In Täler und auf Gipfel

Der Nordwind mit fünf bis sechs Beaufort hält an. Dieses Mal bin ich gleich erst um neun Uhr beim Bäcker. Ich muss etwas trotzdem etwas warten und kann dann zugucken, wie das frische Brot aus dem Ofen gezogen wird. Mhhh! Erstaunlicherweise für griechisches Brot hält es sich gut und kann auch am nächsten und übernächsten Tag ungetoastet noch gut gegessen werden. Was mir an diesen Tagen immerhin das Warten auf Brot erspart. Im Urlaub bin ich eher Frühaufsteherin.

 

Bevor ich nach Kiona fahre, habe ich noch den Vormittag Zeit, das Museum für Marmorhandwerk zu besuchen. Das ist auch beim Zweitbesuch sehenswert. Acht Euro kostet der Eintritt inzwischen, aber das lohnt sich. Faszinierend etwa die Übersicht mit vielen Marmortafeln weltweiter Provenienz, die demonstrieren, dass Marmor nicht unbedingt weiß oder hell sein muss. Das erinnert mich auch an das Marmormuseum in Carrara, das ich vor vielen Jahren besucht habe.

 

Bei diesem Tinos-Aufenthalt möchte ich unbedingt noch in einen Marmorsteinbruch. Allerdings wird Günter mir später erzählen, dass der Abbau auf Tinos inzwischen völlig eingestellt ist, und aus den Steinbrüchen nur noch die bereits gebrochenen Blöcke abtransportiert werden. Genauer: aus dem einen Steinbruch nördlich von Marlas. Und dass der Marmor, der auf Tinos durchaus noch in größeren Mengen be- und verarbeitet wird, von anderswoher stammt, da der Abbau hier inzwischen zu teuer geworden ist. Auch wenn er nicht mehr auf so primitive Art gebrochen wird, wie es ein Film im Museum demonstriert.

Marmor nach Tinos bringen - absurde Zeiten! Ich weiß gar nicht ob ich das glauben kann. Interessant sind aber auch die Ausführungen über die örtliche Bildhauerkunst im Museum.

Als eine riesige Gruppe Schüler das Museum entert, wird es Zeit für mich zu gehen. Wobei ich staune, wie mucksmäuschenstill die nach ein paar Pfiffen des Lehrers sind, und sich brav auf den Boden des Museums setzen.

Auf dem Weg zurück ins Quartier genieße ich den Blick über die Hügel um Pyrgos. Das Gebäude der Bildhauerschule wird renoviert, ob der Unterricht trotzdem dort stattfindet, oder woanders?

Eine halbe Stunde rechne ich für die Fahrt nach Kionia. Wie immer bläst der Wind in Sturmstärke als ich den kleinen Pass vor Ysternia überquere. Ich halte nochmals kurz am Tinos Beach Hotel um mir der ausgebeinten Kasten von vorne anzusehen. Erstaunlich eigentlich, dass man ihn nicht ganz abgerissen und komplett neu gebaut hat.

Ich muss nicht lange in Kionia warten bis Monika und Günter kommen. Ich freue mich sehr, die beiden wiederzusehen und mit ihnen zu wandern und zu schwätzen!

 

Wir lassen mein Auto stehen und fahren mit dem anderen hinauf zur Straßenkreuzung bei Tripotamos. Über Ktikados wollen wir auf dem Tinos Trail T1/T1A hinab nach Kionia wandern. Günter hat die Route ausgewählt, da der größte Teil der Wanderung relativ windgeschützt im Tal verläuft. Um Viertel nach eins starte ich die Aufzeichnung unseres Tracks.

 

Der Weg verläuft leicht bergab entlang eines Tales durch terrassiertes Gelände mit vom Wind gekämmten Getreide. Ob hier noch geerntet wird, oder ist das inzwischen reiner Wildwuchs? Eine ziegelgedeckte, eckige Kapelle grüßt von der Ferne, davor sind die Ruinen von Häusern zu sehen. Ein verlassenes Dorf? Günter erzählt etwas darüber, das ich leider wieder vergessen habe.

Nach einer halben Stunde erreichen wir die Kapelle der Kira Xeni (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kloster bei Marlas) Sie ist unverschlossen und innen zweigeteilt. Zeit für Kerzen.

