen hier, und Feigen. Schafe am Weg, Esel, Mulis, Ziegen, glückliche Schweine mit Jungen (ich muss an die "Ware" in der Metzgerei heute morgen denken.). Weiter oben hat es mehr Olivenbäume, auch Bienenstöcke sehen wir, irgendwoher muss der Honig für die Inselspezialität "Pasteli" (Süssigkeit mit Sesam, Honig und Mandeln) ja kommen. Und Eichen mit riesigen Früchten mit dornigen Schalen. Nach einer knappen Stunde sind wir oben auf dem Sattel, der Wind hat doch tatsächlich etwas nachgelassen. Nun geht es wieder auf einen Eselsweg, er ist etwas zugewachsen, aber eindeutig ein Weg. Wir erschrecken einige Ziegen in einem Stall, ruhig ist es hier! Am Wege jede Menge süße, reife Brombeeren, wir schlagen uns den Bauch voll, schon wieder eine Kykladenpremiere! Diese Insel überrascht uns immer wieder! Auch die blauen, enzianähnlichen Blumen, die auf einer Wiese blühen, haben wir noch nie gesehen.


Etwa 20 Minuten geht es den Weg bergab, da taucht vor uns plötzlich der Turm von Agia Marina auf. Ich bin überrascht, viel mehr als einige Grundmauern hatte ich nicht erwartet. Die Ruine ist aber bestimmt richtig hoch, auf der einen Seite bereits eingestürzt.  Der quadratische Turm mit einer Seitenlänge von gut 10 Metern stammt aus hellenistischer Zeit, ist also etwa 2300 Jahre alt. Noch vor 100 Jahren muss er sehr gut erhalten gewesen sein, jetzt verfällt er. Es war kein Wachturm, denn er liegt in einem Tal mit wenig Aussicht. Vermutlich diente er als Fluchtburg, ein ganzes Netz solcher Türme soll sich einst über die Kykladen erstreckt haben. An seiner Seite die Kapelle Agia Marina, früher gab es auch noch ein Kloster. Wir betreten das Gelände durch ein Tor, mit Baustellenband ist der Turm abgesperrt, Schilder warnen davor, sich zu nähern. Wir möchten gerade zur Kirche hinüber, als aus dem Nichts eine Aufseherin auftaucht und uns klarmacht, dass wir vom Turm weggehen sollen. Es sei gefährlich, Teile könnten sich lösen. Erst letzte Woche sei bei Regen und Wind ein Stück aus dem Turm gebrochen. Die Renovierung dieses eindruckvollen Gebäudes sei zu teuer, so fällt es allmählich ein, obwohl s aus der gleichen Zeit wie der Parthenon in Athen stamme (ich dachte, der wäre klassisch, also älter?). Da man auch mit dem Auto zum Turm fahren kann, kommen doch so viele Besucher, dass es notwendig ist, eine Aufseherin einzustellen. Sie weist uns noch darauf hin, dass etwas unterhalb eine Quelle mit sehr guten Wasser sei, wir füllen unsere Trinkflaschen obwohl das Wetter nicht so durstig macht. Dann geht es auf den Rückweg, noch mal einige Brombeeren, und im Fluss Milopotamos auf der anderen Seite hinunter.

Als wir gegen 18 Uhr wieder in Korissia ankommen, biegt gerade "unsere" Fähre "Panagia Tinou" um die Ecke! Sie ist also doch noch gekommen, kaum zu glauben. Wir sind nun aber nicht unglücklich darüber, denn diese Wanderung hat uns einen ganz neuen, besseren Eindruck von Kea verschafft.

Die Abendstimmung genießen wir auf unserem Zimmer mit Blick auf die Hafenpromenade, auf dem Balkon zieht es zu sehr, und die ganze Nacht hören wir nur Wind und Wellen in dem Eckzimmer. Im Sommer hat man vielleicht Probleme mit dem Lärm von unten, Strasse und Cafés, aber nun finden wir es nur schön, wieder einen Meerblick zu haben.

