Vier Tage in Venedig - März 2012

 

Eigentlich hatte ich nach Poros gewollt. Aber die Streikbereitschaft, der drohende Staatsbankrott und die zunächst für April geplanten Wahlen haben uns abgeschreckt, den Großraum Athen zu besuchen. Griechische Inseln im Direktflug und im März - Fehlanzeige.

Dann flatterte ein günstiges Flugangebot nach Venedig ins Haus: Für 80 Euro Stuttgart - Treviso - Stuttgart. Mit Germanwings.

Und ich liebe Venedig!

 

Ende März ist noch nicht Saison (dachte ich), und die Hotels sind noch erschwinglich. Wir entschieden uns nach langem Hotelstudium für das Hotel "Antigo Trovatore", nur einen Steinwurf von San Marco entfernt. Ein Zimmer mit Balkon und (Mini-)Frühstück für 96 Euro die Nacht. Direkt beim Hotel gebucht war es übrigens preiswerter als bei booking - da wäre es der gleiche Preis ohne Frühstück gewesen.

Das Hotel kann man empfehlen (freundlich eingerichtet, Zimmergröße ok, hell, nicht zu plüschig, sauber, nachts nicht zu laut), auch wenn das Frühstück tatsächlich nicht umfangreicher ausfällt als auf der Website präsentiert (ich hatte das gehofft). Ein Minibrötchen, ein süsses Hörnchen, zwei eingeschweisste Scheiben Zwieback, eine Portion Butter, zweierlei Marmelade, Saft und Kaffee bzw. Tee nach Wunsch. Kompromisslos Italienisch eben.

 

Ein 7-Tage-Ticket für die Vaporetti hatte ich vorher schon bei veniceconnected gebucht, da spart man ein paar Euro (37,50 statt 50 Euro).

 

Vom Flughafen Treviso fährt ein Bus nach Venedig (Piazzale Roma), ist nicht zusammen mit dem Vaporetto buchbar. Einfache Fahrt kostet 7 Euro, hin und rück 13 Euro. Fahrplan bei ATVO.

 

Es klappte alles bestens. Die Sonne lachte - kein Tropfen Regen.

Nur war die Stadt schon viel voller als ich gedacht habe.Wir mussten an Rialto umsteigen, und dann fuhr das Vaporetto nur bis San Marco und nicht bis San Zaccaria. Dort war jeweils der Bär los, und auf den Vaporetti auch.

 

Nach der Ankunft im Hotel gegen halb drei Uhr haben wir gegen den großen Hunger erst mal ein paar leckere Tramezzini in einer Bar der Nachbarschaft geholt und auf dem Balkon gegessen. Seitlicher Dogenpalast- und Campanile-Blick dort.

 

Dann sind wir zu San Marco gegangen, lebhaftes Treiben auf Piazza und Piazetta. Der Andrang am Dom war gering, also natürlich hinein. Das Licht war drinnen nicht soo toll, aber die Mosaiken sind trotzdem überwältigend! Und der Boden!

Im Eingangsbereich rechts hat man die Kuppel mit der Schöpfung und der Vertreibung aus dem Paradies gereinigt - unglaublich, diese Leuchtkraft! Wirkt total modern. Leider konnte man nur seitlich reingucken.

Anschliessend wollten wir zur Insel San Clemente hinüber, zwischen Giudecca und Lido gelegen. Dort gibt es ein Luxushotel mit einem schönen Park (mit niedlichen Kaninchen überall), das einen kostenlosen Zubringerdienst per Boot ab San Marco unterhält (Danke für den Tipp aus dem Dumont Reisetaschenbuch). Alle 40 Minuten geht ein Boot, die Überfahrt dauert etwa eine Viertelstunde.

Natürlich wollten wir dort auch etwas konsumieren und nicht nur die Überfahrt schmarotzen. Im Garten vor der Kirche San Clemente fanden wir eine Gartenbar. Auf gesalzene Preise muss man sich einrichten - der Spritz (für 9 Euro) war aber auch groß und es gab noch eine Ladung Knabberzeug dazu.