 

Weiter abwärts durch Olivenhaine bis wir bei einer alten Steinbrücke das Bachbett queren, und jenseits nach Ktikados aufsteigen. Die große Kirche bei den Ruinen thront nun über uns.

Nun aufwärts Richtung Ktikados, unvermittelt wieder stärkeren Böen ausgesetzt.

Wir gehen gemütlich und erreichen nach einer Stunde von Süden her Ktikados. Das große alte Schulhaus mit zerbrochenen Fenstern lässt ahnen, dass es hier früher viel mehr Einwohner und Kinder gab. Monika und Günter schauen auch kurz in die Taverne "Drossia" hinein, eines meiner Lieblingslokale auf Tinos, und schwätzen mit dem Wirt. Als quasi schon Einheimische kennen sie die familiären Zusammenhänge, während ich nur weiß, dass die gleiche Familie auch das "Maïstrali" in Kionia betreibt, wo wir nachher einkehren wollen. Der nette Wirt hier will uns unbedingt von seinem Raki probieren lassen. Raki mittags um halb drei Uhr und auf einer Wanderung? Wir wehren uns semi-erfolgreich, bekommen dafür eine Flasche Wasser mit. Es ist schon warm, auch wenn der Wind einen das weniger fühlen lässt.

Von Ktikados führt der Weg - seit der Steinbrücke der Trail T1A - nun oberhalb des weiten Tales von Kionia, wo man den großen dunklen Kasten des Tinos Beach Hotel gut sehen kann. Bei unserem allerersten Tinos-Aufenthalt 1991 sind wir vom Hotel hinauf nach Ktikados und zurück gewandert, und das muss auf diesem Weg gewesen sein. Damals zum Entsetzen der Einheimischen: Wandern! Wo es doch so viele Schlangen gibt! Und auch noch ohne Stock! Wahnsinnig.... Dabei wurde damals bei mir die Basis für Dutzende Kykladenaufenthalte inklusive Wandern gelegt .... es ist ja auch zu schön hier! 

 

Ktikados bliebt weiter zurück, und inzwischen wächst der Kegel des Exomburgo dahinter sichtbar in die Höhe. Nichts für windige Tage wie heute.

Vermutlich sind es blühenden Olivenbäume, die bei mir plötzlich eine Heuschnupfenattacke vom Feinsten auslösten: heftiges Niesen, laufende Nase, tränende Augen. Ich suche und finde noch eine Antihistamin-Tablette und hoffe, dass sie schnell wirkt. Schniefe wandernd weiter. Klar, der Wind wirbelt die Pollen natürlich auf. Das erinnert mich an Meganisi, wo Mama und ich von ähnlichen Schnupfenanfällen geplagt waren bis wir auf die Idee mit dem Heuschnupfen (und dem Gegenmittel) kamen.

 

Die dunkelblaue Silhouette von Syros schließt das Tal am Horizont ab, die flachen Hänge sind von den Resten der ehemaligen Terrassierung überzogen. Manchmal gelb von Blumen. Und natürlich stehen immer wieder Taubenhäuser da, in Weiß und Steinbraun. Bei unserer ersten Tinos-Wanderung damals habe ich genau dieses Taubenquartier fotografiert, und das Foto hing lange bei meiner Mutter. 

 

Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Ausläufer von Kionia, übersteigen die knöchernen Überreste einer Ziege oder eines Schafes auf dem Weg. Mhhh, eher kein Zicklein heute im "Maïstrali" ....

An Kionia vorbei führt der Weg hinter dem Ausgrabungsgelände des Poseidon-Amphitrite-Tempels vorbei zum "Maïstrali". Knapp sechs Kilometer waren wir unterwegs, in etwas unter zwei Stunden reiner Gehzeit bei 62 Metern bergauf und 377 bergab. War eine schöne Wanderung, und perfekt für das Wetter heute.

 

Wir bestellen Salat mit Rucola, Tirokafteri, gekochter Kalamar mit Fava und frittierte Garnelen. Der Kalamar ist leider etwas zäh, aber der Rest schmeckt ausgezeichnet, und der Weißwein dazu auch. Wir schwätzen noch eine Weile, bezahlen dann und ich bringe Monika und Günter hinauf nach Tripotamos zum Auto, wo wir uns verabschieden.

Schnell erledige ich noch einige Besorgungen - einen Heuschnupfenmittel! - in Tinos-Stadt, dann fahre ich zurück nach Pyrgos.

