Dreirad-Esel: Trikykla
Sie sind das optimale Transportmittel auf den griechischen Inseln – schmal genug um durch enge Straßen zu kommen, groß genug um ordentlich was drauf zu laden, sparsam im Verbrauch, anspruchslos in der Technik, ideal zum selbst dran herumwerkeln. Besser sind nur Esel – mit denen verbindet sie auch eine gewissen Sturheit: Dreiräder.
Nein, keine pedalgetriebenen Kinderfahrzeuge: Sondern Lastdreiräder.
Lastdreiräder, wie zum Beispiel die am weitesten verbreiteten Piaggio Ape: die kleine 50er, und die große TM, sowie die alten Ape C. Aber auch mir unbekannte Marken. Τρίκυκλα.
In allen Zersetzungszuständen.
Seit ich selbst inzwischen mehr oder weniger freiwillig auf den dreirädrigen Lastesel gekommen bin („Muckelchen“ heißt das gute Stück, hier mehr darüber), fallen sie mir überall auf. Leider habe ich nicht immer dann auch den Fotoapparat so schnell zur Hand um die Teile abzulichten. Besonders bedauere ich das bei einem Dreirad, mit dem ein älteres Fliegendes-Händler-Paar auf Folegandros vom Schiff ist – er schmal und faltig als Fahrer, sie prall und breit auf der Ladefläche inmitten von Kissen, Decken, Teppichen.
Und jetzt auf Kos: ein Traum von einem Dreirad: mit Fähnchen rechts und links, oben ein Kreuz. Eine Kloster-Trikyklo? Drei Mal gesehen, drei Mal die Kamera nicht schnell genug parat :-( Am letzten Abend habe ich es auf die Blue-Star-Fähre fahren sehen - wieder zu weit weg...
Dafür war Nisyros sehr ergiebig. Hier also die neusten Trikykla:
Weil ich noch nicht soo lange Dreiradfotos sammle, ist die griechische Sammlung überschaubar – in solchen Massen sind die Trikykla nicht mehr unterwegs. Nun bot aber ein Aufenthalt in Palermo die Möglichkeit, die Sammlung nicht unbeträchtlich aufzustocken. Was unter Siziliens Sonne so an Dreirädern verkehrt, ist schon einige Fotos wert.
Puristen mögen anmerken: Was haben italienische Dreiräder auf einer Griechenland-Seite zu suchen?
Nun, erstens sind es sizilianische Dreiräder. Und Sizilien gehörte mal zu Griechenland (Groß-Griechenland/Magna Graecia, bis 272 v. Chr.).
Und zweitens gibt es da den Spruch (aufgeschnappt in dem Film „Mediterraneo“) „una faccia una razza“ (= ein Gesicht, eine Rasse). Der spielt auf die enge kulturelle Verbindungen zwischen Griechen und Italienern seit der Antike an. (Mit der italienischen Verwaltung des Dodekanes zwischen 1912 und 1943 erlebte dieser Slogan eine neuzeitliche Wiederbelebung. Dieser Leitspruch sollte die Ähnlichkeiten der beiden südländischen Mentalitäten und ihrer reichen gemeinsamen historischen Vergangenheit herausstreichen und einer gesellschaftlichen Verbrüderung Vorschub leisten. Quelle (auch sonst interessant) http://www.uibk.ac.at/geschichte-ethnologie/aktuelles/ex_rhodos/paper/8italiener.pdf ).
Und außerdem kann ich hier eh machen was ich will :-)
PS:
Nein, ich hab kein frühkindliches Dreirad-Trauma. :-)
Deshalb noch drei deutsche Api. (Apen? Apes??)
Wenn wir schon bei deutschen Dreirädern sind: Karin S. hat mich da auf was hingewiesen: Tempo-Fritz in Dresden, ein dreirädriger Imbisswagen, der es nicht immer leicht hatte.
Was mich zu den "Tempo"-Dreirädern führte. Nicht im Meerschweinchen-Look wie die Ape, sondern langnasig fuhren sie im Nachkriegsdeutschland herum, bis die Produktionsanlage 1962 nach Indien ging, wo die Teile als "Bajaj-Hanseat" bis ins Jahr 200 produziert wurden.
Hier die Website zu einer Ausstellung "Tempo! Auf 3 Rädern durch die Stadt"
im Jahr 2009 im Museum für Arbeit in Hamburg.