Das Ambiente ist eh unbezahlbar - die Ruhe, der Blick auf die Lagune.

 

Als der Kellner die Rechnung brachte und meinte, wir sollten nur unsere Zimmernummer eintragen, waren wir kurz versucht, dieser Aufforderung nachzukommen ;-) Legten dann aber doch einen Zwanziger in die diskrete Rechnungskladde. Weder Wechselgeld noch Rechnung wurden zurückgebracht....

 

Die Rückfahrt zum Sonnenuntergang - wieder wunderschön!

 

Gesättigt durch Knabberzeug wurden wir später am Abend in einer Bar an der Piazza Santa Maria Formosa abgezockt. Klar zahlt man beim Verzehr im Sitzen mehr, aber 5 Euro für ein Glas Rotwein und 6 Euro für ein Stück Pizza sind schon stark! Der Scontrio, den ich daraufhin einforderte, enthielt leider keine Details, nur die Gesamstsumme. Sollte man vielleicht mal Grüße an die Finanzpolizei ausrichten?

Am Dienstag stand die Galleria dell'Accademia auf dem Programm, den Besuch des Museums hatten wir bisher noch nie geschafft. EU-Senioren über 65 kommen übrigens kostenlos hinein. Entsprechend voll war auch das Museum. 

 

Irgendwann mag man dann keine Ölschinken mehr sehen. Nein, das ist ungerecht - es hat wirklich wunderschöne Werke dort!

 

Nach einer Pizza am Zattere bummelten wir vor zum Kreuzschiffahrtanleger - es lag aber nur ein Flusskreuzfahrtschiff dort, die "Michelangelo". Setzten dann nach Giudecca über und bummelten vor bis Zitelle. Angenehm leer und ruhig ist es auf Giudecca. Dann fuhr auch noch die ANEK-Fähre "Kriti II" auf dem Weg nach Patras an uns vorbei (vielmehr wurde sie geschleppt), ein wenig Fernweh nach Griechenland kam auf.

Mit dem Vaporetto setzten wir nach San Giorgio Maggiore über - eine Fahrt mit dem Aufzug auf den Campanile gehört für uns zu jedem Venedig-Pflichtprogramm. Kostet inzwischen auch schon 5 Euro.

Oben war ganz schön viel los - eine deutsche Reisegruppe belegte die Aussichtsnischen. Aber wir liessen uns Zeit und kamen schliesslich auch zum Gucken. Geniale Aussicht!

 

Dabei entdeckte ich unterhalb des Turmes eine kleine Cafe-Bar, in der wir anschliessend unseren Spritz zu uns nahmen (nun zum schon zivileren Preis von 3,50 Euro, im Sitzen).

Von San Giorgio Maggiore sind wir dann noch rüber nach Arsenale um den griechische Löwen einen Besuch abzustatten. Hier steht einer der Löwen der Löwenterrasse von Delos. Man muss ihn nicht gleich wiedererkennen: die Venezianer fanden ihn wohl nicht imposant genug und verpassten ihm einen dickeren Kopf. Die großen Löwen rechts und links des Eingangs stammen aus Piräus und wurde von Herrn Morosini dort 1687 mitgenommen.

Durch das Griechenviertel mit der Kirche San Giorgio - auch in Venedig gibt es schiefe Türme, und nicht wenige - ging es zurück ins Hotel.

 

Später fuhr ich zum Sonnenuntergang nochmals hinüber nach San Giorgio Maggiore.

Noch satt von der mittäglichen Pizza und den spritzbegleitenden Chips verzichteten wir auf ein abendliches Menu und machten es uns mit einer Flasche Merlot und einige Tramezzini auf unserem Balkon bequem. Die Nacht war erstaunlich lau.