Das späte Nachmittagslicht taucht die Insel in weiche Farben und ich bin völlig geflasht vom Anblick. Vor Pyrgos lege ich einen Abstecher Richtung Marmor-Museum ein, um mir dort ein Ferienquartier, die "Pirgos Suites", anzusehen. Einen schöne Blick über den Ort hat man von dort, aber auch ein paar Schritte mehr zum Einkaufen und zum Bäcker. Vom höheren Preis ganz zu schweigen. Nein, das passt schon bei mir.

 

Noch satt vom späten Mittagessen fällt das externe Abendessen heute aus. Stattdessen gibt es Ouzo mit Nüssen auf der immer noch windigen Terrasse, und einen schönen Sonnenuntergang hinter dem Profitis Ilias. Morgen soll der Wind nachlassen. Dann möchte ich dort hinauf.

 

*

 

Mit dem gestern gekauften Brot frühstücke ich beizeiten auf meinem Balkon. Sehe mir dann die Wandermöglichkeiten auf den Profitis Ilias an. Der Gipfel ist Teil des Tinos Trails E3, genauer: die Abzweigung E3E. Klingt gut, und ich beschließe, ab hier zum Gipfel zu wandern. Der Wind hat tatsächlich fast völlig nachgelassen, der Himmel ist blau. Ich freue mich.

 

Um Viertel nach neun Uhr wandere ich los, zunächst die Straße nach Panormos hinab bis nach zehn Minuten links ein breiter Treppenweg ins Tal hinab führt. Vorbei an flachen Ställen aus unverputzten Mauern und einer unweigerlichen Kapelle geht es hinab, zu einem Brunnen mit schönem Marmorrelief im Talgrund. Hier in Livadi habe ich nun die Wahl des Weges: über Kira Xeni auf den Profitis Ilias, oder über Kato Marlas und Marlas und dann auf den Gipfel. Ich entscheide mich für die zweite Variante, um dann auf dem Rückweg die andere Route zu wählen. Eine Stunde und 2,5 Kilometer werden bis Marlas angezeigt.

 

Der Weg verläuft nun zwischen zwei hohen Steinmauer aufwärts, eine Ziege beargwöhnt mich von einer Steinmauer. Zwischen den Mauern spannen gerne mal Spinnen ihre Netze. Nachdem mich die ersten Achtbeiner "gefangen" haben - natürlich unter Verlust ihres Gespinstes - wedle ich mit dem Wanderstock wie einem Lichtschwert vor mir her um die erstaunlich stabilen Fäden vor mir zu zerteilen. Was mir nicht immer gelingt. Dann hängt der robuste Faden um Hals oder Kopf, womöglich noch samt Bewohner. Ich höre ihn förmlich schimpfen: Immer dieser Wanderer! Signomi, aber als Beute bin ich zu groß.

 

Der Blick zurück offeriert nun den Blick hinab über das Kambos-Tal bis zur Planitis-Insel mit dem Leuchtturm jenseits von Ormos Panormou. Rechts die Häuser des Edelquartiers Glafki Stay. Und weiter rechts die weißen Häuser von Pyrgos, die ich heute noch aus zig Perspektiven werde bewundern können.

Schnell wird mir warm vom Spinnenfadengefuchtel und vom Anstieg. Oberhalb meines Weges sehe ich die Kirchen Kyra Xeni und Agia Thekla liegen, biege dann aber links in ein Tal ab, quere ein nicht ganz trockenes Bachbett und schiebe die dichten, teilweise schon blühenden Oleanderäste zur Seite, zwischen denen der Weg verläuft. Eine Schlange huscht in die Deckung bevor ich sie identifizieren kann. Na, das ist ja ein tierisches Paradies! Quakende Frösche hat es auch noch, und gelegentlich flüchtende Eidechsen.

 

Ansteigend wird der Weg freier, Kira Xeni ist nun fast auf gleicher Höhe, und über mir auf dem breiten Gipfel kann ich die Kapelle des Propheten Ilias gut ausmachen. Aber das ist noch eine Weile des Weges, der zuerst nach Marlas führt.

 

Unter Olivenbäumen ist ein Mann auf seinem Terrassenfeld zugange, darüber die Kapelle Agios Petros, die mit einem Wohnhaus ein Ensemble bildet. Schön hier, und die Feigenbäume am Wegrand verbreiten ihren intensiven Duft. Die Früchte sind aber hart und unreif. Da müsste ich im Herbst kommen.