 

Und am nächsten Tag wollen wir es nochmals mit einem Mietauto versuchen. Im Hotel haben wir erfahren, dass man in der Bäckerei direkt hier ein Mietauto bekommen kann - und es klappt. Zuvor bekommen wir aber noch ein leckeres Frühstück, nachdem wir zuerst im Frühstücksraum des Hotels niemand gefunden haben (wir sind auch hier die einzigen Gäste) und schließlich eine Frau (die Besitzerin? die Köchin?) aufgestöbert haben. Endlich einmal ein Frühstück, dass auch sein Geld wert ist, mit Kaffee und Brot satt, Orangensaft, selbstgemachter Marmelade, Honig und Marmorkuchen. Wir hätten gleich hier ins Hotel ziehen müssen...

 

Nun rüber zum Bäcker, wo ich schon am Vorabend einen Suzuki Swift für 25 Euro pro Tag bestellt habe. Der Bäcker(?) tankt ihn schnell noch voll, ein neues Modell ist es gerade nicht, hat schon über 70.000 Kilometer auf dem Buckel - und hier auf der Insel zählt jeder Kilometer doppelt. Das Lenkrad klebt, und beim Einschlagen um mehr als 90 Grad leistet es Widerstand (Servolenkung hat es natürlich keine). Mit einem feuchten Tüchlein reinigen wir wenigstens notdürftig das Lenkrad, sonst wäre es zu eklig. Die Bremsen zeigen auch nur wenig Wirkung, gut dass es auf der Insel nicht viel Verkehr gibt! Schon eine Frechheit, so eine Karre zu vermieten, na, jeden Tag stehen ein paar Dumme auf, heute waren wir es. Hoffentlich bleiben wir nicht irgendwo liegen.


Die Strasse führt uns hinauf nach Chora/Ioulis. Die engen Gassen sind natürlich autofrei, wir stellen das Auto auf dem Parkplatz vor dem Ort ab, und besuchen das archäologische Museum. Ganz interessant, und wohl erst in letzter Zeit neu gerichtet. Wir sind die einzigen Besucher, der Wächter macht extra für uns das Licht an.

Danach fahren wir mit dem Auto weiter Richtung Kato Meria. Rechts taucht der Profitis Elias auf (568 Meter hoch), wie meist mit auf den Inseln mit Antennen und Sendemasten bestückt. Immer wieder Kapellen, eine Piste führt hinunter zur Bucht von Sikamia - soll ein sehr schöner Badeplatz sein. Aber den Straßenzustand möchte ich der Schrottkarre (noch) nicht zumuten, und richtiges Badewetter ist auch nicht. Außerdem wollen wir nach Karthea und müssen uns sputen.
Vor Kato Meria liegt rechts die sehenswerte Kirche Agii Apostoli aus dem 12. Jahrhundert. Inzwischen bin ich etwas faul geworden und fahre den Feldweg fast bis zur Kirche. Ein Esel befindet sich auf dem eingezäunten Grundstück und bewacht die Kirche. Sieht sehr hübsch aus mit ihrer Kreuzkuppel, aber hinein möchte ich natürlich schon. Hinter dem Tor drängt schon der Esel, wir versuchen es über die Mauer, es hat extra Trittsteine. Meine Mutter traut sich nicht so recht, hat Respekt vor dem Tier. Dank eines Ablenkungsmanövers erreichen wir die Kirche vor dem Vieh. Es gibt noch alte Freskenreste in dem Kirchlein, und eine Ikonostase aus Marmor, wirklich schön! Wieder draußen hat der Esel mit dem Instinkt eines Tieres natürlich bemerkt, dass meine Mutter Angst vor ihm hat und setzt ihr nach, gerade noch kommt sie über die Mauer.
Durch Kato Meria fahren wir nur durch, ein kleiner Ort ohne richtigen Ortskern, aber mit einer Volksschule!