 

*

 

Für den Mittwoch Nachmittag hatte ich in der Scrovegni-Kapelle in Padua Tickets reserviert.

So fuhren wir gegen 11 Uhr mit dem Zug nach Padua, holten an der Scrovegni-Kapelle unsere Tickets ab, besichtigten die benachbarte Chiesa degli Eremitani und gingen dann mit Irrwegen über den Prato della Valle und die Kirche Santa Giustina zur Basilika des heiligen Antonius mit der Statue des Gattamelata davor.

Die Basilika mit ihren drei Kreuzgängen besichtigten wir natürlich, nur die Zunge des Heiligen ersparten wir uns.

 

Durch die Altstadt mit schönen Palazzi und einem sich auflösenden Markt mit reichlich Dreirädern ging es nach einem kleinen Imbiss zurück zur Scrovegni-Kapelle. Weil wir am falschen Eingang standen hätten wir beinahe unsere Eingangszeit verpasst! Wir schafften es gerade noch rechtzeitig und wurden mit einer Meute desinteressiert Jugendlicher in die Luftschleuse zur Scrovegni-Kapelle eingelassen (maximal 25 Personen pro Termin), wo wir einen 10-minütigen Film über die Fresken von Giotto zu sehen bekamen.

 

Dann durften wir endlich hinein. Die Fresken von Giotto sind wirklich wunderschön, und man ist auch so nahe dran. Aber man hat nur eine Viertelstunde Zeit und weiss erst mal gar nicht, wohin man zuerst gucken soll. Dazu störten die völlig desinteressierten Teenager, die im Weg stehen und herumalbern. Raus können sie auch nicht - die Türe öffnet sich nur jede Viertelstunde.

Insofern ist die Kapelle etwas eine Enttäuschung. Schade!!

 

Weil der Eintritt im Kapellenticket mit drin ist, sahen wir uns noch Museo d'Arte Mediovale der Musei Civici degli Eremitani an. Wunderschön fanden wir vor allem die Bilder von Guariento - Engel und eine Madonna. 

 

Erledigt ob des überbordenen Bildangebotes - die letzten Räume durchlaufen wir nur noch - gingen wir zurück zum Bahnhof und fuhren nach Venedig.

Vom Bahnhof fuhren wir mit dem Vaporetto bis Rialto und gingen zu Fuß zum Hotel - das obligatorische Gedränge auf dieser Tourimeile. Schnell noch ein Spritz im Stehen in einer Bar, Abendessen dann um die Ecke vom Hotel bei "da Nino" - ok, aber keine kulinarische Offenbarung.

 

*

 

An unserem letzten ganzen Tag wollten wir nach Torcello und Burano. Das nur halbstündlich verkehrende Vaporetto ab Fondamente Nuove verpassten wir um wenige Minuten und mussten auf das nächste warten. Den Anleger füllte und füllte sich - einsam werden wir auf den Inseln wohl nicht sein. Da sind wir noch verwöhnt vom letzten Besuch im November...

 

Die Schifffahrt bis Burano dauerte fast eine Dreiviertelstunde, das Boot schlich ziemlich. Aber es hat auch überall Geschwindigkeitsbeschränkungen!

In Burano muss man auf ein anderes Boot nach Torcello umsteigen, das dann in gerade mal fünf Minuten nach Torcello übersetzt.

Dort geht es auf einem schönen geplasterten Weg entlang eines malerischen Kanales an das andere Inselende zu den Kirchen Santa Fosca und Santa Maria Assunta - beide aus dem 11. Jahrhundert. Santa Fosca besticht durch ihre Einfachheit, bei Santa Maria Assunta muss man 5 Euro Eintritt bezahlen um die wunderschönen Mosaiken und die Steinböden betrachten zu dürfen. Erstaunlich viele Leute, darunter sogar eine japanische Gruppe, haben den langen Weg hierher nicht gescheut.