Bald darauf habe ich die Hausruinen von Kato Marlas erreicht, die ich links liegen lasse. Und als ich gerade die für Tinos doch so unentbehrlichen Taubenhäuser vermisse, steht eines rechts des Weges. Sieht aus wie ein überdimensioniertes Klimagerät mit seinen glatten Wänden und dem Raster der Ausflugsluken.

 

Um zehn vor elf erreiche ich das Zentrum von Marlas. Briefe werden dort offenbar in der Vitrine der offiziellen Verlautbarungen am Buswartehäuschen zugestellt. Ich habe deutlich länger als eine Stunde seit dem Wegweiser bis hierher gebraucht, aber ich muss ja auch immer fotografieren und gucken.

Von Marlas wähle ich die Piste Richtung Norden, zu den Marmorsteinbrüchen und nach Koumelás. Die Perspektive auf den Steinkamm des Profitis Ilias verschiebt sich, ich werde mich ihm seitlich nähern. Nach etwa zehn Minuten zweigt ein schmales Monopati rechts ab und führt auf den Felsenkamm zu. Nach dem ersten Stück über das offenere Gelände eines Hügelrückens sortiert sich der Pfad zwischen die unvermeidlichen Steinmauern ein, die mir einen erneuten Kampf mit Spinnenfäden bescheren. Nichts für Arachnophobiker, und auch wenn ich keine Angst vor den Tierchen habe, bin ich doch zunehmend genervt. Mal hängt ein Spinnentau hartnäckig am Bein, mal klebt eine eingesponnene Insektenmumie an meinem Hut. Dazu schwitze ich noch vom gelegentlich steilen Anstieg. Aber das zunehmend weitere Panorama entschädigt mich für die Widernisse, und eine Dreiviertelstunde nachdem ich Marlas verlassen habe, guckt die Gipfelkapelle plötzlich ganz nah hinter einer Biegung hervor. Noch ein letzter Anstieg, und ich habe sie erreicht.

Und was für ein wunderschönes Gottesplätzchen ist das doch! Die kleine Plattform vor der Kapelle trägt eine halbes Dutzend Steintische samt Bänken, und die Aussicht ist überwältigend! Über Tinos im Südosten, mit Pyrgos in sein Tal geschmiegt. Nach Westen sehen ich Marlas und hinter dem flachen Gipfel des Kefala Syros und Gyaros. Im Norden trennt nur der eineinhalb Kilometer schmale Kanal Tinos vom Kap Steno auf Andros. Die Sicht ist ausgezeichnet, und so kann ich sogar die Panagia und das Kastro Faneromeni dort auf ihrer Anhöhe ausmachen. Wenn ich hinauf bis zum Kreuz am Gipfel klettere, kann ich auf der anderen Seite zur Ormos Panormou hinab gucken, und sehe dahinter Ikaria am Horizont. Ich bin ganz trunken vor Glück.

 

Das kleine Kapellchen des Profitis Ilias ist geöffnet und zeigt unter dem Tonnengewölbe eine marmornen Ikonostase, und auch der Ikonenständer und das Kerzenbecken sind aus dem gleichem Material. Natürlich entzünde ich Kerzen, und das Singen bricht hier ganz selbstverständlich aus mir heraus. Selten habe ich so voller Inbrunst ein Gotteslob geschmettert.

Dann entdecke ich neben der Türe ein Tischchen mit Gaskocher, Kännchen, Kaffee, Wasser. Seit ich mit Renate auf Sifnos zur Panagia Toso Nero gewandert bin und uns in Agios Konstantions einen Elliniko gekocht habe, kann ich solch Einladungen nicht mehr ausschlagen. Kaffee, Wasser und Zucker ins Vriki, das Gas anzünden und die Melange bei geöffneter Kapellentüre mit Panoramablick zweimal aufkochen. Brüllendheiß in den doppelten Plastikbecker, und dann habe ich auch die innere Ruhe, mich dort auf eine steinerne Bank zu setzen und Kaffee, Vesper und Aussicht in mich aufzunehmen und einfach zu genießen.