 

Ein Stück weiter auf der prima asphaltierten Strasse nach Süden sehen wir links ein Schild "Karthea". An einer Zisterne parken wir das Auto, schnüren die Wanderstiefel, Badesachen nicht vergessen! Die ersten 500 Meter noch auf einer Betonpiste (beim Aufstieg später wird sie uns beinahe den Rest geben) geht es an einigen Bauernhöfen vorbei (mit 10 bis 12 rosigen Ferkelchen) talabwärts. Dann wird der Weg zu einem wunderbaren Stufenweg, der nur einen Nachteil hat: er geht ordentlich bergab. Nachher müssen wir hier wieder hinauf, uns graut davor. Einige Stellen sind besonders steil. Aber Karthea liegt am Meer, 350 Meter tiefer - sonst kommt man nur per Boot hin. Ein grünes Tal, schon fast eine Schlucht, liegt links von uns, es duftet stark nach Salbei. Nach einer knappen halben Stunde sind wir im Talboden, auch hier eine Quelle. Nun noch etwa 15 Minuten im Bachbett nach vorne, das Tal öffnet sich und gibt einen traumhafter Strand, etwas 200 Meter breit, frei. Rechts eine Kapelle, ein Häuschen. Links oben auf dem Felsen die Ausgrabungen, zwei Schubkarren stehe so, als wären die Archäologen eben erst weggegangen. Aber wir sehen niemand.

Ich stürze mich ins Meer, es ist herrlich, den Bikini brauche ich nicht, auch wenn ich das Gefühl habe, es würde uns jemand beobachten - sind wohl nur ein paar Ziegen oder ein Esel. Wunderschöne Kiesel hat es hier, man könnte wieder kiloweise einpacken. Der Blick hinüber nach Kythnos - dort soll es morgen hingehen wenn es jetzt klappt.

Nach dem erfrischenden Bad schauen wir uns die Ausgrabungen an: hier wird viel gerichtet, ein Stufenweg gebaut. Überall liegen numerierte Scherben und Steine herum. Die Fundamente des Apollo- und des Athene-Tempels sind gut erhalten, werden wohl teilweise wieder aufgebaut. Ein paar Säulenstümpfe. Ein Kran, ein Bagger - eine richtige Baustelle. Aber niemand da, auch hier. Vermutlich sind die Arbeiten für dieses Jahr beendet. Zwischen den Trümmern büschelweise goldgelbe, krokusähnliche Blumen, Herbstzeitlosen tippe ich. Später werde ich nachsehen und die Blumen als "Herbst-Goldbecher" identifizieren.


Wir machen uns an den gefürchteten Wiederaufstieg. Zum Glück liegt der Weg nun, am Nachmittag gegen 16 Uhr, schon im Schatten. Wir schwitzen trotzdem, einige Stellen sind sehr steil. Ein Muli sollte man haben - ihre Spuren sehen wir auf dem Weg immer wieder. Eine gute Stunde brauchen wir hinauf, sind erledigt. Aber schön war es trotzdem, hat sich gelohnt!


Mit dem Auto auf dem Strasse weiter, eigentlich hätte es laut Karte nur eine Staubstrasse sein sollen, aber auch hier waren die Strassenbauer tätig. Ich werde mutig: dann können wir ja noch auf der südlichen Strasse über Kampi und Koundouros nach Pisses fahren, ist sogar ausgeschildert. Nach ein paar hundert Metern wird die Strasse schlechter, wird zur Schotterpiste. Da unten sieht sie doch ganz gut aus, ist sicher nur ein kurzes Stück. Eine optische Täuschung - da unten ist die Strasse genauso schlecht. Voll konzentriert auf die Löcher und Steine holpern wir bergab, nur nicht aufsitzen. In Punkto Bodenfreiheit ist der Suzuki Swift gar nicht so schlecht, mit einem Matix hätte ich wohl umgedreht. Und ausserdem ist das Auto eh schon Schrott - aber kein Grund, sich den Unterboden aufzureissen und hier in der Pampa liegenzubleiben. Ein entgegenkommendes Allradauto hüllt uns in eine Staubwolke. Deshalb fahren die hier alle diese benzinfressenden Riesenautos. "Du kannst dir ruhig die Landschaft ansehen, es reicht, wenn ich auf die Strasse starre.". Nein, auch meine Mutter kann den Blick nicht vom Weg lösen.