Die Madonna auf dem goldenen Grund ist in byzantinischer Tradition als Madonna Hodegetia gestaltet - eine Panagia Odigitria!

Ein Traum!

Ein Alptraum dagegen das Jüngste Gericht auf der gegenüberliegenden Seite - und dennoch faszinierend in seiner Detailliertheit. Wir konnten uns kaum losreißen.

Auf die Einkehr im Restaurant Locanda Cipriani verzichteten wir, und setzten über nach Burano, der Spitzeninsel mit den farbenfrohen Häusern.

Dort neigt man inzwischen ein wenig zur Übertreibung was die Farbgestaltung betrifft - nicht jede Kombination ist geschmacksverträglich, und vermutlich gibt es eine kommunale Auflage, dass Wäsche vor dem Haus an der Leine zu trocknen ist.

Waren wir abseits noch fast einsam, so überwältigte uns der Ansturm in der Hauptgasse! Die Klöppelspitzen, die hier in zahlreichen Läden angeboten werden, kommen natürlich nicht mehr von der Insel - wer soll das bezahlen? Handgeklöppelt made in China - und so mancher asiatische Tourist nimmt das Produkt dann wieder mit heim. Globalisierung....

Es war so voll, dass kaum ein Platz in einem Restaurant zu bekommen war. Bei Temperaturen um 20°C sitzt man überwiegend draußen. Natürlich ist der Qualität der Küche auf zügige Touristenabspeisung eingerichtet. Aber die Sardinen schmeckten gut, und die Spaghetti zuvor auch.

 

Wir waren müde, sehnten uns nach einem ruhigen Plätzchen. Eine vergeblich Hoffung heute, für die Rückfahrt gab es auf dem Vaporetto für uns nur Stehplätze. So stiegen wir noch in Murano aus, wo es tatsächlich etwas ruhiger war.

Die üppigen Glasvasen und deren Produktion kannten wir schon, sahen uns lieber kleine Läden mit Schmuck an. "Alles auf Murano produziert" wird auf Schildern versprochen, und so findet noch der einen oder andere Schmuck den Weg in unsere Tasche.

Vorbei an der Friedhofsinsel San Michele setzten wir wieder nach Venedig über, fuhren noch durch das Canareggio-Viertel bis Guglie, im "Ghetto" gelegen. Von hier zu Fuß zum Hotel - die Straßen waren auch hier voll, nun aber vor allem von Einheimischen gefüllt.

Nahe dem Fischmarkt fanden wir einen Bacaro mit leckeren belegten Brötchen und dem Spritz für zwei Euro - schmeckte nach mehr!

 

Den Abend beschlossen wir mit einem Konzert in der ehemaligen Kirche San Vidal - die "Interpreti Veneziani" spielten die "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi, danach noch Mozart und Pergolesi.

 

Noch ein Rotwein im Stehen an einer Bar, und die Piazza San Marco bei Nacht - weitgehend taubenfrei inzwischen, aber bevölkert mit pakistanischen Verkäufern, die zu Demonstrationszwecken leuchtendes Spielzeug in den venezianischen Nachthimmel schießen und an den Mann bzw die Frau bringen möchten. In heimschen Vorgärten müsste man das Spielzeug schnell auf einer Dachrinne angeln....

 

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Am Freitagvormittag hatten wir noch Zeit für den Besuch eines Antiquitäten-und Flohmarktes unweit des Campo San Stefano, einen Bummel durch das San-Marco-Viertel und den Besuch des Fischmarktes nördlich von Rialto. Da war der Bär los!

 

Noch ein letzter Spritz in dem gestern gefundenen Bacaro, dann hieß es Abschied nehmen von Venedig.

Aber ich komme wieder!

Nächstes Mal aber wieder im Winter...

Ergänzung Januar 2013:

das Hotel San Clemente hat leider im Herbst 2012 geschlossen - zahlungsunfähig. Also keine Gelegenheit zum romantischen Spritz mehr :-(