 

Bis die unweigerlichen kleinen brauen Gipfelkäfer auftauchen und mich umschwirren. Nach den Spinnenattacken nun Käfer. Um welche es sich genau handelt, weiß ich nicht, aber die Insekten mit ihren rostbraunen Flügeln habe mir schon manchen Gipfel vermiest. Zum Glück sind es hier nicht so viele und penetrante wie damals am Profitis Ilias von Nisyros. Ich nenne sie jetzt ganz unsystematisch Profitis-Ilias-Käfer, da sie so gerne an den Gipfeln Griechenlands herumschwirren. Es könnten natürlich auch Rote Weichkäfer sein, aber das klingt so profan, und weich sind sie auch gar nicht.... 

Trotzdem kann ich mich erst nach über eineinhalb Stunden vom Gipfel und der Aussicht wieder losreißen und den Abstieg beginnen. Günter hatte mir zum Abstieg einen anderen Weg nahegelegt, der vom Gipfel über die Ostflanke talwärts verläuft. In meiner Karte ist der Pfad eingezeichnet, der sich weiter unten teilt und in einem kürzeren und einem weiteren Bogen zu einer Agios-Ioannis-Kapelle nordöstlich des Klosters Kira Xeni führt. Er müsste etwas unterhalb der Kapelle abgehen, wo die Piste von Marlas endet. Aber dort finde ich nichts, also war es doch weiter oben, wo ein Pfad zu ahnen war. Ich weiß nicht ob mir das nicht zu wild und steil wird, und ich habe auch keine Lust, mich wieder zur Spinnennetze zu kämpfen, während die Achtbeiner es auf meiner Aufstiegsroute noch nicht wieder zu größeren Insektenfallen geschafft haben dürften.

Ich nehme also den gleichen Weg wie herauf, biege dann aber noch ein Stück vor der Straße links direkt auf das Monopati über grünes Gestein zur Kira Xeni ab. Das klappt problemlos, und nach einer halben Stunde stehe ich vor der Kirche Agia Thekla, die aber wieder geschlossen ist. Immerhin das Gelände ist geöffnet, im Gegensatz zur tiefer gelegenen Klosteranlage Kira Xeni, die sich hinter hohen Mauern verschanzt. Heute müssen hier auch keine Frauen einen Taufe vorbereiten, und so wandere ich zügig auf einem guten Weg weiter talwärts, quere an einer Steinbrücke einen Bach. Sowie es Wasser hat, wächst gleich Oleander. Ein paar interessante Taubenhäuser verlieren sich in der Umgebung.

Gegen Viertel vor zwei erreiche ich die Senke, in der ich heute früh links abgebogen bin, und der Kreis schließt sich. Nun noch die breite Treppe hinauf zur Straße und zurück ins Quartier beim Steinmetz. Neun Kilometer bin ich gewandert in knapp drei Stunden reiner Gehzeit, 520 Höhenmeter hinauf und hinab. Das war echt wunderschön, wenn auch durchaus schweißtreibend mit wenig bis keinem Wind. Den Galaktobureko an der Platia (endlich!) im Megalós Kafenes habe ich mir verdient, mit einer hausgemachten Limo und einem Krug frischen Quellwassers dazu.

Eine zweite Erfrischung gönne ich mir wenig später beim Bad am Strand von Ormos Panormou. Und es ist wirklich frisch, auch wenn das Thermometer fast 20 Grad Wassertemperatur anzeigt. Die französische Reisegruppe, die vor zwei Tage in Kardiani gesehen habe, sonnt sich am Strand, und entert dann den Minibus. Sonst ist nicht viel los, es ist noch keine Badesaison und die Tagesgäste sitzen lieber in den Lokalen des Ortes. Ich beschließe, zum Abendessen zurückzukehren.

 

Zwei Stunden später habe ich dann die Qual der Wahl bei den vielen Lokalen von Ormos Panormou. Ich entscheide mich schließlich für das "Maïstros" und eine Fischsuppe. Vorab eine Portion Kremidokeftedes - Zwiebelbällchen. Hatte ich noch nie. Dazu ein Glas Wein. Die Bällchen sind eher Sticks und leider etwas sehr bitter. Die in einer tiefen Schale servierte, safrangelbe Fischsuppe schmeckt aber gut. Preislich reiße ich dieses Mal die 20-Euro-Marke - Fischsuppe ist teurer - und bezahle 24 Euro.

Alles in allem ein gelungener Ausklang eines wunderbaren Tages.

Und morgen ist dann schon mein letzter ganzer Tinos-Tag dieses Urlaubes.