Nach endlos erscheinenden Kilometern (keine Ahnung, wieviele es eigentlich waren) erreichen wir Kampi und damit das Meer. Eine Bucht mit Bauernhof, einige Ferienhäuser - die Strasse wird nicht besser. Vorsicht, eine Handvoll Puten tummeln sich auf der Strasse, wollen keinen Platz machen. Wir kriechen die Küste entlang, die Bebauung nimmt zu, die Strasse bleibt schlecht. Bei Koundouros einige Tavernen, Hotels - alles ausgestorben, geschlossen,  Nachnachnachsaison. Aber der Strand sieht nicht schlecht aus, wir bummeln ein wenig, zum Baden ist es schon zu spät und  kühl. Endlich wieder Asphalt unter den Rädern, eine Erlösung. Und das Auto klappert auch nicht mehr als zuvor. Die Küstenstrasse entlang nach Pisses, das jetzt, in der Nachsaison abends um halb sieben, so tot aussieht wie Otzias. Ist auch kleiner als ich gedacht habe. Auf dem Rückweg nach Ioulis sehen wir auf der linken Seite den Turm von Agia Marina liegen. Den kann man sogar, wie ich später sehe, auf dem sehr guten Kea-Luftbild von Google Earth erkennen.

In Ioulis halten wir nochmals, weil wir in der vielgerühmten Taverne "To Steki" dort essen möchten. Aber leider hat sie zu, oder sind wir zu früh dran? Aus allen Tavernen, Läden und Cafés hören und sehen wir die Fussballübertragung des letzten WM-Qualifikationsspieles der Griechen gegen Georgien. Auch der 1:0 Sieg der Griechen hilft nicht mehr zur Qualifikation, die Stimmung bleibt ruhig. Wir fahren hinunter nach Korissia, tanken noch für 3 Euro an der Tankstelle in Milopotamos, mehr haben wir nicht gebraucht. Ich gebe das Auto zurück, besser, er sieht es nur im Dunkeln ;-) Ob ich Probleme gehabt hätte? Aber nein, grinse ich ihn an, alles bestens.


Wir gehen auch am letzten Abend wieder im "Lagoudera" essen. Die Souzoukakia und der gebackene Feta sind besonders lecker. Vorher kaufe ich im Ticketbüros die Fahrkarten für den nächsten Tag nach Kythnos. Es geht nur eine Fähre, um 7.10 Uhr am Morgen. Und am Dienstag wäre es genauso gewesen, da hat uns die "Maybe"-Frau einen Bären aufgebunden mit ihrem Märchen von der Fähre um 10 Uhr. Egal, ist ja eh nicht (pünktlich) gekommen. Und wir sind froh, dass wir die Insel so  doch noch von ihrer guten Seite kennengelernt haben.

 

Kurz vor 7 Uhr stehen wir am nächsten Tag am Hafen. Die Fähre nach Lavrio verlässt den Hafen, danach wartet ausser uns nur noch ein Paar auf die Fähre nach Kythnos, die wohl noch nach Syros weiterfahren wird. Es ist frisch am Morgen. Die "Maybe-Dame" kommt aus dem Reisebüro und erklärt uns, die "Panagia Tinou" hätte eine Stunde Verspätung. Eine Stunde, das ist ja gar nichts, wir warten und frieren. Und dann kommt sie endlich, unsere Fähre, ein kurzer Stopp, schnell rauf und weiter gehts.
Tschüss Kea, ob wir dich wiedersehen werden?

Wohl eher nicht....


erlebt im Oktober 2005